Nicht nur das Schützenfest des Neusser Bürger-Schützen-Vereins ist von Traditionen geprägt. Auch die Zeit davor wird nach altbewährter Manier gefeiert. Am Samstagabend, sechs Wochen vor dem großen Fest, stand daher die Zog-Zog-Versammlung auf dem Programm. In der Stadthalle dürfte wohl niemand daran gezweifelt haben, dass sich die überwältigende Mehrheit bei der Kardinalfrage dafür aussprechen würde, in diesem Jahr Schützenfest zu feiern. Und tatsächlich gab es auch auf Nachfrage keine einzige Gegenstimme.

Bei der Versammlung, zu der inzwischen auch die Bürgerinnen von Neuss eingeladen werden, saßen in einer von Männern dominierten Riege auch vier Frauen auf dem Podium. Mit drei weiblichen Stadtverordneten aus dem Haupt-, Sicherheits- und Gleichstellungsausschuss wartete auch die neue Erste Beigeordnete und Kämmerin Meike Folkerts gespannt auf den Ausgang der Entscheidung.

Bert Römgens, Schützenkönig des Jahres 2024/25 und seit dem vergangenen Herbst Komiteemitglied, hielt eine gelungene Rede, an deren Ende er die Kardinalfrage stellte. Er zählte zunächst auf, was es ohne Schützenfest nicht geben wird und schob anschließend noch weitere Gründe nach, warum Neuss wieder gemeinsam feiern sollte: Freunde treffen, Freundschaften pflegen sowie Zeit für andere zu haben, gehörten zu den wichtigsten Begründungen. Das Fest selbst nannte Römgens „maximal identitätsprägend“. Dafür erntete der 60-Jährige viel Applaus.

Schützenpräsident Martin Flecken forderte im Laufe des Abends immer wieder zum gemeinsamen Singen auf. Der Jurist nannte den Gesang ein „natürliches Antidepressivum“ und der Arzt Achim Robertz, der Flecken im November als Präsident folgen soll, widersprach dem nicht. Flecken zeigte angesichts seines Dienstzeitendes keinen Hauch von Wehmut – im Gegenteil: Er scheint sich auf seine Zukunft in den Reihen seines Schützenlustzuges „Nur so“ zu freuen. Seine spezielle Art, seine mitreißende Begeisterung, werden die Neusser sicher in guter Erinnerung behalten.

Auf jedem Schützenfest fließt das Bier in Strömen, das ist auch in Neuss nicht anders. In diesem Jahr werden Bitburger Pils und Bolten Alt im Ausschank sein.

Nach dem einstimmigen Votum, ausgedrückt im Ruf „Zog, Zog“, brach Jubel aus. Die Fahnenabteilungen des Regiments zogen auf, bevor – in Anwesenheit von Schützenkönig Franz Josef II. (Odendahl) – Bürgermeister, Präsident und Bernd Herten als Oberst das neue Festplakat präsentierten. Vor den Tagen der Wonne warten noch der Oberst- und der Königsehrenabend auf die Regimentsschützen.