Stand: 21.07.2026 17:22 Uhr

Mit seinen Reaction-Videos hält Robert Lindemann fragwürdigen Männlichkeits-Coaches den Spiegel vor. Der Hamburger setzt sich für neue Rollenbilder ein – und erreicht dabei Millionen Menschen.

von Ann Brit Bakkenbüll

Botschaften wie „Sei ein Alpha“, „Zeig keine Schwäche“ oder „Frauen testen Männer ständig“ sind millionenfach im Netz zu finden. Männliche Coaches geben anderen Männern Tipps. Der Hamburger Content Creator Robert Lindemann hält mit seinen Reaction-Videos dagegen und bricht dabei ganz bewusst mit klassischen Männlichkeitsbildern. Daraus ist inzwischen weit mehr geworden als Unterhaltung.

So kommentiert Robert Lindemann Videos von Männlichkeits-Coaches

Männer, die im Netz erklären, wie Frauen angeblich ticken und dabei vermeintliche Regeln verbreiten: Auf sie zu reagieren, ist die Spezialität von Lindemann. Der 36-Jährige schneidet sich in die Monologe der selbsternannten Männlichkeitsexperten und inszeniert die Videos damit neu. Worauf er dabei achtet: „Ich versuche immer, die Location und das Licht ungefähr nachzubauen, sodass es so wirkt, als wäre die Person bei mir vor Ort.“

Das ist viel Aufwand für seine Reaction-Videos, in denen der gelernte Fotograf die fragwürdigen Männlichkeitsbilder auseinandernimmt. Dabei arbeitet er mit viel Liebe zum Detail. „Es war am Anfang gar nicht unbedingt mit so einem großen feministischen Grundgedanken, sondern es war so offensichtlich, dass das, was diese Männer von sich geben, einfach problematisch ist“, erklärt Lindemann. Es war ihm ein Anliegen, auf diese Videos zu reagieren. Und die Liste von Männern mit antiquierten Frauen- und Weltbildern ist lang.

Warum Macho-Coaches wieder boomen

Der starke Alpha: Bloß keine Schwäche zeigen, Frauen durchschauen und für fast jede Lebenslage einen vermeintlichen Ratschlag haben. Für Lindemann trifft dabei die Sehnsucht nach Orientierung auf die Rückkehr reaktionärer Geschlechterbilder. „Wenn eine Gesellschaft nach rechts rückt und immer konservativer wird, werden auch Frauen, Männer und Gesellschaftsbilder wieder konservativer. Ich glaube, das ist der Grund, warum diese Coaches so viel Anklang finden.“

Für eine Freundin von Robert enden die Rollenbilder und Botschaften nicht im Netz. Der Gastronomin Lien Dao begegnen sie immer wieder auf der Straße. „Wenn es, wie jetzt, warm ist und ich kurze Sachen anhabe, dann werde ich einfach mal von der Seite angeguckt oder es wird ein dummer Spruch gebracht. Ich finde es total wichtig, dass Männer, wie Robert zum Beispiel, sich dafür einsetzen, dass das Thema immer noch relevant ist.“

Sein Blick auf Männlichkeit hat sich verändert

Dass sich der eigene Blick verändern kann, kennt Lindemann von sich selbst. Aufgewachsen ist er in einer christlich-konservativen Kleinstadt. „Auf jeden Fall habe ich früher auch sexistische, homophobe und rassistische Witze gemacht. Sachen, die ich heute nicht mal im Ansatz mehr so machen würde und wofür ich mich heute auch schäme. Es war aber so gang und gäbe, und das fürchte ich zum Teil immer noch.“ Heute macht er daraus Content und hält dagegen – Video für Video.

Eine Gruppe Bodybuilder mit nackten Oberkörpern.

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