Bielefeld-Senne. „Am spannendsten ist, dass man immer wieder in ganz unterschiedliche Wohnungen kommt“, sagt die 59-jährige Manuela Kohl. Denn sie hat einen Nebenjob, der sie einmal quer durch die Region schickt: vom lippischen Lage bis Bielefeld-Brake auf der anderen Seite. Sie lebt in einer großen Wohnung im ersten Stock eines Hauses in zweiter Reihe. Balkon, große graue Couch, schwarzer Esstisch in der Ecke. Nur ihr kleiner roter Twingo, der neben ihrem Haus steht und mit schwarzen Katzenstickern beklebt ist, gibt einen Hinweis auf ihren Nebenjob. Unter dem Namen „Elas Samtpfötchen“ bietet sie Katzensitting an.
Aktuell ist viel los. Denn im Sommer machen viele Menschen Urlaub. Die ersten Anfragen kommen um Ostern rein, im Winter hat sie mit Ausnahme der Weihnachtsfeiertage nur selten Termine. Heute muss sie noch bei vier Katzen vorbeischauen. „Kurz vor der Arbeit um Viertel vor fünf, nach der Arbeit und gleich fahre ich auch noch zu zwei.“
Mit Futter versorgen, das Katzenklo leeren und ganz viel kraulen und streicheln. So sieht der Katzenbesuch an einem normalen Tag aus. Meistens kommt sie für eine halbe Stunde – manchmal bleibt sie aber auch länger. „Man entspannt selbst auch, wenn man Zeit mit den Tieren verbringt.“ Eigentlich arbeitet sie als Montagehelferin bei einer Oldentrup Firma und baut Teile zusammen, die man für die Förderbänder benötigt. Das Katzensitting biete ihr einen abwechslungsreichen Ausgleich. Denn jede Katze sei anders und habe ihren eigenen Charakter, sagt sie.
Von der Idee gegen Langweile zur Stammkundschaft
Ihre Langeweile während der Corona-Pandemie brachte sie auf die Idee, ehrenamtlich etwas mit Katzen zu machen. Denn die habe sie schon immer geliebt. Zuerst versuchte sie es in einem Tierheim, doch dort war nur vormittags etwas frei, wenn sie arbeiten musste. Eine Internet-Recherche brachte sie dann auf die Idee: Katzensitting. Über eine Agentur mit Sitz in Bayern hat sie angefangen.
×
Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail zur Bestätigung Ihrer Anmeldung.
Erst danach ist diese abgeschlossen.
Bitte prüfen Sie auch den Spam-Ordner.
×
Sie haben bisher Ihre E-Mail-Adresse noch nicht bestätigt.
Erst danach ist diese abgeschlossen.
Bitte prüfen Sie auch den Spam-Ordner.
×
Es ist einen Fehler aufgetreten
Bei Fragen hilft unser Newsletter-Support
Newsletter
Aus Bielefeld
Wöchentliche News direkt aus der Redaktion Bielefeld.
Jetzt anmelden
„Bei meinem ersten Termin war ich noch ganz aufgeregt“, sagt Kohl. Doch mit der Frau hat sie sich gut verstanden – heute eine Stammkundin. Mittlerweile hat sie sich von der Agentur abgemeldet. Denn sie hat sich ihren eigenen Kundenstamm aufgebaut, der sich zuverlässig meldet, wenn jemand wieder unterwegs ist und Betreuung für seine Katzen benötigt.
Lesen Sie auch: Generationswechsel in Bielefeld: Susanne Müller (26) ist die neue Tierheim-Leiterin
Ihre ungewöhnlichste Erfahrung: die Geburt von Katzenjungen während sie als Sitterin vor Ort war. „Das war wirklich unglaublich“, sagt sie. So etwas habe sie bisher nicht wieder erlebt. Eins der Katzenbabys lebt schon eine Weile bei ihr: Der schwarz-weiße Kater Sammy feierte gerade seinen ersten Geburtstag. Insgesamt hat sie drei Katzen.
Die ungewöhnlichste Kundschaft und Zukunftspläne
Die Kundschaft reicht von jung bis alt — „da ist alles dabei“, sagt Kohl. Warum viele Katzenbesitzende lieber sie buchen würden, als einfach Nachbarn zu fragen? Viele Menschen wollen ihre Nachbarn nicht in ihre Wohnungen lassen, erklärt sich Kohl das Phänomen. Die meisten Kunden finden sie über ein Internet-Portal oder vom Hörensagen. Doch es gibt auch die ein oder andere ungewöhnliche Geschichte.
So habe sie einen Anruf bekommen, um einen Termin für ein Kennenlerngespräch auszumachen. Alles war abgeklärt – es fehlte nur noch die Adresse. Als die Kundin sie nannte, konnte sie ihren Ohren kaum trauen: Sie wohnte nur ein paar Häuser weiter. Über ihr Auto, das unweit ihres Hauses am Straßenrand stand, sei die Nachbarin auf sie aufmerksam geworden.
In ihrem Umfeld seien alle erstaunt über ihren Nebenjob, aber auch begeistert. Ihre Familie steht hinter ihr. Auch wenn ihr Mann sie seltener sieht und sie an Feiertagen meist unterwegs ist. „Er leidet am meisten“, sagt sie lachend. Noch mache sie es nur als kleinen Nebenverdienst. „Ich glaube, leben könnte ich davon gerade noch nicht.“ Aber wenn sie bald in Rente geht, möchte sie ihr Geschäft noch weiter ausbauen.
📱 News direkt aufs Smartphone: Hier finden Sie den kostenlosen Whatsapp-Kanal der NW-Bielefeld