Die ukrainische Marine erklärte am Sonntag, Russland habe die „Golden Leo“ mit drei Marschflugkörpern beschossen, als der mit Getreide beladene Frachter dabei gewesen sei, „das Kampfgebiet“ zu verlassen. Der neue ukrainische Regierungschef Serhij Korezky sagte, der Frachter sei nahe Odessa nach dem Auslaufen aus dem Hafen getroffen worden.
Ukraines Infrastruktur- und Verkehrsminister Mykola Kalaschny schrieb in der Nacht im Onlinedienst Telegram, sechs Seeleute seien tot, vier weitere würden noch vermisst. Acht Besatzungsmitglieder seien gerettet worden, zwei von ihnen seien verletzt. Zunächst war von fünf Toten berichtet worden.
Bei der Besatzung des unter der Flagge von Guinea-Bissau fahrenden Frachters handelt es sich nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums unter anderem um Syrer und Inder. Unter den Toten sei ein ukrainischer Kapitän.
„Das ist ein weiterer gezielter Angriff Russlands gegen ein unbewaffnetes ziviles Schiff unter fremder Flagge, das keinerlei militärische Bedrohung darstellte“, erklärte die ukrainische Marine. Es handle sich um einen „Terrorakt“ gegen die friedliche Schifffahrt und eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts.
In der Schwarzmeer-Region herrscht ein von Kiew selbst so bezeichneter Seekrieg mit schweren Gefechten zwischen den Kriegsparteien. Russland greift den Hafen in der Region Odessa fast täglich an. Unklar war, wieso in der umkämpften Region überhaupt ein ziviles Schiff unterwegs war. Russland wirft der Ukraine vor, sich unter dem Deckmantel ziviler Schiffe Waffen und Rüstungsgüter für den Abwehrkampf im russischen Angriffskrieg liefern zu lassen.
Der ukrainische Außenminister Sybiha sagte, während die Welt noch auf „Russlands brutalen nächtlichen Angriff auf Kiew“ reagiere, setze Russland seine „Terrorkampagne“ tagsüber fort. Russland hatte die ukrainische Hauptstadt in der Nacht mit zwei Dutzend ballistischen Raketen attackiert. Dabei wurde mindestens ein Mensch getötet, 16 weitere wurden verletzt.