In einer Pilotphase hat die Kreispolizei neue Wachstrukturen geschaffen. Nun bleibt es auf Dauer dabei. Für Jüchen bedeutet dieser Schritt das endgültige Aus für eine eigene Polizeiwache. Die Hoffnung auf eine kleine Lösung geben einige aber noch nicht auf. Im Sicherheitsausschuss kam noch einmal das Thema der „Blaulichtfamilie“ auf. Die Idee: An der Kelzenberger Straße neben der bestehenden Feuerwache und der noch zu bauenden Rettungswache, die vom derzeitigen Standort der Malteser an der Neusser Straße an die Kelzenberger Straße umziehen wird, soll auch ein Polizeiposten entstehen. Ursprünglich war an eine rund 270 Quadratmeter große Polizeiwache gedacht. Aber das gibt die neue Struktur nicht her.
Die Verwaltung skizzierte, wie eine verkleinerte, 81 Quadratmeter große Version eines „Bezirksdienstpostens“ an der Kelzenberger Straße, mit Doppelbüro und Tresen in einem Gebäude separiert von Feuerwehr und Rettungswache, aussehen könnte. Ob es zu einem Neubau kommt und ob die Polizei zum Preis auf Höhe der jetzigen Miete der Station neben dem Haus Katz einziehen würde, ist noch völlig offen. Die Stadt prüft. Georg Lehnen, leitender Polizeidirektor im Rhein-Kreis Neuss, dämpfte allerdings die Erwartungen in der Sitzung des Sicherheitsausschusses.
Vom Land sei das Gebot der Sparsamkeit ausgesprochen worden. Sollte ein Neubau an der Kelzenberger Straße preislich so verwirklicht werden, dass die Polizei ihn zu dem Preis anmiete, den sie bisher zahle, wäre das denkbar. Aber er sei skeptisch, da jeder mit dem Wohnungsneubau Befasste anders kalkuliere. Aber bei der Aussage, die er und Landrätin Katharina Reinhold (CDU) in der Sitzung des Sicherheitsausschusses im Februar getätigt hatten, dass ein Neubau Sinn ergebe, dabei bleibe man. Am alten Standort kann der Bezirksdienst bleiben. Gegebenenfalls würde die Polizei auch alternative Standorte prüfen.
„Wir müssen das hinkriegen und dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken“, forderte Justin Krönauer, Fraktionschef der CDU, zum Thema „eigenes Gebäude für die Polizei an der Kelzenberger Straße“. Seit Februar habe die Verwaltung die Aufgabe, ein Konzept vorzulegen, mit dem man beim Kreis hart verhandeln könne. „Das Thema ist zeitkritisch“, so Krönauer.
Reinhold hatte unserer Zeitung gesagt, dass die Polizei auf ein Angebot warte. „Die Stadt Jüchen muss jetzt liefern“, sagte sie. Und sie verteidigte noch einmal vehement die in der Pilotphase festgestellten Vorteile der neuen Polizeistruktur. Die Einsatzkräfte arbeiteten effizienter. Und: „Die Polizei ist genauso schnell am Einsatzort wie vorher.“ Im Vergleich mit anderen Landkreisen liege man bei den Zeiten auf Platz eins.
Christina Borggräfe von der SPD-Kreistagsfraktion hatte Reinhold vorgeworfen, dass sie bei der Neuorganisation der Polizei im Kreis Tatsachen ohne politische Debatte geschaffen habe. Dagegen verwehrte sich die Landrätin: „Ich muss die Politik gar nicht informieren.“ Aber sie habe das Konzept in den Sitzungen der Städte diskutiert, sei für Transparenz gewesen. Wer nun die neue Struktur schlechtreden wolle, spiele mit dem Thema Sicherheit, werde der Sache nicht gerecht.
Auch in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit hätten Umfragen ergeben, dass man ein Zurück zur Organisation, wie sie vor der Pilotphase bestand, nicht wünsche. Dass Führungskräfte in der neuen Struktur ständig ansprechbar seien, würden zumal junge Kollegen als großen Gewinn sehen. Die Solidarität mit Einsatzkräften aus Nachbarstandorten sei groß. Und: „Die Bezirksbeamten sind unverändert vor Ort“, sagte Reinhold. Auch in Jüchen müsse keiner auf bekannte Gesichter verzichten.