Es ging an diesem Sonntagmittag ganz viel um Glaube und Gemeinschaft, um Hoffnung und Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten. Die hat der SSV Ulm 1846 Fußball in den vergangenen beiden Jahren ohne jede Frage durchlebt. Umso schöner war es, zu sehen, dass die Spatzen auch nach zwei Abstiegen in Folge kaum etwas ihrer Strahlkraft verloren haben. Über 1200 Fans waren zum Gottesdienst anlässlich der Saisoneröffnung am Schwörsonntag ins Ulmer Münster gekommen. Schon nach dem Orgelvorspiel von Siegfried Gmeiner meinte Münsterpfarrer Julian Scharpf, der den liturgischen Teil gemeinsam mit Dekan Ulrich Kloos und Pfarrer Peter Heiter gestaltete, schmunzelnd: „Wenn die Fußballer genauso kraftvoll spielen wie die Orgel, dürfen wir uns auf eine tolle Saison freuen.“

Dominik Schwärzel, Vorstandsvorsitzender beim SSV Ulm 1846 Fußball, lud die Besucherinnen und Besucher ein, „gemeinsam um Kraft, Gesundheit und Fairness für die nächste Saison zu bitten“. Auch die ausgewählten Bibelworte griffen diese Themen auf. Seine Predigt hatte Peter Heiter auf Genesis 12,2 ausgerichtet. Einen zentralen Vers, in dem Gott den Patriarchen Abraham dazu beruft, seine Heimat zu verlassen. Er verheißt ihm Nachkommen, Reichtum und Ansehen, um ihn durch diesen göttlichen Zuspruch selbst zu einem Segen für andere Menschen zu machen. „Bei Abraham ist es wie beim SSV“, meinte Heiter. Der Segen sei die Kraft, die man zum Beispiel spürt, wenn ein Mitspieler auf dem Platz die Hand auf die Schulter legt und sagt: „Auf geht’s, weiter! Ich glaube an unsere Gemeinschaft.“

Pfarrer Peter Heiter predigte im Ulmer Münster mit Fußball auf der Kanzel.

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Pfarrer Peter Heiter predigte im Ulmer Münster mit Fußball auf der Kanzel.
Foto: Stephan Schöttl

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Pfarrer Peter Heiter predigte im Ulmer Münster mit Fußball auf der Kanzel.
Foto: Stephan Schöttl

Heiter hatte als Symbol den offiziellen Spielball der Regionalliga Südwest mit auf die Kanzel genommen. Ein Ball, bei dem zunächst im wahrsten Sinne des Wortes die Luft raus war. „Die zweite Luft ist wesentlich für die Spiele“, meinte er – und begann das Leder aufzupumpen. Seine Botschaft: „Der Ball ist dafür gemacht, dass er Druck von außen bekommt. Wie die Fußballer, die in der Öffentlichkeit stehen.“ An die Spatzen-Profis gerichtet, meinte er: „Ihr werden auch Niederlagen kassieren und das Gefühl haben, dass die Luft raus ist. Ich wünsche euch für die Zukunft, dass ihr durch euren Zusammenhalt immer genügend Innendruck entwickelt, um dem Außendruck standzuhalten.“ Dieses Miteinander zelebrierten Spieler, Mitarbeitende und Fans anschließend eindrucksvoll, sangen zusammen mit Jennifer Engels und Tom Schlotter am Keyboard die Vereinshymne „Forever SSV“. Ein Gänsehautmoment.

Im Donaustadion wurde die Mannschaft des SSV Ulm 1846 Fußball für die Saison 2026/2027 offiziell vorgestellt.

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Im Donaustadion wurde die Mannschaft des SSV Ulm 1846 Fußball für die Saison 2026/2027 offiziell vorgestellt.
Foto: Stephan Schöttl

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Im Donaustadion wurde die Mannschaft des SSV Ulm 1846 Fußball für die Saison 2026/2027 offiziell vorgestellt.
Foto: Stephan Schöttl

Auf dem Spielfeld fand zwei Stunden später vor mehr als 4800 Zuschauerinnen und Zuschauern Teil zwei der Saisoneröffnung statt. Gegner war die zweite Mannschaft des FC Bayern München. Der Talentschuppen des deutschen Rekordmeisters startet bereits in fünf Tagen in die Saison der Regionalliga Bayern, ist daher in der Vorbereitung auch schon einen Schritt weiter. SSV-Trainer Daniel Jungwirth hatte trotzdem einen „dominanten Auftritt“ seiner Mannschaft versprochen und bei der Teampräsentation vor dem Anpfiff ein ambitioniertes Saisonziel ausgegeben: „Wir wollen oben sein.“

So lief das Testspiel des SSV Ulm 1846 Fußball gegen den FC Bayern München II

Zumindest im Test gegen den FC Bayern waren die Ulmer aber zunächst einmal selbst unter Druck, setzten dann aber auch schon bald eigene Akzente in der Offensive. Vor allem über Routinier Dennis Chessa und den erfahrenen Benjamin Goller lief nach vorne vieles. Immer wieder gab es Szenenapplaus von den Rängen. Die Spatzen-Anhänger lechzen nach der sportlichen Misere der beiden vergangenen Spielzeiten spürbar nach Erfolgserlebnissen. Das erste hatte Goller, in diesem Spiel als Kapitän auf dem Rasen, nach gut 20 Minuten auf dem Fuß, seinen fulminanten Schuss aus der Distanz klärte Münchens Schlussmann Jannis Gerhard Bärtl nur mit Mühe und beiden Fäusten. Dessen Vorderleute konnten die Ulmer Angriffe oft nur mit rustikalen Mitteln stoppen. Für Roko Mijatovic endete eine solche Notbremse mit der Roten Karte (35.), die Spatzen waren fortan in Überzahl – und brauchten nicht lange, diese für sich zu nutzen. Nach einer Ecke köpfte Marcel Seegert aus kurzer Distanz das 1:0 (36.). Noch vor der Pause erhöhte Oliver Wähling auf 2:0 (44.), erneut ein Kopfballtreffer.

Im zweiten Abschnitt ist bei den Spatzen etwas die Luft raus

Wähling erhöhte nach dem Seitenwechsel (55.) mit einem satten Schuss aus rund zwölf Metern auf 3:0. Der FC Bayern fand kaum Mittel gegen die konzentrierte und selbstbewusst aufspielenden Spatzen. Nach einer Stunde wechselte Jungwirth seine Elf fast einmal komplett durch. Danach gelang den Gästen durch Yil Gashi immerhin der Anschlusstreffer (75.).