Nach dem Zweiten Weltkrieg standen in Deutschland viele Millionen Menschen ohne Nahrung, Kleidung und Medikamente da. Hilfe kam aus den USA, hauptsächlich in Form von Nahrungsmittelpaketen. Neben dem Hilfsprogramm CARE, das 1946 – also vor genau 80 Jahren – startete, haben auch die 1947 begonnenen sogenannten Hoover-Speisungen dafür gesorgt, dass insbesondere Kinder während dieser Zeit genug zu essen bekamen.

Herbert Hoover bereist das hungernde Deutschland

Benannt sind die Hoover-Speisungen nach ihrem Erfinder, Herbert Hoover. Er ist von 1929 bis 1933 Präsident der Vereinigten Staaten. Während des Zweiten Weltkriegs engagiert er sich in der Lebensmittelhilfe und sammelt Spenden für die Bevölkerung in Polen und Finnland.

Herbert Hoover.

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Herbert Hoover.
Foto: Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Badische Abendzeitung, 11.8.1949

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Herbert Hoover.
Foto: Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Badische Abendzeitung, 11.8.1949

Am 1. März 1946 beauftragt der amtierende US-Präsident Harry S. Truman Hoover, die vom Krieg betroffenen Nationen in Europa und Asien zu besuchen. Hoover besucht 38 Länder in knapp drei Monaten und berichtet über die Hungersnöte – auch im gespaltenen Deutschland.

Daraufhin setzt er sich in der amerikanischen Besatzungszone, in der auch Karlsruhe liegt, für die Einführung einer Schulspeisung ein: Ab Mai 1947 wird hier an alle Schüler im Alter von 6 bis 17 Jahren im Rahmen der sogenannten Hoover-Speisung ein Zusatzfrühstück ausgeteilt.

Die Anzahl der Mahlzeiten ist begrenzt

Doch es gibt ein Problem: Da es in Württemberg-Baden, wie der Staat damals heißt, insgesamt über 700.000 Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren gibt, können nicht alle Kinder gleichzeitig versorgt werden, da die Anzahl der Mahlzeiten begrenzt ist.

Eine Lösung muss her: Die Heranwachsenden werden in Altersgruppen eingeteilt. Durch ein regelmäßiges Durchwechseln der Gruppen wird versucht, Kinder jedes Alters für begrenzte Zeit in die Hoover-Speisungen einzubeziehen.

Die evangelische Stadtkirche Karlsruhe 1946.

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Die evangelische Stadtkirche Karlsruhe 1946.
Foto: privat

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Die evangelische Stadtkirche Karlsruhe 1946.
Foto: privat

Während so etwa zuerst die Versorgung von rund 300.000 teils unterernährten Schulkindern im Staat im Vordergrund steht, dürfen später auch Jugendliche von 14 bis 17 Jahren an den Hoover-Speisungen teilnehmen.

Viele Familien sind auf Spenden angewiesen

In Karlsruhe können diese meist Lehrlinge und Jungarbeiter sich – sofern sie nicht selbst in Schulen oder Großbetrieben gespeist werden – an verschiedenen Anlaufpunkten mit warmen Mahlzeiten versorgen – darunter in der “Krone“ in Daxlanden, im “Rößle“ in Grünwinkel und im “Hohentwiel“ in der Klauprechtstraße.

Obwohl die benötigten Lebensmittel von den USA kostenlos zur Verfügung gestellt werden, ist die Speisung nicht ganz umsonst und kostet pro Kind 1,50 Mark die Woche. In vielen Familien – bestehend aus Kriegswitwen, kranken Vätern oder mit kleinem Einkommen – ist dieses Geld nicht vorhanden, und es werden Spender gesucht, die die Kosten übernehmen.

54 Prozent der Karlsruher Kinder geht es gesundheitlich schlecht

Das reicht für die Finanzierung jedoch nicht aus: Ab Oktober 1947 wird daher angeordnet, dass vorläufig nur alle 6- bis 10-jährigen Kinder mit Essen versorgt werden. Die 11- bis 17-Jährigen sollen nur noch nach ärztlicher Anordnung in die Speisung einbezogen werden.

Daraufhin werden in Karlsruhe und im Landkreis 23.000 Schulkinder und Jugendliche ärztlich untersucht. Das Ergebnis: In der Stadt sind 54 und auf dem Land 41 Prozent der Kinder in schlechtem gesundheitlichem Zustand.

Bis 1848 dürfen Kinder allen Alters an der Speisung teilnehmen

Bis Ende Oktober 1947 erhalten 12.000 Lehrlinge und Jungarbeiter die Hoover-Speisung während der Ferienzeit. Die Städte und Gemeinden haben jetzt die Verpflichtung, alle Lehrlinge und Jungarbeiter mit zehn Prozent und mehr Untergewicht vorrangig zu versorgen. Bis Ende des Jahres 1947 entscheidet Karlsruhe jedoch, alle Lehrlinge und Jungarbeiter bis zum 18. Lebensjahr in die Hoover-Speisung aufzunehmen.

Die Karlsruher Pyramide im Jahr 1946.

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Die Karlsruher Pyramide im Jahr 1946.
Foto: privat

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Die Karlsruher Pyramide im Jahr 1946.
Foto: privat

Bis Juli 1948 bekommt jedes dritte Kind die Speisung umsonst, was bedeutet, dass die Stadt Karlsruhe monatlich etwa 100.000 Mark Unkosten decken muss. Die zahlungsfähigen Kinder zahlen jetzt 20 Pfennig für eine Mahlzeit.

Karlsruher Großküchen laufen auf Hochtouren

Um die Versorgung der Heranwachsenden mit den Hoover-Speisungen zu gewährleisten, ist schnell eine gut ausgebaute Infrastruktur vonnöten: Bis Mai 1948 sind neun Großküchen der Karlsruher Wohlfahrtsverbände für die Speisungen eingesetzt, wo rund 700 Tonnen Lebensmittel verarbeitet werden.

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe werden 359.000 Mahlzeiten pro Tag mit einem durchschnittlichen Wert von 350 Kalorien ausgeteilt, über acht Millionen waren es im vorigen Jahr insgesamt. Ein Jahr später, Mitte 1949, sind bereits über 11 Millionen Portionen ausgeteilt worden. Zwischen 11.000 und 30.000 Kinder werden nun täglich mit den Hoover-Portionen verköstigt.

Untergewicht geht zurück: Hoover-Speisung zeigt Wirkung

Zwar reicht diese Bilanz nicht, alle Kinder laufend sattzubekommen, trägt aber dazu bei, schwerwiegendere Gesundheitsprobleme zu vermeiden. Der Prozentsatz der Schüler mit zehn Prozent Untergewicht ist seit Beginn der Aktion auf 26 Prozent zurückgegangen. Zum Vergleich: 1947 waren es noch 54 Prozent.

Die Resonanz auf die Hoover-Speisung ist sehr positiv. So meint der württemberg-badische CDU-Abgeordnete Josef Harter, dass „Männer wie Hoover mehr für den Frieden getan und zur geistigen und moralischen Wiedergeburt des deutschen Volkes beigetragen haben, als es die offizielle Politik der Besatzungsmächte bisher zu erreichen vermocht hat“.

Ein Mädchen genießt die Hoover-Speisung.

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Ein Mädchen genießt die Hoover-Speisung.
Foto: Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Pforzheimer Neue Zeitung, 29.5.1948

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Ein Mädchen genießt die Hoover-Speisung.
Foto: Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Pforzheimer Neue Zeitung, 29.5.1948

Am 10. August 1949 fahren 35 Karlsruher Kinder nach Stuttgart. Sie sind als Gäste zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, die anlässlich des 75. Geburtstages von Herbert Hoover veranstaltet wird. Die Kinder werden bewirtet, dürfen die Hoover-Ausstellung am Schlossplatz besuchen und eine Stadtrundfahrt genießen.

Nach drei Jahren Hoover-Speisung ist Schluss

Zu Beginn der Hoover-Speisung kommen die Lebensmittelbestände – sowohl deutscher als auch amerikanischer Herkunft, aus amerikanischen Armeebeständen. Bis Anfang 1948 jedoch stammen die verwendeten Lebensmittel zu ungefähr 95 Prozent aus Importen aus den USA.

Mit den unentgeltlichen Lebensmittellieferungen aus den USA ist mit dem 30. Juni 1950 allerdings Schluss: Der Landesausschuss überlegt, wie die deutsche Verwaltung die Speisung übernehmen kann und kommt zu dem Schluss, dass die Schulspeisung auch künftig eine dringende Notwendigkeit ist: Mahlzeiten müssen zu ermäßigten Preisen an die bedürftigsten Kinder ausgegeben werden können.

Drei neue Schulspeisungen werden eingeführt

Ab Oktober 1950 gibt es deshalb eine Neuregelung: Das Präsidium der Hoover-Speisung entscheidet, dass es drei neue Arten von Schulspeisungen geben wird: eine für Kinder, die das ganze Frühstück bezahlen, ein verbilligtes Frühstück und ein kostenloses Frühstück. Hierfür übernehmen Bund und Länder die Kosten.

Heute sind in Baden-Württemberg die Träger von Schulen und Kitas für die Verpflegung der Kinder in ihren Einrichtungen zuständig. Das LErn BW – Landeszentrum für Ernährung berät sie dabei als Teil des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat (MLR) „zu einer genussvollen, nachhaltigen und gesundheitsfördernden Kita- und Schulverpflegung“, wie es auf der Webseite des MLR heißt.