Hintergrund
Standdatum: 19. Juli 2026.
Autorinnen und Autoren:
Alexander Schnackenburg
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Initiativen begleiten den Bau der A281 seit jeher mit Protesten. Unser Foto zeigt eine Demo von 2008 gegen die Freigabe des Stücks zwischen Airport-Stadt und Neustädter Hafen.
Bild: dpa | Ingo Wagner
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Für Natur, gegen Beton – oder umgekehrt: Bremens Bürger beteiligen sich aus unterschiedlichen Gründen an der Gestaltung der Stadt. Nicht immer aber ist das im Sinne des Senats.
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Mal geht es um eine Autobahn, dann um eine Wohnsiedlung oder um den Erhalt eines Krankenhauses: Bürgerinitiativen spielen in Bremen traditionell eine große Rolle. Das betrifft zentrale Fragen zur Stadtentwicklung ebenso wie vermeintlich kleinere, etwa zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte oder zum Erhalt von Krankenhäusern.
Um die Menschen in der Region künftig noch öfter und stärker einzubeziehen, fordert der „Zusammenschluss Bremer Bürgerinitiativen“ den Senat dazu auf, Bürgerbeteiligungsprozesse „auch zu anderen Themen“ ins Leben zu rufen. Allerdings ist Bürgerbeteiligung nicht gleich Bürgerbeteiligung. Auch bedarf es längst nicht immer der Aufforderung oder auch nur der Zustimmung des Bremer Senats, damit sich die Bürgerinnen und Bürger einbringen. buten un binnen erklärt anhand von fünf Beispielen unterschiedliche Wege der Bürgerbeteiligung.
1 Langemarckstraße in der Neustadt
Dass die Langemarckstraße auch künftig so heißen wird, ist das Ergebnis eines parlamentarisch gelenkten Entscheidungsprozesses mit Hilfe von Anwohnerinnen und Anwohnern. In Kürze: Der Name der Straße geht auf ein Gefecht zurück, das sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs nahe des belgischen Ortes Langemark ereignet hatte. Später verklärten die Nazis die Geschichte um das Gefecht. Daher beschloss der Beirat Neustadt 2022, die Langemarckstraße umzubenennen.
Doch dagegen regte sich heftiger Widerstand in der Bevölkerung. Der Senat forderte daher eine stärkere Bürgerbeteiligung. Im Zuge einer Befragung sowie bei zwei Einwohnerversammlungen wurde klar: Die Anwohnerinnen und Anwohner wollen, dass die Langemarckstraße ihren Namen behält.
Dem ist der Beirat im Juni gefolgt. Er möchte, dass der Senat „einen strukturierten und nachhaltigen Erinnerungsprozess zur Geschichte der Langemarckstraße“ aufsetzt. Das könnte etwa bedeuten: Bremen erklärt die Geschichte des Straßennamens auf einer separaten Tafel.
2 Kaufhof-Areal in der Innenstadt
Was aus dem Kaufhof-Areal in Bremens Innenstadt wird, darüber möchte die Stadtentwicklungsgesellschaft Brestadt mit Hilfe der Bremer Bürgerinnen und Bürger entscheiden. Kürzlich hatte sie deshalb zu einer Online-Befragung aufgerufen, an der sich etwa 1.100 Personen beteiligt haben. Sie wünschen sich für das Gelände vor allem mehr Grün.
Das Besondere an diesem Entscheidungsprozess: Bremen hat die Geschicke des Areals erst seit Kurzem weitgehend selbst in der Hand. Denn erst Ende 2024 hat die stadteigene Brestadt das Gelände samt Gebäude für 37,2 Millionen Euro gekauft. Zuvor gehörte es privaten Eigentümern. Der Abriss des einstigen Horten-Gebäudes ist für das kommende Jahr geplant.
3 Bahnwerkstatt
Um in Oslebshausen eine Bahnwerkstatt bauen zu können, muss der Zugbauer Alstom eine Reihe von Lärmschutzmaßnahmen umsetzen. Obendrein muss er sich an den Kosten einer Gedenkstätte beteiligen. Das haben Anwohnerinnen und Anwohner vor Gericht erreicht.
Sie hatten vor allem wegen der befürchteten Emissionen gegen die Bahnwerkstatt mobil gemacht. Anders als bei der Langemarckstraße und beim Kaufhof-Areal ging die Initiative von ihnen aus – nicht von der Politik.
4 Autobahn 281
Mal ging es um den Lärm-, den Tier- und den Umweltschutz, dann wieder um die Streckenführung und um die Bauart des Wesertunnels: Je nach Wohnlage haben eine Reihe von Initiativen im Lauf der Jahrzehnte unterschiedliche Interessen für und gegen den Bau der A281 verbunden. Diese soll die A1 mit der A27 zusammenführen – das Ringen darum dauert bereits mehr als 50 Jahre. Erste Pläne für den Bau der Autobahn gab es schon vor 1970. Doch immer wieder zogen Initiativen aus Bremen und Niedersachsen dagegen vor Gericht. Die A281 ist noch immer nicht fertig.
Nach jetzigem Stand könnte die Autobahn im Jahr 2030 finalisiert werden. Schon jetzt ist ihre Geschichte ein Musterbeispiel dafür, dass Bürgerinitiativen auch Großprojekte – je nach Blickwinkel – zum Erfolg oder zum Scheitern führen können. Unbedingt aber können sie diese Projekte erheblich verzögern, über mehrere Generationen.
5 Galopprennbahn
Das Beispiel des etwa 30 Hektar großen Rennbahngeländes sticht schon deswegen hervor, weil hier eine Bürgerbewegung mit Teilen der parlamentarischen Opposition (CDU und FDP) zusammengearbeitet hatte – und das mit Erfolg. Zur Erinnerung: Der Bremer Senat wollte auf dem Areal Wohnungen schaffen und es daher bebauen. Eine Initiative wandte sich dagegen. Im Mai 2019 kam es zum Volksentscheid. Rund 56 Prozent stimmten gegen die Bebauung und somit dafür, das Gelände als Grünfläche zu erhalten.
Ob das aber tatsächlich das Ende vom Lied ist, erscheint zumindest fraglich. So machen sich Bremens Bausenatorin Özlem Ünsal (SPD) und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) für eine „maßvolle Teilbebauung am Rande des Rennbahngeländes“ stark.
Information zum Thema
Zusammenschluss Bremer Bürgerinitiativen
Nicht jede Bremer Bürgerinitiative erfährt die gleiche öffentliche Aufmerksamkeit. Auch um die einzelnen Initiativen zu stärken, arbeiten viele von ihnen zusammen. So setzt sich der Zusammenschluss Bremer Bürgerinitiativen BreBI zur Zeit aus 17 Initiativen zusammen: von der „Stadtgestaltung Vegesack“ über „Mobilitätsfrieden – Östliche Vorstadt“ bis hin zu „Klimawald Gete-Vahr“. Mehr dazu steht auf dieser Website.
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Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 19. Juli 2026, 19:30 Uhr