Werk in Dietenhofen

„Tabubruch“: Schwere Vorwürfe gegen Playmobil

18.07.2026 – 16:53 UhrLesedauer: 2 Min.

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Playmobil-Figuren in einem Werk (Symbolfoto): Zwischen der Gewerkschaft im Kreis Ansbach und der Geschäftsführung knirscht es. (Quelle: Fourmy/Andia via www.imago-images.de/imago)

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Erst die Werksschließung, jetzt die fristlose Kündigung: Playmobil trennt sich vom Betriebsratschef – was dahintersteckt, sorgt für scharfe Kritik.

Erst die Schließung des Werks, jetzt offenbar die fristlose Kündigung des obersten Arbeitnehmervertreters: Im Streit um das Aus des Playmobil-Standorts Dietenhofen im Landkreis Ansbach ist die nächste Eskalationsstufe erreicht. Betriebsratsvorsitzender Michael Ulbrich, wie die gesamte 350-köpfige Belegschaft aktuell freigestellt, wurde fristlos gekündigt.

Das berichten der Bayerische Rundfunk (BR) und die „Nürnberger Nachrichten“ (NN). Für Betriebsratsmitglieder gilt eigentlich ein besonderer Kündigungsschutz, die Hürden für eine außerordentliche Kündigung sind hoch.

Gewerkschaft äußert sich empört über Playmobil-Vorgehen

Warum es bei Ulbrich dennoch dazu kam, bleibt offen. Von der Gewerkschaft IGBCE, die die Arbeiter an dem Standort in Dietenhofen bisher vertrat, heißt es dazu laut dem BR: „Die konkreten Gründe sind uns unbekannt. Es drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass hier ein Arbeitnehmervertreter, der sich auch öffentlich für die Sorgen und Nöte seiner Kolleginnen und Kollegen eingesetzt hat, zum Schweigen gebracht werden soll“, so Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner laut dem Sender. Auch von einem „Tabubruch“ ist demnach unter den Gewerkschaftern die Rede.

Die Horst Brandstätter Gruppe wollte sich dagegen zu den internen personellen Angelegenheiten „grundsätzlich nicht öffentlich äußern“.

Die bekannten Playmobil-Figuren werden künftig nicht mehr in der Metropolregion Nürnberg hergestellt. Die Horst-Brandstätter-Group, Muttergesellschaft von Playmobil, legte ihr Werk im mittelfränkischen Dietenhofen Ende Juni 2026 still – es war der einzige deutsche Produktionsstandort der Spielfiguren.

Playmobil in der Krise: Werk bei Ansbach ist geschlossen

Die Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat über eine Transfergesellschaft und einen Sozialplan befänden sich in der Endphase, hieß es zuletzt seitens eines Firmensprechers bei der Deutschen Presse-Agentur. Der im Februar angekündigte Prozess laufe planmäßig. Kündigungen für die 350 Beschäftigten seien bislang im gegenseitigen Einvernehmen nicht ausgesprochen worden.

Ein Unternehmenssprecher erklärte: „Unser klares Ziel ist es, den Beschäftigten im Rahmen einer Transfergesellschaft eine Perspektive über den 30. Juni 2026 hinaus zu ermöglichen und die Beschäftigten beim Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse aktiv zu unterstützen.“

Die Produktion soll künftig an den bestehenden Standorten in Malta und Tschechien fortgeführt werden. Der Schritt folgt auf eine lange Schwächephase: Nach dpa-Angaben hat die Gruppe in wenigen Jahren rund ein Drittel ihres Umsatzes eingebüßt, die Nachfrage nach Playmobil-Spielzeug ist zurückgegangen.