Stand: 22.07.2026 19:23 Uhr
Der mutmaßliche Täter im Fall Stade hat sich laut dem niedersächsischen Justizministerium in Untersuchungshaft in der JVA Bremervörde das Leben genommen. Der Vorfall hat auch Einfluss auf die laufenden Ermittlungen.
Denn nach dem Tod des 45-Jährigen wird das Verfahren gegen den Mann eingestellt. Gegen Tote könne nicht ermittelt werden, teilte die Staatsanwaltschaft Stade auf NDR Anfrage mit. Die Ermittlungen gegen die Fahrerin des Fluchtwagens und die Mutter des gemeinsamen Kindes würden formal weitergeführt. Es werde aber alles eingestellt, wenn sich herausstelle, dass der Mann der alleinige Täter war, betonte die Staatsanwaltschaft. Die CDU forderte am Dienstag lückenlose Aufklärung darüber, was in der JVA Bremervörde passiert ist – und äußerte scharfe Kritik.
Verdächtiger tot in Zelle gefunden: CDU kritisiert Justizministerin Wahlmann
Die niedersächsische CDU spricht in einer Pressemitteilung von einer „Serie schwerwiegender Pannen und Versäumnisse im Verantwortungsbereich von Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD)“. Es sei nicht erklärbar, wie es zu dem Suizid kommen konnte. Den Angehörigen sei dadurch die Möglichkeit genommen worden, die strafgerichtliche Aufarbeitung der Tat zu erleben.
Video:
Fall Stade: Mutmaßlicher Täter ist tot (1 Min)
Engmaschige Videoüberwachung in U-Haft wurde zurückgefahren
Am Mittwoch hat das Justizministerium neue Details zum Fall Stade bekannt gegeben. Am Tag seiner Einlieferung in die JVA Bremervörde am 30. Juni bis zum 09. Juli war der mutmaßliche Stade-Täter rund um die Uhr videoüberwacht worden. Ab dem 09. Juli wurde diese engmaschige Überwachung per Video schrittweise zurückgefahren – und ab dem 13. Juli komplett eingestellt. Stattdessen sollte es regelmäßige „Sichtkontrollen“ während der Tages- und Nachtzeiten geben. Als Grund nannte das Justizministerium unter anderem psychologische Berichte.
Opferanwalt: Versäumnisse aufarbeiten
Der Göttinger Opferanwalt Steffen Hörning hat am Mittwoch im Interview mit dem NDR in Niedersachsen das Zurückfahren der Kontrollen scharf kritisiert. Insbesondere im Fall dieses Untersuchungshäftlings hätte man dauerhaft genau hinschauen müssen. Es habe laut Hörning genügend Anhaltspunkte für einen möglichen Suizid gegeben. „Da sind Versäumnisse, die es aufzuarbeiten gilt“, sagte Hörning. Sascha Wand vom Verband Niedersächsischer Strafvollzugsbedienster hatte zuvor im NDR Interview gesagt, dass Suizide in Haft vom Personal nie gänzlich verhindert werden könnten.

Sechs Tote in Stade, dann der Tod des Verdächtigen in seiner Zelle. Die Chronologie bis zum mutmaßlichen Suizid.
Fall Stade sorgt bundesweit für Entsetzen
Der Mann gilt als mutmaßlicher Täter des Schusswaffenangriffs, bei dem Ende Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen starben. Drei der Opfer arbeiteten in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade, drei weitere waren Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover. Der Verdächtige saß seit der Tat in Untersuchungshaft. Der Fall hat bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine Debatte über die Sicherheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im sozialen Bereich ausgelöst.
Video:
Fall Stade mit sechs Toten: Mutmaßlicher Täter ist tot (1 Min)
Suizidgedanken: Wo Betroffene Hilfe bekommen
Bei akuter Suizidgefahr: Notruf 112
Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (Tel.: 0800/111-0-111) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: Tel.: 0800/111-0-333 oder 116 111; wochentags von 14 bis 20 Uhr)
Auf den Seiten der Deutschen Depressionshilfe sind Listen mit regionalen Krisendiensten und mit Kliniken zu finden. Zudem gibt es viele Tipps für Betroffene und Angehörige.
Über www.telefonseelsorge.de ist eine Online-Beratung möglich.
Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen bietet die Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: www.suizidprophylaxe.de.
In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige, um die Situation und die Versorgung Depressiver zu verbessern. Sie bieten Depressiven ein Email-Beratung als Orientierungshilfe an.
Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).
Hilfe in akuten Krisen
Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter 112. Sie erreichen die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222.

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Ein Mann soll sechs Menschen in einer Mutter-Kind-Einrichtung getötet haben. Der Fall ist komplex – hier finden Sie eine Einordnung.

Aus Sorge vor Nachahmung berichten Medien oft nicht über Suizide. Die Empfehlung der Forschung sieht inzwischen anders aus.

Die Staatsanwaltschaft hat bestätigt, dass der 45-Jährige dort national gesucht wird. Er sitzt hier in Untersuchungshaft.

Nach NDR Recherche soll der mutmaßliche Schütze für Pistole und Munition am Ku’damm in Berlin 4.000 Euro bezahlt haben.
Video:
Fall Stade: Beschuldigter „in Einzelhaftraum tot aufgefunden“ (1 Min)
Video:
Mutmaßlicher Attentäter von Stade begeht Suizid (2 Min)