Die beiden Bilder hat der 15 Jahre alte Leon extra aus dem Café „Papalapub“ abgehangen und sie mit in die Martinusschule gebracht. Am vergangenen Montag wurde in dem Café die Ausstellung „Welt aus Glas“ eröffnet, die noch bis zum 31. Juli zu sehen ist. Ein Bild des Schülers zeigt eine Seifenblase, die auf dem Boden gelandet und kurz vor dem Platzen ist. Auf dem anderen ist das Kaarster Rathaus aus einer besonderen Perspektive zu sehen. Beide Fotografien fertige Leon in einem Projektkurs der Martinusschule an.

Insgesamt 15 Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 18 Jahren der Martinusschule entwickelten in den vergangenen Monaten gemeinsam mit den Kaarster Fotografinnen Gerlind Engelskirchen und Michaela Kura sowie dem Kölner Fotografen Timo Vogt über 3500 Aufnahmen, die während des letzten Schulhalbjahres entstanden sind. 34 Werke wurden von den Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit den Erwachsenen ausgewählt und sind seit der vergangenen Woche im Herzen der Stadt Kaarst zu sehen. Sie zeigen, wie sich junge Menschen mit Glas, Licht, Spiegelungen fotografisch auseinandersetzen, einer Welt aus Glas, faszinierend und zerbrechlich.

Das Schwierigste an seinem Foto, so erklärt Leon, sei gewesen, so nah heranzukommen und den perfekten Moment abzupassen. „Ich musste schnell sein“, erklärt er, denn er hatte nur einen Bruchteil von Sekunden Zeit, ehe die Seifenblase zerplatzt war. Das bestätigt auch Gerlind Engelskirchen. „Die Schüler mussten fix sein, sind auf dem Schulhof hin und her gerannt.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Seit Februar trafen sich die Schülerinnen und Schüler jeden Donnerstag rund drei Stunden lang, um an dem freiwilligen Projekt zu arbeiten. Und Achtklässler Leon war einer der wenigen, die immer da waren, erklärt Schulleiterin Mona Uerscheln. Einen Tag, an dem er mal keine Lust auf das Projekt hatte, gab es nicht.

Der Umgang mit der Kamera, die mit drei weiteren von der Jugendeinrichtung Bebop zur Verfügung gestellt wurde, fiel Leon nicht schwer. „Nein, das war nicht schwierig“, sagt er. Bereits bei einem vorherigen Projekt arbeitete er mit einer Kamera, in seiner Freizeit fotografiert der 15-Jährige allerdings ausschließlich mit seinem Handy. Was er am Fotografieren so besonders findet? „Es macht Spaß, man kann etwas Neues erkunden“, sagt Leon. Er kann sich vorstellen, mal ein Praktikum bei einem professionellen Fotografen zu absolvieren.

Ziel des Projektes, das vom Verein der Freunde und Förderer des Kaarster Kabarett- und Kleinkunstprogramms F3k koordiniert wurde, war es, Kinder und Jugendliche wieder mit Kunst und Kultur in Verbindung zu bringen.