Die Flanke kam gut, Shuto Machino hielt den Fuß hin und beförderte den Ball direkt ins Tor. Danach gab es die Harry-Kane-ähnliche Machino-Säge nebst kleinem Hüpfer – Borussias Japaner ist zurück aus dem WM-Urlaub und wieder mitten drin im Teamtraining.
So ist es auch bei Jens Castrop, der beim Weltturnier für Südkorea gespielt hat. Für Castrop war nach der Vorrunde Schluss, Machinos Japaner schieden im Sechzehntelfinale knapp gegen Brasilien aus. Beide Borussen hatten nur Jokerrollen. Dennoch geht Trainer Eugen Polanski davon aus, dass die Erfahrung nachhaltig ist.
„Ich weiß nicht, ob man einen einzelnen Punkt benennen kann, den ihnen die WM unmittelbar gebracht hat. Aber es ist natürlich erst einmal eine großartige Sache, eine Weltmeisterschaft zu spielen. Dazu kommt die Bestätigung, im 26er-Kader des eigenen Landes zu stehen, egal ob direkt nominiert oder nachgerückt. Das ist extrem wichtig“, sagte Polanski.
Nun kommt es für ihn auf das Umschalten auf den Alltag in Mönchengladbach an. „So ein Turnier nimmt einen komplett ein. Wenn es vorbei ist, fällt man erst einmal in ein Loch. Umso wichtiger ist es, danach die Belastung wieder Schritt für Schritt zu steigern“, sagte Polanski.
Damit wurde bereits am Montag angefangen. „Da haben wir sie schon ein bisschen herangeführt. Vor dem Training standen noch Tests und der Lauftest an, danach haben sie große Teile des Trainings mitgemacht. Sie hatten nicht ganz so lange frei wie die anderen, das ist das Schicksal der Weltmeisterschaft“, sagte Polanski.
Gladbach: WM steigert Castrops Instragram-Reichweite enorm
Castrop hat das Turnier nebenbei wachsende Aufmerksamkeit im Netz eingebracht. „Größter Social-Media-Gewinner im Aufgebot von Borussia Mönchengladbach ist Jens Castrop: Der Mittelfeldspieler hat seine Instagram-Reichweite von 52.738 auf 149.552 Follower fast verdreifacht (+183,58 Prozent)“, hat die Influencer-Agentur Netzschreier herausgefunden.
Ob Castrop und Machino schon am Samstag im zweiten Testspiel bei Rot-Weiss Essen zum Einsatz kommen, steht noch nicht fest. „Die anderen hatten nach der ersten Woche auch schon ein Spiel. Jetzt ist der Gegner natürlich deutlich stärker und wir vielleicht schon ein Stück weiter. Wir müssen uns anschauen, wie sie sich fühlen, und das mit der Athletikabteilung abstimmen“, sagte Polanski.
Im Training machten beide indes einen guten Eindruck. Es gab ausführliches Torproduktionstraining: Spielaufbau aus dem Zentrum über den Flügel, Flanke, Abschluss. Zum Abschluss der über zweistündigen Einheit gab es ein Kleinfeldturnier. Anders als in der Vorwoche gab es indes keine Bestrafung für das Verliererteam.
„Trotzdem habe ich keinen Unterschied zur vergangenen Woche gesehen, als es eine gab. Das ist das Wichtigste bei solchen Turnieren, bei denen es gefühlt um nichts geht: dass jeder gewinnen will. Genau dieses Gefühl hatte ich heute. Es gibt vernünftige Distanzen und klare Regeln, die Jungs pushen sich gegenseitig, und dann wird auch mal eine Schiedsrichterentscheidung kritisiert. Dieses Gewinnenwollen ist sehr wichtig“, sagte Polanski.
Gladbach: Bei Ullrich die „ruhigere Variante“ gewählt
Bei dem Turnier fehlte Linksverteidiger Lukas Ullrich, der am Samstag beim Kostenpflichtiger Inhalt Testspiel in Wuppertal (6:0) angeschlagen ausgewechselt wurde. Eine Gehirnerschütterung zog er sich nicht zu, „ihm war aber schwindelig“, sagte Polanski.
„Er hat große Teile des Trainings mitgemacht, das Turnier aber ausgelassen, weil wir schauen wollten, ob er auf die Laufbelastung beschwerdefrei reagiert. Grundsätzlich wäre er freigegeben. Wir haben uns aber bewusst für die ruhigere Variante entschieden, um nichts zu riskieren. Wenn morgen keine Reaktion kommt, macht er noch eine Einheit indoor und trainiert mittags wieder komplett mit“, erklärte Polanski. Für das Spiel in Essen dürfte Ullrich wieder bereit sein.
Bei dem Turnier gingen es auch Tim Kleindienst, Kevin Diks und Franck Honorat vorsichtiger an. „Sie sollten sich abwechseln, weil die CK-Werte bei allen etwas erhöht sind. Franck hat zudem angegeben, dass seine Adduktoren zumachen. Sie haben jeweils nur zwei statt vier Spiele gemacht. Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagte Polanski.
Zento Uno, der bislang nur individuell trainiert hat, soll in der kommenden Woche voll einsteigen. „Kommende Woche wird er wahrscheinlich wieder im Teamtraining sein. Er hat schon viel gemacht und trainiert parallel. Man merkt ihm nicht unbedingt an, dass da noch etwas ist. Es geht eher darum, alles sauber abzuarbeiten“, sagte Polanski.