Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen werden voraussichtlich ab Dienstag am Werth in Barmen notwendig. Bei den Bauarbeiten in der Barmer City wurde in der Dämmung einer der Fernwärmeleitungen Asbest gefunden. Das zieht nun einige besondere Vorkehrungen nach sich.

Die betroffene Leitung wurde bereits luftdicht umwickelt, um eine Gefährdung von Bauarbeitern und Passanten auszuschließen, wie die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) mitteilen. Ab Dienstag, 21. Juli, werde der asbesthaltige Dämmstoff von einer Fachfirma entfernt und fachgerecht entsorgt. „Diese Arbeiten finden unter strengen Sicherheitsauflagen statt, die auch von außen sichtbar sind. Der Arbeitsbereich wird umbaut und luftdicht eingehaust. Die Sanierungsexperten betreten diesen Bereich nur durch eine Schleuse und in voller Schutzkleidung mit Atemschutz“, erklären die WSW. Nach jeder Schicht verlassen die Arbeiter die Schleuse in dekontaminierter Schutzkleidung. Die Schadstoffe werden sicher verpackt, um dann fachgerecht entsorgt zu werden. Dieses Verfahren stelle sicher, dass keine Schadstoffe freigesetzt werden, sodass für Passanten keine Gefahr bestehe. Die Schadstoffsanierung werde voraussichtlich eine Woche dauern.

Die Stadt Wuppertal erneuert seit September vergangenen Jahres den Bodenaufbau in der Barmer Fußgängerzone. „Neugestaltung der zentralen Fußgängerzone Wuppertal-Barmen – Werth“ lautet der genaue Projektname. Vom Alten Markt bis zum Kugelbrunnen am östlichen Ende der Fußgängerzone wird das Bodenpflaster auf einer Länge von 650 Metern und einer Fläche von rund 8400 Quadratmetern ausgetauscht und als „Kulturteppich“ neugestaltet.

Das Projekt wurde von Beginn an kritisiert

Das Projekt stand von Beginn an unter keinem guten Stern und hat nun auch den Bund der Steuerzahler NRW auf den Plan gerufen. Dessen Kritik: Man hätte bei der Neugestaltung von Anfang an auf Betonstein statt auf Naturstein setzen sollen.

Der Bund der Steuerzahler NRW hat sich die Pannen und Probleme, insbesondere aber die Mehrkosten bei der Neugestaltung des Werths offenbar näher angesehen. „Deutlich wurde dabei, dass sich die Entscheidung für ein Natursteinpflaster rückblickend besonders verhängnisvoll auf die Baukosten ausgewirkt hat“, so die Meinung des Interessensverbands. Haushaltsgesetze, die eine effiziente und sparsame Verwendung des Steuergeldes vorschreiben, seien hier offenbar nicht beachtet worden. „Wenn Betonstein so viele Vorteile hat und Naturstein teuer, schwer zu beschaffen und zudem noch schwankend in seiner Qualität ist, hätte sich die Stadt von Anfang an für die Betonsteine entscheiden müssen“, lautet die Einschätzung der Lobbyorganisation.

Geplant war die Umgestaltung schon seit 2018. Diverse Pannen, wie eine verpatzte Ausschreibung von Natursteinen und die Lieferung untauglicher Exemplare hatten zu Verzögerungen gesorgt. Auch danach lief nicht alles exakt nach Plan: Noch im Mai musste die Stadt erneut eine Verteuerung des Projekts ankündigen. Anfangs auf vier Millionen Euro geschätzt, wurden dann nach mehreren Korrekturen nach oben zuletzt 14,9 Millionen Euro als Gesamtkosten verkündet. Verursacht wurden die Kostensteigerungen unter anderem durch zusätzliche Lagerkosten, weil Material wie etwa Lampen schon beschafft, aber wegen der Verzögerungen noch nicht verwendet wurden. Auch allgemeine Baukostensteigerungen spielen eine Rolle, ebenso zusätzliche Planungskosten. Allein 250 000 Euro kostet die Planung für Lichtgestaltung und Soundsteuerung.

Der Bund der Steuerzahler hantiert dazu mit eigenen Zahlen. Für die fachgerechte Lagerung der Natursteine, die weiterhin im Eigentum der Stadt sind, wurden demnach seit Anfang 2023 bislang 13 Quartalsmieten zu jeweils 7500 fällig, insgesamt 97 500 Euro. Der Lieferant sei aufgefordert worden, die Steine abzuholen. „Eine Erstattung der bereits geleisteten Zahlungen durch den Lieferanten ist bislang noch nicht erfolgt“, weiß die Lobbyorganisation. Die Stadt fordere aktuell eine Summe von insgesamt 2 017 457,81 Euro zurück. „Und die Lagerkosten laufen weiter.“

Zwar habe die Stadt seinerzeit den Wechsel von Natur- zu Betonstein beschlossen, um weitere Risiken und Verzögerungen zu minimieren. „Das bedeutete zusätzliche Kosten von 750 000 Euro.“ zu den Vorteilen der Betonsteine sei die Stadtverwaltung in ihren Ratsvorlagen geradezu euphorisch geworden im Ton, weil sie viel günstiger, schneller zu beschaffen, belastbarer und farbbeständiger seien und das Sonnenlicht besser reflektieren würden. „Offen bleibt die Frage, warum in aller Welt sich die Verantwortlichen nicht gleich für Betonsteine entschieden haben“, so der Bund der Steuerzahler NRW.