Mit seinem dritten Schuss fiel die Königsplatte zu Boden. Karl-Heinz „Kalla“ Schmidt von der Gesellschaft Prof. Hans Kohlschein hat sich zum neuen König des St. Sebastianus Schützenvereins von 1316 gemacht. „Ich habe bestimmt schon sieben- oder achtmal Mal versucht König zu werden. Ich habe kaum noch daran geglaubt, dass es mal klappt“, sagte Schmidt. „Ich bin in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden, da wollte ich es noch einmal versuchen, diesmal mit Erfolg.“
Noch ist Schmidt nur designierter neuer König, denn erst am Freitag, beim Krönungsball im 1316er-Festzelt auf der Rheinkirmes, wird ihm die Königskette übergestreift und damit sein neues einjähriges Ehrenamt perfekt gemacht. An seiner Seite wird dann Marie-Luise Steinstrasser sein. Schmidt hat nämlich seine Lebensgefährtin genau wie im richtigen Leben zu seiner Königin auserkoren.
Das wird der erste von ganz vielen öffentlichen und repräsentativen Terminen für das neue Königspaar sein. „Ich hatte so 120 Termine im vergangenen Jahr“, raunte Schmidts Vorgänger Jens Linka seinem Nachfolger zu. „Na und, ich bin Rentner“, meinte der designierte König tiefenentspannt.
Schmidt hatte sich gegen 31 Konkurrenten durchgesetzt, insgesamt musste 108 Mal auf die Königsplatte geschossen werden. Ganz neu ist das Gefühl der Königswürde für Schmidt nicht, 2013 war er bereits König seiner Gesellschaft. Das ist allerdings nicht mit dem zu vergleichen, was jetzt auf den ehemaligen Maurer zukommt. „Das wird so ein schönes Jahr für euch“, versprach Heike Kuba, die seit der Rheinkirmes 2025 an der Seite von Linka die 1316er als Königin repräsentierte. „Alle haben uns immer so nett empfangen, es war die reine Freude. Am Anfang war ich zwar total sauer, dass Jens König geworden ist, aber das war auch ganz schnell verflogen.“ Es sei eine Erfahrung fürs Leben, die sich unauslöschlich auf die persönliche Festplatte einbrenne, meinte Linka. „Wenn man auf die einzelnen Schützen- und Volksfeste kommt, freut man sich auf den Geruch von Bratwurst und gebrannten Mandeln“, so der scheidende König. „Ich hatte jetzt ein Jahr lang diesen Geruch in der Nase. Jetzt ist es mal wieder an der Zeit, etwas anderes zu riechen.“
Für die 1316er ist der Tag, an dem der neue König ermittelt wird, der zweitwichtigste während ihres Schützenfestes. „Für uns ist der Freitag mit dem Krönungsball und dem Feuerwerk wichtiger“, versichert 1316-Chef Andreas-Paul Stieber. „Aber für denjenigen, der den Königsschuss abgefeuert hat, ist es der größte Tag im Schützenleben.“ Stieber kann das beurteilen, war er doch im Juli 2015 derjenige, der die Königsplatte herunterholte. Um diesen hohen persönlichen Schmidt-Festtag gebührend zu begehen, hatte der Sebastianus-Vorstand die erste von zwei Drohnenshows auf den Abend des Königsschusses gelegt.
Die Seelen- und Bierruhe, die Schmidt trotz der unübersehbaren Freude über seinen Coup ausstrahlte, hat wohl auch etwas mit seinem Hobby, dem Angeln, zu tun. Wer da am Ufer oder im See unruhig wird, hat wohl kaum Chancen, dass Fische beißen. So gönnte Schmidt allen Schützenkameraden, die Unmutsbekundungen losließen, als des neuen Königs zweitliebster Fußballverein bekannt gegeben wurde, auch nur ein Lächeln. „Er ist Fan unserer Fortuna und der kleinere Teil seines Herzens schlägt für den FC Bayern München“, hatte Stieber ins weite Viereck des Festzeltes gesagt. Vereinzelte Buh-Rufe wurden geflissentlich ignoriert.
Und eine weitere Würde war an dem Tag zu vergeben: Obwohl sie gerade erst 19 Jahre alt ist, hat Annalena Bosch, die neue Jungschützenkönigin der 1316er, schon viel Brauchtumserfahrung. Bereits seit 14 Jahren ist sie Schützin, aber erst seit drei Monaten als Trommlerin im Stadt-Tambourkorps St. Maximilian aktiv. „Es war insgesamt erst der sechste oder siebte Schuss und mein erster, als die Platte fiel“, erläutert Bosch. Es war eine freudige Überraschung. Sie hatte sich zum Jungschützenkönigsschuss spontan angemeldet, als ihr klar geworden war, dass sie nur noch drei Jahre Jungschützin ist. „Da hat man nicht mehr so viele Gelegenheiten, die Königinnenwürde zu erringen“, stellte Bosch fest. Sie nutzte die erste Gelegenheit, die sich ihr bot.