Ruhe scheint nicht in das Bahnchaos zu kommen, stattdessen beherrscht das Thema immer wieder viele Gespräche. Häufiger Tenor: „Das wird doch eh nichts“ oder „Ich bin froh, wenn ich überhaupt irgendwann ankomme“. Die Bahnfahrt wird immer mehr zu einem Glücksspiel – obwohl doch mit der Korridorsanierung alles besser werden soll.
Diese wurde Freitag vergangene Woche als beendet erklärt und stattdessen eine mindestens fünfjährige Baufreiheit für die Strecke Hagen – Wuppertal – Köln versprochen. DB InfraGo-Vorstandsvorsitzender Philipp Nagl hatte schon beim Pressetermin die Erwartungen niedrig gehalten: „Es wird in den ersten Tagen noch zu leichten Unregelmäßigkeiten kommen.“
Man mag von Pech reden, das just zum Ende der Korridorsanierung noch Riss an einem tragenden Teil der Eisenbahnbrücke über die Wupper bei Opladen festgestellt worden ist: 1949 erbaut, gab es Ende 2025 bei der letzten Überprüfung laut DB noch keine Schäden – jetzt muss die eigentlich für die 2030er-Jahre vorgesehene Sanierung vorgezogen werden. Wohl bis mindestens Ende September soll der Verkehr auf der viel befahrenen Strecke eingleisig fahren – Fern- und Regionalzüge müssen sich ein Gleis teilen. Die Bahn plant allerdings, fast alle Regionalzüge auf der Strecke fahren zu lassen. Gleiches gilt beim Fernverkehr. Weil der Verkehr aber eingleisig und langsamer über die Brücke fahren müsse, wird es zu Verspätungen kommen. Die DB empfiehlt, wie so häufig, die digitale Fahrplanauskunft zu bemühen, um sich aktuell zu informieren.
Immerhin: Noch bis Freitag wurden der RE7 nach Köln über Düsseldorf umgeleitet und alle Halte dazwischen entfielen – jetzt geht es auf dem Regelweg weiter. Dennoch gilt für die Fahrgäste weiterhin: Es wird Verspätungen geben und bis alles wieder regulär läuft, wird es dauern, denn jetzt wird nur der Schaden ausgebessert. Die eigentliche Sanierung soll vorgezogen werden, allerdings steht dafür noch kein konkreter Plan oder Zeitrahmen fest. Daneben kam es auch zu kleineren Störungen an Oberleitungen, Weichen und Signalen – also den Stellen, an denen fünf Monate lang gebaut wurde.
Für NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) ist der aktuelle Zustand nicht haltbar. Schon vergangene Woche teilte er mit, dass sich in der nächsten Zeit zeigen werde, inwieweit die Versprechen der DB sich bewahrheiten werden. Die jetzige Lage sei „eine nicht hinnehmbare Entwicklung“ und die Kritik der Fahrgäste „sehr nachvollziehbar“. Er fordert eine „gründliche Aufarbeitung des Konzepts der Korridorsanierung“, es müsse „konstruktiv-kritisch beleuchtet werden“, sodass für die Zukunft Lehren aus den aktuellen Erfahrungen gezogen werden können.
Nun ist die Korridorsanierung zumindest hinsichtlich der Gleise, Oberleitungen und Ähnlichem auf der Hauptstrecke abgeschlossen, der Zugverkehr fährt, wenn auch noch mit starken Unregelmäßigkeiten. Doch die Arbeiten gehen weiter: Jetzt ist die S-Bahn-Strecke gesperrt, um weiter an den Bahnhöfen zu arbeiten. In Vohwinkel hat es immerhin sichtbare Verbesserungen im Bahnhofsgebäude gegeben (siehe S. 25), am Hauptbahnhof wirkt aber alles eher provisorisch. Das Bahnhofsgebäude ist davon ohnehin ausgeschlossen, da es von einem Investor saniert wird. Was bislang von der DB gemacht wurde: Die Rolltreppe zum Südsteg wurde entfernt, dafür ist die Treppe zu Gleis 1 verbreitert worden. Dort wurde zudem das Dach erneuert. Bei der Unterführung wurde der Gang verbreitert, gleichzeitig gibt es jetzt eine Engstelle kurz vor dem Treppenaufgang zu Gleis 2/3. Das Gleis selbst wirkt sehr viel größer als vorher, das Häuschen ist dort weg. Das Dach ist zumindest saniert worden, die Lampen sind neu gemacht. Allerdings fällt hier auch auf: Es musste schnell gehen. Die Pflasterarbeiten sind über den kompletten Bahnsteig hinweg schludrig durchgeführt, die Höhe und die Fugen der Platten sind unterschiedlich. Das stellt eine große Stolpergefahr dar.
Eine Rückmeldung der Bahn, ob das so bleiben wird oder ob es Nachbesserungen geben wird, blieb bis Redaktionsschluss aus.
Gerade angesichts der Streckenlänge von 65 Kilometern und dem Austausch beziehungsweise der Reparatur von gerade einmal 21 Kilometern Oberleitung und 81 Kilometern Oberbau stellt sich auch die Frage: War das wieder nur ein Flickwerk? Vielen Kunden jedenfalls wäre es lieber gewesen, wenn es dann eben länger gedauert hätte: „Statt dieses Hin und Her.“