Wenige Tage vor dem zehnten Jahrestag des Attentats am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) haben am Sonntag (19. Juli) gut 1000 Menschen in der Münchner Innenstadt an die neun Todesopfer erinnert. Nach Angaben der Polizei zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Gärtnerplatz bis zum Landtag, wo die Abschlusskundgebung stattfand.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand neben dem Gedenken auch die Forderung nach weiterer Aufklärung des Attentats. Die Initiative „München OEZ erinnern“ verlangt, dass sich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit der Tat und den Abläufen von damals befasst, weil aus Sicht der Angehörigen und Unterstützer der Initiative weiterhin Fragen ungeklärt seien. Nach langem Ringen mit Politik und Behörden ist das Attentat mittlerweile offiziell als rechtsterroristisch eingestuft worden.
Am frühen Abend des 22. Juli 2016 tötete ein damals 18-Jähriger am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) und in der Umgebung neun Menschen. Unter den Opfern waren überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene, die der Täter offenbar als Menschen mit Migrationshintergrund wahrnahm. Kurze Zeit später tötete sich der Täter selbst.
Über Jahre gab es Streit darüber, wie die Tat politisch einzuordnen ist: Angehörige kritisierten unter anderem, dass der Anschlag zunächst vielfach als „Amoklauf“ behandelt wurde. Erst 2019 wurde die Tat als rechtsradikal motiviert eingestuft – für viele Familien kam diese Einordnung zu spät und lässt aus ihrer Sicht weiterhin Fragen offen.
Gedenken an OEZ-Attentat: Neue Gedenktafel am Münchner Rathaus enthüllt
Die Stadt München hat zudem kurz vor dem Jahrestag am Rathaus eine neue Gedenktafel enthüllt. Darauf sind die Namen der Ermordeten genannt sowie Motiv und Charakter der Tat. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) betonte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR) bei der Enthüllung, die Tafel sei auch eine Mahnung, „entschieden gegen Rechtsextremismus und Rassismus einzutreten“.
Am Mittwoch (22. Juli) soll ab 16 Uhr die zentrale öffentliche Gedenkveranstaltung am Mahnmal „Für Euch“ an der Hanauer Straße in München stattfinden – organisiert von Angehörigen und der Stadt München. Angekündigt haben sich für die Veranstaltung hochrangige Vertreter der Bundesregierung, unter anderen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner wird vor Ort sein. Als Vertreter der Stadt München ist Oberbürgermeister Dominik Krause anwesend.
Zehn Jahre nach dem OEZ-Attentat – noch immer nicht alle Fragen geklärt
Nach mehreren Attentaten mit ähnlichem Vorgehen – wie in Hanau, Halle oder Köln – gibt es vor allem vonseiten der Opfer und zivilgesellschaftlicher Initiativen zunehmend Zweifel am Willen der Aufarbeitung derartiger Terrorakte durch Politik und Behörden. Angehörige des OEZ-Attentats berichten von langer Ungewissheit in der Tatnacht, fehlenden Informationen und dem Gefühl, nicht ernst genommen worden zu sein. Kritisiert wird vor allem die frühe Einordnung durch das Bayerische Landeskriminalamt und das Bayerische Innenministerium als unpolitischer „Amoklauf“, obwohl es aus ihrer Sicht deutliche Hinweise auf ein rechtsextremes Tatmotiv gegeben habe. Für sie ist der Fall auch zehn Jahre danach nicht abgeschlossen, denn auch noch heute würde die Tat in einer breiten Öffentlichkeit als Einzeltat erinnert, heißt es in einer Mitteilung der Amadeu Antonio Stiftung.
Gleichzeitig ist das OEZ-Attentat in den vergangenen Jahren zu einem Anker in der Diskussion über rechte Gewalt, Rassismus und Behördenversagen geworden – auch deshalb fordern Initiativen und Familien einen Untersuchungsausschuss, um die Abläufe und Entscheidungen in der Tatnacht nachvollziehbar zu klären.