Natürlich ist gerade im Show-Business 60 noch kein Alter – siehe Rolling Stones oder Paul McCartney. Unsere drei Helden wären zwar auch im „normalen“ Leben noch keine Rentner. Aber selbstverständlich ist eine jahrzehntelange Karriere nicht. In dieser Konzertwoche können die fast gleichaltrigen Lenny Kravitz, Seal und Yngwie Malmsteen zeigen, dass sie nichts von ihrer Energie eingebüßt haben.

Weiter zurück geht es bei den drei Orgelkonzerten, die wir ihnen ans Herz legen. Die gespielten Werke beginnen mit Bach (natürlich) und reichen bis ins 20. Jahrhundert zu Leonard Bernstein und Max Reger. Gespielt von herausragenden Solisten: Wayne Marshall, Mari Fukumoto und Benjamin Alard.

Dies sind unsere Konzert-Tipps für die kommende Woche.

1 Seal Seal Europop-Star der Neunziger: Seal.

© Trinity/Promo

Dass Seal Henry Olusegun Olumide Adeola Samuel seinen Geburtsnamen zum Einsilber Seal abkürzte, war der Karriere ebenso förderlich wie das charismatische, von Gospel, Soul und Funk grundierte Organ des 1963 im Londoner Stadtteil Paddington geborenen Sohns einer Nigerianerin und eines Brasilianers.

Mit dem Produzenten Adamski nahm Seal den Song „Killer“ auf, der 1990 ein Mega-Hit wurde. Seine Soloalben von 1991 und 1994, irritierenderweise beide „Seal“ betitelt, verkauften sich millionenfach, Hits wie „Crazy“ oder „Kiss From a Rose“ untermauerten seinen Status als Europop-Star der Neunziger.

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An diese goldenen Jahre konnte Seal trotz der seiner Popularität zuträglichen Ehe mit Heidi Klum später zwar nicht anknüpfen. Doch als stimmsicherer Verwalter seines musikalischen Erbes ist Seal auch mit 63 eine sichere Bank. (wun)

Zitadelle Spandau

Am Juliusturm 64, Spandau

Do 23.7., 19 Uhr

Tickets: 88 Euro

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2 Mari Fukumoto Mari Fukumoto, Kirchenmusikerin, Organistin, Musikerin, Portrait, Bonn, Mari Fukumoto studierte in Tokio und Hamburg und lehrt jetzt in Berlin.

© Sonja Werner/Sonja Werner

Der Komponist Max Reger starb 1916 im Alter von nur 43 Jahren. Dennoch hinterließ er ein Œuvre von rund 1000 Werken. „Meine Orgelsachen sind schwer. Es gehört ein über die Technik souverän herrschender, geistvoller Spieler dazu“, bekannte er einst. Jemand wie Mari Fukumoto.

Die vielfach ausgezeichnete Japanerin ist derzeit Gastprofessorin an der Universität der Künste. Im Berliner Dom spielt sie Regers virtuose Fantasie und Fuge d-Moll, op. 135b. Sein letztes großes Werk, das erst nach seinem Tod uraufgeführt wurde.

Zu hören ist ebenfalls Regers Orgel-Bearbeitung von Bachs kühner Chromatischer Fantasie und Fuge d-Moll. Sie rahmen Händels beliebte Grobschmied-Variationen (Orgel-Bearbeitung von Sigfrid Karg-Elert) und Werke von Ottorino Resphigi. (wei)

Berliner Dom

Am Lustgarten, Mitte

Fr 24.7., 20 Uhr

Tickets: 15 Euro, erm. 10 Euro

3 Wayne Marshall Dirigent und Organist Wayne Marshall  Dirigent und Organist Wayne Marshall.

© Charlie Best

Mit den Philharmonikern arbeitete Organist und Pianist Wayne Marshall zunächst als Solist und 2021 erstmals als Dirigent. Auch in der Staatsoper stand er bereits am Pult. Der Brite, der 2021 von Königin Elizabeth II. zum Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt wurde, ist beim Orgelsommer in der Gedächtniskirche zu erleben.

Marshall gilt als Experte für George Gershwin und andere US-Komponisten. So stehen in seinem Programm neben Werken von Bach und Franck auch Stücke von Bernstein und George C. Baker auf dem Programm. (wei)

Gedächtniskirche

Breitscheidplatz, Charlottenburg

Sas 25.7., 18 Uhr

Tickets: Eintritt frei (Spenden erbeten)

4 Lenny Kravitz Lenny Kravitz Hier ist der gut trainierte Oberkörper zu erahnen: Rockstar Lenny Kravitz

© IMAGO/IPA/ABACA

Bescheidenheit ist eine in Rockstarkreisen selten verbreitete Tugend. Lenny Kravitz etwa ist auf seinen Platten nicht nur als Sänger und an diversen Instrumenten zu hören, er ist auch auf dem Cover von jedem seiner bislang zwölf Alben zu sehen.

Im Close-up beim Debüt „Let Love Rule“ von 1989, von einer Federboa umflossen auf „Mama Said“ (1991), dramatisch in blutrote Flüssigkeit getaucht auf „Baptism“ (2004). Auf „Are You Gonna Go My Way“ (1993) sieht man ihn zum ersten Mal mit bis zum Bauchnabel geöffnetem Oberteil, das den Blick auf sein wohlgeformtes Sixpack freigibt – fortan integraler Bestandteil der Selbstinszenierung von Lenny Kravitz.

Der 62-Jährige wäre sicher nicht beleidigt, würde man ihn „eitel“ nennen. Von nichts kommt schließlich nichts, und die ganzen Push-ups und die vegane Low-Carb-Diät mit auf eigenen Ländereien angebauten Lebensmitteln sollen ja nicht umsonst gewesen sein.

Lenny Kravitz zeigt gern, was er kann und was er hat. Und das ist nicht wenig. Abgesehen von seinem Aussehen, zu gleichen Teilen Resultat guter Gene und harter Arbeit, ist er mit einer charismatischen, variationsreichen Stimme gesegnet.

Zudem ist er ein furchtloser Multiinstrumentalist mit Schwerpunkt elektrische Gitarre, die er live mit expressiver Selbstverliebtheit bedient. Sagen wir so: Guter Durchschnitt ist Lenny auch an schlechten Tagen. Prince ist er nicht. Sinnvollerweise toleriert er mit dem gleichaltrigen Craig Ross einen begabteren Sologitarristen neben sich.

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Gut so, denn so kann sich Kravitz im Konzert auf sein Kerngeschäft als sexy Rampensau konzentrieren. Das wäre eine lächerliche Luftnummer, könnte er nicht auf ein beeindruckendes Œuvre zurückblicken.

Sein Frühwerk war durch Lieblingsacts wie Stevie Wonder, die Beatles, Led Zeppelin und Bill Withers geprägt, deren stilistische Spurenelemente er zum nostalgischen Eklektizismus vermengte.

Nicht jeder einzelne Song dieser Periode ist ein Meisterwerk, doch große Hits wie der hinreißende Soul-Swinger „It Ain’t Over ‘til It’s Over“ oder das Riff-Monster „Are You Gonna Go My Way“ katapultieren Kravitz in die Arena-Liga.

Bemerkenswerterweise hat ihm das Sitzen zwischen Stühlen und Stilen nicht geschadet, obwohl ihm zu Anfang seiner Karriere Skepsis entgegenschlug: Seine Musik sei wahlweise „nicht schwarz genug“ oder „nicht weiß genug“, bekam der in New York aufgewachsene Spross einer Familie mit afroamerikanischen, karibischen und russisch-jüdischen Wurzeln zu hören.

Vermutlich half es, dass er das alberne Alias „Romeo Blue“ zugunsten seines wohlklingenden Geburtsnamens ablegte. Auch wenn seine jüngeren Platten statt verführerischer Uneindeutigkeit rockige Entschlossenheit demonstrieren und dadurch an Reiz verloren haben, bleibt Lenny Kravitz mit Anfang 60 ein Paradiesvogel der Popmusik. (wun)

Uber Arena

Uber-Platz-1, Friedrichshain

Mo 27.7., 20 Uhr

Tickets: ab 80 Euro

5 Benjamin Alard Organist Benjamin Alard Der französische Organist Benjamin Alard ist Bach-Experte.

© Bernard Martinez

Der Organist und Cembalist Benjamin Alard hat sich ordentlich was vorgenommen. Er will alle Werke von J. S. Bach für Tasteninstrumente, also auf der Orgel, dem Cembalo und dem Clavichord, einspielen.

Um dessen musikalische Entwicklung nachspüren zu können, tut er das in chronologischer Reihenfolge. Wenn das Projekt voraussichtlich im Jahr 2030 vollendet sein wird, werden rund 60 Stunden Musik zusammengekommen sein.

Der Franzose, Organist der Église St-Louis-en-l’Île in Paris, ist also perfekt geeignet, um zum 276. Todestag des Meisters ein Sonderkonzert zu geben. Auf der (vielfach umgebauten) Wagner-Orgel von 1723 spielt er Bachs vier große Orgeltoccaten und die sechs Schübler-Choräle. (wei)

St. Marienkirche,

Karl-Liebknecht-Str. 8, Mitte

Di 28.7., 19 Uhr

Tickets: 12 Euro, erm. 6,50 Euro

Mehr zum Thema bei Tagesspiegel PlusErsatzkonzert von Danger Dan und Igor Levit in Berlin „Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft“ Das sind die Premieren der Opernsaison 2026/27 Fokussierung und Schärfung, aber mit Wumms Klassikfestivals in Brandenburg Das DSO und Asya Fateyeva spielen Mozart in der Scheune 6 Yngwie Malmsteen Yngwie Malmsteen Gitarrenhexer aus Stockholm: Yngwie Malmsteen.

© Trinity/Promo

Unser Foto hat zwar schon einige Jährchen auf dem Buckel, aber 2026 hat Yngwie Malmsteen immer noch die Haare schön. Der schwedische Heavy-Metal-Gitarrenhexer ist bekennender Mattenträger und -schüttler und hat sich zu seinem neiderregenden Haupthaar zuletzt auch noch beeindruckende Koteletten stehen lassen. Diese Kombination ziert den 63-Jährigen erstaunlicherweise ziemlich unpeinlich.

Was nicht nur am unerschütterlichen Selbstbewusstsein ihres Trägers liegt, sondern vor allem auch daran, dass angesichts seiner instrumentalen Fähigkeiten jede Kritik verstummt. Malmsteen, der als Kind einer Klempnerfamilie in Stockholm aufwuchs, wurde von dem klassischen Violinenvirtuosen Niccolò Paganini ebenso sehr beeinflusst wie von Metal-Gitarrengöttern wie Ritchie Blackmore oder Jimmy Page.

Seinen Individualstil, zu dessen Beschreibung in Gitarren-Fachmagazinen Termini wie „Skalenläufe im phrygischen Modus“ oder „scalloped fretboard“ herangezogen werden, hat Malmsteen seit 1984 auf mehr als zwei Dutzend Alben perfektioniert. (wun)

Huxleys Neue Welt

Hasenheide 108, Neukölln

Di 28.7., 20 Uhr

Tickets: 56 Euro