Beim Wort ,,Oldtimer“ denken die meisten Menschen an ein in die Jahre gekommenes Auto, das man vielleicht besser in der Garage stehen lassen sollte. Der Gundelfinger Christian Deisler sieht das ganz anders. Er assoziiert mit dem Stichwort „Oldtimer“ Abenteuer, Nervenkitzel und sogar eine Europa-Tour. Der 49-Jährige nahm mit seinem Oldtimer an einem außergewöhnlichen Rennen teil. Dabei erlebte er so manche kuriose Situationen.
Eigentlich wollte er anlässlich seiner Hochzeit 2024 seinen Junggesellenabschied in Form einer Oldtimer-Tour gestalten, nur hatten seine Freunde dieselben Assoziationen mit besagtem Wort, wie oben beschrieben. Deshalb beschloss er zwei Jahre später, seinen Traum wahr werden zu lassen. Und dieses Mal fand er einen Verbündeten, der ihn auf seinem Abenteuer begleitete, ihn auf engen Wegen navigierte und wie ein persönlicher Mechaniker fungierte. Zusammen mit seinem Beifahrer Phillip Blauer meldete er sich auf der Website ,,Back-Road-Club“, zu Deutsch ,,Nebenstraßen-Club“ für das ,,Pot-Hole-Race“ an. An diesem 2700 Kilometer langen „Schlagloch-Rennen“ nahmen insgesamt 240 Teams mit ungefähr 400 Fahrern und Mitfahrern teil. Die Anmeldung erfolgte zwei Tage vor dem Rennen, die Teilnehmer trafen sich dafür ,,an einem großen Zeltplatz“, erzählt Deisler. Man wollte sich zuvor einmal kennenlernen und die anderen Oldtimer bestaunen. Die 2700 Kilometer-Reise führte innerhalb von sieben Tagen, genauer vom 20. bis zum 26. Juni, durch fünf verschiedene Länder Europas: durch Österreich, die Schweiz, Italien, Slowenien und die Deutschen Alpen.
Wie läuft ein derartiges Rennen ab?
Nachdem sich alle Teilnehmer an einem Treffpunkt zusammengefunden hatten, erhielten sie einen QR-Code, der sie zum nächsten Zielpunkt führte. Rein nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Ob über Schotterpisten, Wald oder Wiese – wie man dorthin gelangte, war jedem selbst überlassen. Lediglich das Benutzen der Autobahn war nicht so gern gesehen, teilt Deisler mit, schließlich ginge es um das Abenteuer, das man gemeinsam erlebe. So war es gestattet, sich anderen Teilnehmern auf ihrer Route anzuschließen.
Wo das Abenteuer die Teilnehmer als Nächstes hinführte, wussten diese im Vorfeld nicht. Es war eine Reise, die nur durch QR-Codes geregelt wurde. Das eigentliche Ziel des Schlagloch-Rennens stellte die Ankunft im Ziel selbst dar. Denn die Voraussetzungen dafür, dass ein Oldtimer überhaupt am Rennen registriert wurde, waren hart. So gab es drei Fahrzeugkategorien, die das Auto erfüllen musste. Der Wagen durfte weniger als 1,2 Liter Hubraum haben, musste weniger als 1000 Euro wert sein und mehr als 500.000 Kilometer auf dem Tacho nachweisen können.
Die Liebe für Oldtimer hatte Deisler mit 18 Jahren entdeckt. Seine Oma hatte ihm damals einen alten Simca geschenkt, den er einige Jahre später weggegeben hatte, und sich einen neuen zugelegt hatte. Nun nahm er mit einem ähnlichen Modell, dem Simca 1100, am Rennen Teil. Er selbst bezeichnet es als „ungeeignetes Auto“, da es nächstes Jahr 50 Jahre alt wird und über eine dementsprechend alte Benzinpumpe verfügt. Diese sorgte unterwegs für einige Strapazen, denn bei einer Bergauffahrt mussten Deisler und Blauer ganze drei Kilometer rückwärtsfahren. Denn die Benzinpumpe weigerte sich, den Sprit vom Kofferraum in den Motor zu pumpen, die Fahrt auf dem Berg dauerte dementsprechend über eine Stunde. Sie mussten nämlich immer wieder anhalten und warten, bis der Motor wieder abkühlte, da er zwischendurch viel zu heiß wurde. Doch genau um solche Dinge ginge es im Schlagloch-Rennen, berichtete Deisler. Nicht darum, die einfachste Route zu wählen, sondern um eine ereignisreiche Reise zu erleben.
Was Deisler aus dem Rennen für sein Leben mitnehmen konnte
„Es war ein großes Abenteuer“, schwärmt er. Besonders gut gefiel Deisler die Hilfsbereitschaft der anderen Menschen. Denn alle Teilnehmer waren in einer WhatsApp-Gruppe, um im Notfall die anderen kontaktieren zu können. Wer beispielsweise eine Panne hatte, konnte die anderen über die Gruppe verständigen, und Fahrer, die sich in der Nähe befanden, zu Hilfe eilen. Oder auch die Unterstützung durch kleinerer Werkstätten in der Umgebung, die zum Beispiel in Deislers Fall die Benzinpumpe wechselten, hatte Deisler positiv überrascht. Am Ende kamen alle heil und unversehrt am letzten Ziel an und konnten zusammen die Siegerehrung und die Liebe für Oldtimer feiern.
Deisler hat durch das Rennen gelernt, dass nicht alles gleich beim ersten Versuch klappt. Auch wenn man einen ungemütlichen und anstrengenden Weg vor sich hat, rät Deisler dazu, nie die Hoffnung zu verlieren. Man solle lieber abwarten, ruhig bleiben und rational denken, um am Ende des Tages am Ziel anzukommen. Und er ist überzeugt, dass immer jemand da ist, der einem in Krisenzeiten zur Seite steht.