Stand: 22.07.2026 07:08 Uhr

Mit seiner Kamera gibt Markus Heft queeren Menschen über 60 ein Gesicht. Seine Porträts erzählen von Coming-outs, Selbstfindung und dem Wunsch, kommenden Generationen Mut zu machen.

von Lars Kaufmann

Beim Blick nach oben sehnt sich Markus Heft nach Wolken. Gerade ist es noch zu sonnig. Denn Porträtfotografen halten nichts von zugekniffenen Augen, sagt Heft: „Es kann sehr lange dauern, bis man den richtigen Moment hat.“ Vor der Kamera steht Hannah, die auch Günther heißt. Heft fotografiert sie schon seit Jahren.

„Die Fotos sind auf jeden Fall inszeniert. Ich probiere aber trotzdem, sie in einer sehr ruhigen und dokumentarischen Bildsprache zu machen“, sagt der Fotograf. Dokumentieren will er nicht nur Äußerlichkeiten, wenn er für seine Porträts ganz dicht rangeht an die sonst kaum gesehenen Generation der über 60-Jährigen.

25 queere Menschen, 25 bewegende Geschichten

„Es ist die eine Sache, sich zu outen und sein authentisches Leben zu leben, aber sich damit vor eine Kamera zu stellen und in die Öffentlichkeit zu gehen, sich angreifbar zu machen und sich potenziell queer-feindlicher Gewalt auszusetzen – das braucht Überwindung“, betont Heft.

25 queere Menschen hat er fotografiert, trans, inter, nonbinär, schwul oder lesbisch, alle sind Ü60. Er hat sich ihre Geschichten angehört. Vor der Kamera hatte er Protagonistinnen und Protagonisten, die sich ihr Leben lang für queere Rechte eingesetzt haben. Aber auch Menschen, die sich nicht getraut hätten, sich zu outen. Und es dann erst mit Mitte 40, 50 oder vielleicht sogar erst mit Mitte 70 gemacht hätten, erklärt der Fotograf.

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Ein Vorbild sein und sichtbar werden mit 70

Hannah ist Mitte 70. Vor zwölf Jahren hat sie sich geoutet. „Diese ersten Schritte draußen waren schwierig“, erklärt sie. „Manche fragen mich, ob ich provozieren will. Ich möchte nicht provozieren, ich möchte einfach ausdrücken, was meine Stimmungen und meine Gedanken sind. Was ich gemerkt habe: Meine eigenen Mauern waren auf jeden Fall höher als die gedachten Mauern der anderen.“

Das Projekt ist für den Fotografen auch ein ganz persönliches: „Mir hat es an Vorbildern gefehlt. Ich glaube, was für viele heterosexuelle Menschen total normal ist, ist dieses Wissen, was gar nicht explizit vermittelt werden muss, weil es von den Eltern an die Kinder gegeben wird. Das passiert bei queeren Menschen nicht so einfach.“

Erfahrungen weitergeben, Mauern abbauen

Noch dieses Jahr will Markus Heft sein analoges Projekt zu einem Fotobuch machen. Die Finanzierung über Crowdfunding steht, zu seiner eigenen Überraschung. Somit steht diese Arbeit nicht am Ende, sondern ist der Anfang für Neues. „Ich hab das Gefühl, jede Generation startet wieder von Neuem, fühlt sich immer wieder allein, fängt von vorne an. Daran möchte ich in Folgeprojekten arbeiten, dass es erst gar nicht so weit kommt, und mich auch der jungen Generation widmen.“

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