Bielefeld. Unter Bielefelds Innenstadt entsteht eine neue Hauptschlagader für die Stromversorgung. Die Stadtwerke beginnen am Mittwoch, 22. Juli, mit den Arbeiten für eine neue 110.000-Volt-Verbindung zwischen den Umspannwerken Sparrenberg und Zwinger. Rund 925 Meter lang soll die Trasse werden. Obwohl sie mitten durch das dicht bebaute Zentrum führt, wollen die Stadtwerke möglichst vermeiden, weitere Straßen und Plätze über längere Strecken aufzureißen.
Möglich macht das ein steuerbares Spülbohrverfahren, das bereits mehrfach in Bielefeld zum Einsatz gekommen ist. Dabei wird die Trasse unterirdisch vorangetrieben, offene Baugruben sind lediglich an den Start- und Zielpunkten der einzelnen Bohrabschnitte sowie im Kunsthallenpark notwendig. Dort entsteht eine sogenannte „Muffengrube“, in der später zwei Kabelabschnitte miteinander verbunden werden.
„Gerade im Zentrum ist es wichtig, dass die Stadt in Bewegung bleibt“, sagt Nils Neusel-Lange, Geschäftsführer der Bielefelder Netz GmbH. Das Spülbohrverfahren ermögliche es, das Kabel mit überschaubaren Eingriffen an der Oberfläche und ohne großräumige Sperrungen zu verlegen.
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Neue Anforderungen machen leistungsstärkeres Netz notwendig
Die neue Leitung ersetzt ein Hochspannungssystem aus dem Jahr 1982, das annähernd auf derselben Strecke verläuft. Es wird allerdings nicht nur erneuert, sondern zugleich leistungsfähiger ausgelegt. Hintergrund sind die wachsenden Anforderungen an das Stromnetz. Wärmepumpen, Elektroautos und weitere neue Stromverbraucher sorgen dafür, dass künftig deutlich mehr Energie durch die Leitungen transportiert werden muss.
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Das 110-kV-Netz sei das „Rückgrat der Bielefelder Stromversorgung“, betont Neusel-Lange. Mit der neuen Verbindung werde das innerstädtische Netz gestärkt und „eine robuste Basis für die weiteren Anforderungen der Energiewende“ geschaffen.
Ein Blick in das Umspannwerk Zwinger, dessen Modernisierung vor fünf Jahren abgeschlossen wurde.
| © Thorsten Ulonska/Stadtwerke Bielefeld
Die Strecke beginnt am Umspannwerk Sparrenberg und führt zunächst in den Park oberhalb der Kreuzstraße. Von dort aus sollen die Kreuzstraße und die Lutter bis zum Kunsthallenpark unterquert werden. Erste Vorarbeiten für zwei dort vorgesehene Bohrgruben beginnen bereits in der kommenden Woche. Anschließend verläuft die Trasse unterirdisch bis zur Ecke Oberntorwall und Klosterstraße. Der nächste Abschnitt führt zur Kreuzung Stapenhorststraße und Am Zwinger, bevor schließlich das Umspannwerk Zwinger erreicht wird. Parallel zu den Bohrungen untersucht ein Fachunternehmen den Trassenverlauf auf mögliche Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg – es ist nicht auszuschließen, dass sich noch alte Blindgänger im Boden befinden.
Trotz moderner Technik gibt es Verkehrseinschränkungen
Ganz ohne Auswirkungen auf den Straßenverkehr geht das Großprojekt dennoch nicht über die Bühne. Während der Arbeiten soll zeitweise die Rechtsabbiegespur vom Oberntorwall in die Klosterstraße gesperrt werden. An der Kreuzung Stapenhorststraße und Am Zwinger wird später der vordere Teil der Rechtsabbiegespur zum Ostwestfalendamm blockiert. Hinter dem Baustellenbereich sollen sich Autofahrer jedoch weiterhin zum Abbiegen einfädeln können.
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Die Straße Am Zwinger ist während dieser Bauphase nur von der Elsa-Brändström-Straße aus erreichbar. Nach Angaben der Stadtwerke werden die Baugruben im Straßenbereich jeweils nur wenige Wochen benötigt. Sobald die Rohre miteinander verbunden sind, werden die Gruben wieder geschlossen und die Oberflächen hergestellt.
Die Leitung wird größtenteils unterirdisch verlegt.
| © Open Street Map / Eike J. Horstmann
Zunächst wird allerdings noch kein Hochspannungskabel durch den Bielefelder Untergrund gezogen. Nach Abschluss der Bohrungen bauen die Stadtwerke zuerst ein Leerrohrsystem ein. Der eigentliche Kabeleinzug ist erst für das Frühjahr 2028 vorgesehen. Parallel wird im Umspannwerk Sparrenberg eine bisherige 110-kV-Komponente durch eine neue Innenraum-Schaltanlage ersetzt und an die Leitung angebunden.
Nur wenige Baugruben sollen sichtbar sein
Mit Hochspannungsbaustellen dieser Größenordnung haben die Stadtwerke in Bielefeld bereits Erfahrung. 2023 war in der Stapenhorststraße eine neue 110-kV-Leitung zwischen den Umspannwerken Zwinger und Universität gebaut worden. Damals musste die wichtige Ausfallstraße über Monate für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Meterhohe Kabeltrommeln und große, tief ausgeschachtete Muffengruben prägten das Bild.
Das Umspannwerk am Sparrenberg.
| © Eike J. Horstmann
Die damalige Leitung versorgt den Bielefelder Westen und die Universität und sollte unter anderem das Netz auf den Ausbau der Medizinischen Fakultät, der Ladeinfrastruktur und der erneuerbaren Energien vorbereiten. Sie ist jedoch nicht mit dem jetzt angekündigten Projekt zu verwechseln: Die neue Trasse schließt auf der anderen Seite des Umspannwerks Zwinger an und verbindet dieses künftig mit dem Umspannwerk Sparrenberg.
Anders als vor drei Jahren soll diesmal ein großer Teil der Arbeiten unsichtbar unter der Erde stattfinden. Für Autofahrer dürfte das neue Rückgrat der Stromversorgung daher vor allem an einigen wenigen Baugruben zu erkennen sein.


