So schnell kann sich das Blatt wenden: Der Kaarster Rat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass die Stadt eine Mitgliedschaft in der Gütegemeinschaft Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltungen beantragen soll. Nur drei Ratsmitglieder stimmten dagegen. Im vergangenen September sah das noch ein bisschen anders aus. Damals legte die Verwaltung den gleichen Antrag vor – und dieser wurde mit breiter Mehrheit abgelehnt. Neben CDU und Grünen, die schon in der vergangenen Ratsperiode die Mehrheit im Rat bildeten, waren auch SPD und UWG dagegen. Nicht nur Wirtschaftsförderer Felix Hemmer konnte die Entscheidung damals nicht verstehen, auch die damalige Bürgermeisterin Ursula Baum war sauer.
Bei der erneuten Vorlage des Antrags ergab sich nun ein vollkommen anderes Stimmungsbild. Diesmal stimmten fast alle Fraktionen dafür – auch CDU und Grüne. Ob der Sinneswandel etwas mit dem neuen CDU-Bürgermeister Christian Horn-Heinemann zu tun hat? Die Vermutung liegt nahe, denn Baum hatte als FDP-Bürgermeisterin oft einen schweren Stand im Stadtrat.
Auch Dominik Broda, Fraktionsvorsitzender der Grünen, erinnerte sich daran, dass der Antrag bereits einmal abgelehnt wurde. „Offenbar sieht die Verwaltung einen Mehrwert, ansonsten würde sie es nicht erneut auf die Tagesordnung setzen. Ich erwarte, dass wir in ein, zwei Jahren einen Bericht erhalten, was uns das gebracht hat“, forderte er. Denn eigentlich sollten während der Haushaltskonsolidierung keine neuen Mitgliedschaften eingegangen werden.
Horn-Heinemann verteidigte das Ansinnen der Verwaltung. „Wir sind im Rhein-Kreis fast die einzige Kommune, die nicht dabei ist. Das könnte bei der Vermarktung von gewerblichen Grundstücken nicht gerade positiv sein.“ Im Vergleich zum letzten Mal habe die Verwaltung intern geprüft, ob die Umsetzung möglich sei. Hemmer ergänzte: „Ich glaube, dass es ein Standortfaktor ist. Wir können durch eine Zertifizierung nach außen hin zeigen, wie gut Kaarst eigentlich schon ist.“ Für die Kaarster Wirtschaft ergebe sich durch die Zertifizierung Planungssicherheit, schnellere Verfahren und verlässliche Ansprechpartner. Unternehmen profitierten von kürzeren Bearbeitungszeiten, verbindlichen Standards und einer investitionsfreundlicheren Verwaltungsstruktur – so das erklärte Ziel der Mitgliedschaft.