Kontroverse um Paviane

Nürnberger Tiergarten wieder überfüllt – droht die nächste Tötung?

22.07.2026 – 07:22 UhrLesedauer: 2 Min.

Guinea-Paviane im Tiergarten NürnbergVergrößern des Bildes

Paviane ((Archivbild): Die Anlage ist laut dem Tiergarten für 25 Paviane plus Jungtiere ausgelegt. Im Juli 2025 lebten dort mehr als 40 Affen. (Quelle: Daniel Karmann/dpa/dpa-bilder)

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Knapp 800 Strafanzeigen liegen bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth vor, eine Anklageentscheidung steht noch aus. Der Pavian-Bestand übersteigt inzwischen erneut die Kapazitätsgrenze der Anlage.

Ein Jahr nach der Tötung von zwölf Guinea-Pavianen im Nürnberger Tiergarten vor einem Jahr sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth noch nicht abgeschlossen. Sprecherin Heike Klotzbücher teilt mit: „Die Ermittlungen dauern unverändert an.“ Ob es zu einer Anklage kommt, ist offen.

Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet die Tötung eines Tieres ohne vernünftigen Grund. Als solche gelten etwa Schlachtung, Jagd oder das Erlösen eines leidenden Tieres. Ob die Überfüllung eines Zoogeheges diesen Anforderungen genügt, ist die Kernfrage des Verfahrens. Tierrechtsorganisationen sehen den Fall als möglichen Präzedenzfall für die Zoopraxis in Deutschland.

Pavian-Anlage erneut über der ausgelegten Kapazität

Der Tiergarten hatte die Tötung damit begründet, dass die Anlage überfüllt gewesen sei und eine tierschutzkonforme Haltung nicht mehr möglich gewesen sei. Zum Zeitpunkt der Tötung zählte die Gruppe 43 Tiere, ausgelegt ist die Anlage für 25 Tiere plus Jungtiere.

Das Problem hat sich nach Angaben des Tiergartens wiederholt: Derzeit leben 31 Paviane in der Anlage. Akuten Handlungsbedarf sieht der Tiergarten nicht – die Sozialstruktur innerhalb der Gruppe sei intakt. Man versuche, Tiere an geeignete Einrichtungen abzugeben. Sollte das nicht gelingen und eine erneute Überpopulation eintreten, müsse man einzelne Tiere aus der Gruppe nehmen.

Laura Zodrow vom Verein Pro Wildlife, der damals Strafanzeige stellte, fordert eine gründliche Aufarbeitung: „Da geht es um die ethische Frage unseres Tierschutzes – wird er ausgehebelt oder nicht?“

Verein spricht von jahrzehntelanger Inzucht – Zoo widerspricht

Pro Wildlife stellt zudem den Artenschutzzweck der Zucht infrage. Nach eigenen Angaben hat der Verein Bestandsdaten der vergangenen 35 Jahre ausgewertet, die der Tiergarten über das bayerische Umweltinformationsgesetz herausgegeben hatte. Demnach seien in diesem Zeitraum 187 Paviane in Nürnberg geboren worden, kein Tier sei von außen hinzugekommen. Daraus schließt der Verein, dass jahrzehntelange Inzucht den behaupteten Artenschutzzweck der Zucht widerlege.

Der Tiergarten weist das zurück: In der aktuellen Gruppe gebe es keine Hinweise auf Erbkrankheiten oder Inzuchtprobleme. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm erarbeite derzeit ein Konzept für den genetischen Austausch von Guinea-Pavianen in Europa, an dessen Empfehlungen sich der Tiergarten halten werde.

Seit der Tötung sind dem Tiergarten zufolge neun Pavian-Babys in der Anlage geboren worden, sieben davon seien aus unterschiedlichen Gründen gestorben.