Hanna Heim ist Münchens erste Weinkönigin. Die 32-jährige Historikerin und gebürtige Unterfränkin hat sich bei der Wahl gegen drei Mitbewerberinnen durchgesetzt. Sie hatte sich spontan zur Kandidatur entschieden, weil sie die Idee vom eigenen Münchner Wein unterstützen will. Einen Plan, wie sie das machen will, hat sie bei der Bewerbung auch schon der Jury vorgeschlagen. „Ich würde sehr gerne einen Menzinger Weinspaziergang etablieren und so einen Münchner Weinbrunnen – es gibt einen Münchner Bierbrunnen, aber es gibt noch keinen Münchner Weinbrunnen und das sollte man dringend ändern.“
Nur Bewerberinnen
Aufgerufen war ausdrücklich zur Wahl einer Weinhoheit in der Isar-Metropole. Die Hoffnung war groß, dass sich vielleicht auch ein Mann als Kandidat meldet. Ihre Bewerbung eingereicht, haben dann aber ausschließlich zwölf Frauen und vier kamen in die finale Runde. Wieso man sich als junge moderne Frau überhaupt noch als Weinkönigin sehen könnte? „Ich fand das für München einfach eine wunderbar verrückte Idee“, sagt Hanna Heim. Mitbewerberin Bettina Leger meint: „Es wäre mir eine große Ehre als geborene Münchnerin.“ Da weiß sie noch nicht, dass sie eine Stunde später den Titel der Münchner Weinprinzessin erhält und Stellvertreterin der Königin für zwei Jahre sein wird. Beide glauben, dass die Weinbranche innovative Ideen für die Zukunft braucht, und die wollen sie mit dem Verein gemeinsam entwickeln.
Königin sucht Innovation
Schirmherr der Wahl ist der Weinbauverein Menzing. Weinliebhaber aus dem Stadtteil Untermenzing haben vor zwei Jahren an einem fröhlichen Abend über einen Verein sinniert und die Idee dann zügig umgesetzt. Inzwischen sind es rund 130 Mitglieder. Das Ziel: Dem Wein in München wieder alten Stellenwert verschaffen. „Im zwölften Jahrhundert war München eine Weinstadt, vor dem Bier. Da wollen wir was aufholen und wir haben viel vor“, sagt Christian Dauber, Vorsitzender des Vereins. Allen ist klar, dass sie praktisch bei Null anfangen. Über 200 Jahre ist kommerziell kein Wein mehr auf Münchner Stadtgebiet gewachsen. Also brauche der Neustart viel Aufmerksamkeit, sagt Roja Delarami, die mit in der Jury sitzt. „Wir finden es deshalb absolut angebracht, dass wir eine Weinhoheit wählen.“
Erster Münchner Wein wächst
Die deutsche Weinkönigin, hört man an diesem Abend, habe rund 400 Termine pro Jahr. Die Münchner Weinkönigin fängt mal mit zwölf an, und die stehen noch gar nicht alle fest. Ihre erste Aufgabe: Den eigenen Weingarten in München bekannter machen. Der Weinbauverein hat ein Feld gepachtet und im Frühjahr die ersten 1000 Rebstöcke gepflanzt. Je nachdem, wie viel die Sonne scheint, wie viel es regnet, ob Schädlinge auftauchen und wie der Wind weht, entwickeln sie sich schneller oder langsamer. In zwei bis fünf Jahren rechnet der Verein mit einer nennenswerten Ernte und den ersten Flaschen mit echtem Münchner Wein.