Der Mensch kann vergessen. Das ist überlebensnotwendig und gefährlich zugleich. Die Gefahr besteht darin, dass Umstände verdrängt und wider besseres Wissen falsche Entscheidungen gefällt werden. Immerhin verhielten sich im vergangenen Jahr viele Menschen zunächst vernünftig, eben wie aufgeklärte Konsumenten. Sie wandten sich von Elon Musk ab, weil er in Europa offen Parteien am äußersten rechten Rand wie die AfD fördert und als einstiger oberster Einsparer der Regierung Trump harte Einschnitte ohne Rücksicht auf Menschen durchgesetzt hat.
Besitzer von Tesla-Autos schämten sich, einen Wagen des US-Unternehmens zu fahren, dessen Chef Musk ist. Mit Galgen-Humor in Form von Aufkleber-Sprüchen versuchen sie, ihr schlechtes Gewissen zu überspielen. So stehen Slogans wie „Ich habe das Auto gekauft, ehe Elon durchgedreht ist“, „Ich habe das Auto gekauft, nicht den Chef“ oder schlicht „Elon sucks!“ auf den Wägen, als ob das ausreichen würde, weiter guten Gewissens einen Tesla zu fahren. Schließlich hat Musk den deutschen Ex-Kanzler Olaf Scholz, einen honorigen Demokraten, „als unfähigen Narren“ geschmäht und bezeichnet die französische Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen „als letzte Hoffnung Frankreichs“.
Die Musk-Verdrängung setzt ein
Der Tesla-CEO scheint zu hoffen, dass nach den USA auch Frankreich, Großbritannien und Deutschland in die Hände stramm rechter Kräfte geraten. Was wirklich beschämend ist: Hat dieses Engagement Tesla lange wirtschaftlich derart geschadet, dass Musk sein politisches Engagement einbremste, verpufft der Effekt inzwischen. Die Musk-Verdrängung setzt ein, als ob nichts gewesen wäre. So ziehen die Tesla-Verkäufe wieder an. Das Unternehmen plant, die Produktion im deutschen Werk auszuweiten. Doch Auto und Chef sind nicht zu trennen. Sie sind eine Einheit.
Wer einen Tesla bestellt, weiß, wes Geistes Kind der Boss ist. Musk fördert als E-Auto-Pionier ausgerechnet Parteien, die sich für Verbrenner-Autos starkmachen und die Folgen des Klima-Wandels herunterspielen. Wie können sich Menschen, die sich zur technisch-ökologischen Avantgarde zählen und damit nicht zur Klientel der AfD gehören, einen Tesla kaufen? Es scheint manchen egal zu sein, dass Musk, der angeblich Wert auf Redefreiheit legt, Gruppierungen unterstützt, die für Demokratien gefährlich sind.
Kleiner Beitrag zur Stabilisierung der Demokratie
Das Argument, die Tesla-Technik sei den europäischen Autobauern überlegen, trägt nicht mehr. Konzerne wie Volkswagen oder Stellantis haben aufgeholt und bieten bezahlbare E-Autos an. Wer sich für Wagen europäischer Hersteller entscheidet, hilft Firmen, die wie die Marke VW massiv unter Druck geraten sind und vor einem weiteren massiven Arbeitsplatzabbau stehen. Und er leistet mit seiner Kaufentscheidung zumindest einen kleinen Beitrag zur Stabilisierung der Demokratie als Basis unseres Wohlstands.