Im Berliner Zeughauskino sowie im Kino Krokodil läuft derzeit ein hochkarätiges Filmprogramm mit tschechischen und slowakischen Filmen – von frühen Werken Miloš Formans bis hin zu unbekannteren Filmen. Die aufwendig kuratierte Filmschau „In weiter Ferne, so nah“ ist noch bis Anfang September zu sehen.

 

Glücklicherweise gab es François Truffaut. Nicht nur wegen seiner eigenen kanonischen Filme, sondern auch, weil er europäische Werke einem internationalen Publikum zugänglich machte. Unter anderem „Der Feuerwehrball“, ein frühes Werk von Miloš Forman. Nach der Premiere der Komödie im Jahre 1967 witterten die tschechoslowakische Regierung und ihre Zensoren eine Verschwörung: Die satirischen Elemente seien eine Allegorie auf das sozialistische System. Nach drei Wochen wurde der Film verboten und aus den Kinos verbannt. Truffaut erwarb daraufhin die Rechte an „Der Feuerwehrball“ und zeigte ihn beim New York Film Festival. In seiner Heimat durfte Forman daraufhin jahrelang keine Filme mehr drehen; in Hollywood aber avancierte er später zum renommierten Regisseur.

Die Groteske um einen kleinstädtischen Feuerwehrball, auf dem allerlei Missgeschicke und Verwirrungen geschehen, eröffnete die kuratierte Filmreihe „In weiter Ferne, so nah!“ (bis 6. September), die mit acht Programmen auf das tschechische und slowakische Kino zurückblickt. „Im Fokus steht dabei weniger die Absicht, einen neuen Kanon zu etablieren. Es werden vielmehr vor allem solche Filme gezeigt, die durch ihr ausgeprägtes ästhetisches Bewusstsein hervorstechen. Und die sich deshalb vor allem dafür eignen, ein Verständnis für die Verortung von Film und Kino innerhalb einer politischen und gesellschaftlichen Sphäre zu befördern“, beschreiben die Kuratoren des Programms, Ralph Eue, Brigitte Mayr und Michael Omasta, ihre Absichten.

In Berlin zu sehen: "Niemand wird lachen" von Hynek Bocan
In Berlin zu sehen: „Niemand wird lachen“ von Hynek Bocan (© Filmstudio Barandov)

 

Realisiert wurde die Filmschau durch die Förderung des Hauptstadtkulturfonds und des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Národní filmový archiv in Prag und dem Slovenský filmový ústav in Bratislava. Begleitet wird die Reihe zudem von einer im Oktober im Wiener Synema Verlag erscheinenden Publikation.

In Berlin läuft die Reihe „In weiter Ferne, so nah!“ bis Anfang September im Zeughauskino und im Kino Krokodil. Gezeigt werden rund 60 tschechische und slowakische Filme einer gerade im deutschsprachigen Raum weniger bekannten europäischen Filmströmung.

 

Hinweis

Detaillierte Informationen zum vollständigen Programm von „In weiter Ferne, so nah! Tschechische und slowakische Kinolandschaften“ gibt es auf der Webseite vom Zeughauskino und von Kino Krokodil.