Schulz Das war natürlich ein schöner Moment, einer der prägendsten vielleicht. Wir arbeiten ja sehr an Mythen, auch Theatermythen. Und auch das Publikum liebt sie. Theater lebt von Zeichen und Symbolen und das Haus in seiner neuen vielfältigen Nutzbarkeit ist ein großes Zeichen. Der Platz davor ist ein großes Symbol, steht für die Begegnung der Menschen. Die Öffnung des Foyers ist ein Symbol. Und es war ein großes Zeichen in die Stadt hinein, dass wir dieses Zelt aufgestellt haben. Und dass die erste Inszenierung „Gilgamesh“ war, das Epos, in dem es auch um die Gründung einer Stadtgesellschaft geht. Um Schuld und die Vergebung von Schuld und die Vernunft der Zivilisation. Das war ein großes Thema für uns am Anfang: Wie vernünftig ist diese Stadt? Wie vernünftig ist diese Politik? Wie aufgeklärt und zugewandt sind die Bürger und Bürgerinnen? Das in diesem Zelt zu verhandeln, mitten auf der Kö, war die Kreation eines Mythos aus einem Mythos. Es berührte, wenn der Regisseur Roger Vontobel am Schluss, wenn über die Stadt gesprochen wird, die Zeltbahnen öffnen ließ und den Blick über die Kö freigab. Und draußen standen dann Paare und Passanten und blickten rein, um zu verstehen, was da drinnen stattfindet. Das kann man nicht planen. Das kann nur im Moment entstehen, anarchisch, wenn Sie so wollen. Das ist Kunst – und Leben. Das war der Beginn unserer Arbeit für zehn Jahre und hat vieles von dem bewusst gemacht und gebündelt, was wir dann nach und nach umsetzen konnten und dieser Stadt geben durften.