„Jeder hat Angst zu sterben“
Rekrutierung für die Ukraine: Gewalt gegen Beamte nimmt zu
20.07.2026 – 16:33 UhrLesedauer: 4 Min.
Ukrainischer Soldat (Symbolbild): Immer wieder sollen Rekrutierungsbeamte gegen Gesetze verstoßen. (Quelle: Stringer/reuters)
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Mehr als 600 Angriffe auf Wehrdienstbeamte hat die ukrainische Polizei bereits registriert. Zugleich liegen Tausende Beschwerden über illegale Methoden bei der Rekrutierung vor.
Die Gewalt gegen Mitarbeiter der ukrainischen Wehrdienstbehörden nimmt zu. Während die Armee dringend neue Soldaten benötigt, wächst im Land der Widerstand gegen die Einberufung, immer häufiger werden Rekrutierungsbeamte angegriffen. Das berichtet die britische BBC. Zugleich mehren sich Vorwürfe über das teils gewaltsame Vorgehen bei der Rekrutierung. Die Mobilisierung entwickelt sich zunehmend zu einem innenpolitischen Problem.
Nach Angaben der ukrainischen Nationalpolizei wurden bislang mehr als 600 Angriffe auf Mitarbeiter der Rekrutierungsbehörden registriert. Die Aggression habe ein „zunehmend bedrohliches“ Ausmaß erreicht. Auch die Militär-Ombudsfrau der Ukraine spricht laut BBC inzwischen von einem „großen Problem“. Angriffe auf Wehrdienstbeamte fänden mittlerweile „regelmäßig“ statt.
Besonders große Aufmerksamkeit erregte zuletzt ein Vorfall in Lwiw. Dort umringten nach Angaben der BBC rund 200 Menschen Beamte, die einen mutmaßlichen Wehrdienstverweigerer festnehmen wollten. Die Menge beschädigte das Einsatzfahrzeug und kippte es um. Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Gewalt gegen Beamte.
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Die Spannungen nehmen zu. Denn die Ukraine hat im fünften Jahr des russischen Angriffskrieges immer größere Schwierigkeiten, genügend Soldaten für die Front zu gewinnen.
„Wofür haben wir gekämpft?“
Wasyl Krupytsch kennt den Krieg aus eigener Erfahrung. Der Veteran meldete sich unmittelbar nach Beginn der russischen Invasion freiwillig und kämpfte als MG-Schütze im Donbass. Heute unterstützt er Rekrutierungspatrouillen.
Im vergangenen Dezember wurde er nach eigenen Angaben verletzt, als seine Einheit zwei Männer kontrollieren wollte. Diese hätten sich geweigert, ihre Dokumente vorzuzeigen, und seien davongelaufen. Als die Soldaten sie verfolgten, sei Krupytsch mit einer Brechstange niedergeschlagen worden. „Er brach mir eine Rippe. Ich lag auf dem Boden und bekam keine Luft mehr“, berichtet der Veteran der BBC. Sechs Wochen habe er im Krankenhaus verbringen müssen.
Besonders schmerze ihn jedoch, von Landsleuten angegriffen worden zu sein. „Wofür haben wir gekämpft, wenn Soldaten jetzt zusammengeschlagen werden?“
Krupytsch trägt ein Tattoo mit der Aufschrift „Ruhm den ukrainischen Streitkräften“. Im Krieg wurde er selbst schwer verwundet. Nach einem Angriff mit einer FPV-Drohne zog er einen Kameraden in Sicherheit, zwei weitere sah er sterben. Heute leidet er unter Albträumen. Daher zeigt er Verständnis dafür, warum sich viele Menschen vor dem Fronteinsatz fürchten.
Tausende Beschwerden gegen Rekrutierungsbeamte
Der Widerstand richtet sich allerdings nicht nur gegen die Wehrpflicht an sich. Seit Monaten gibt es Vorwürfe, dass Rekrutierungsbeamte bei Kontrollen teilweise rechtswidrig oder mit Gewalt vorgingen.
