Stand: 23.07.2026 09:10 Uhr
Sehen ist nicht alles: Blinde und sehbehinderte Menschen erschaffen in Travemünde beeindruckende Sandskulpturen und das alleine mit dem Tastsinn, Vorstellungskraft und viel Geduld.
Eine Skulptur wie die in der Sandskulpturen-Ausstellung in Travemünde zu erschaffen, ist selbst mit allen Sinnen anspruchsvoll. Vor Ausstellungsbeginn fand dort ein Workshop statt, bei dem Laien selbst mal eine Skulptur aus Sand gestalten durften. Allerdings konnten die Teilnehmer ihr Material, Werkzeug und Kunstwerke nur erfühlen. Beim Workshop durften Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein mit Sand und Kelle kreativ werden.
Kreativität, die man fühlen kann
Es ist der zweite von drei Tagen beim Workshop. Nach einem Übungstag beginnen die blinden und sehbehinderten Teilnehmenden nun ihre Sandskulpturen für die Ausstellung zu gestalten. Jordan Smith ist einer der Künstler, er will mit dem Thema Wasser weitermachen: „Weil ich auf einer kleinen Insel aufgewachsen bin, möchte ich einen Fisch gestalten.“
Unterstützt und angeleitet werden die vier Teilnehmenden von Künstler Martin de Zoete. „Ich denke, das ist die beste Vorbereitung, um offen zu sein.“ Am ersten Workshop Tag haben sie alles ausprobiert, um zu schauen, was geht und was nicht.
Wie Kunst für Jordan greifbar wurde

Künstler Martin de Zoete (r.) erklärt Jordan Smith wie er vorgehen soll.
Jordan Smith ist seit seiner Geburt blind, er erkennt in seiner Umgebung hell, dunkel und grobe Formen, nur von Nahem kann er Farbe erkennen. Kunst spielte daher bislang keine große Rolle für ihn. In den vergangenen Jahren änderte sich das, weil er einige gute Führungen durch Ausstellungen erlebt hat. Dort sei viel beschrieben worden, sagt er. „Durch die Möglichkeiten, bei einigen Museen Skulpturen anzufassen, habe ich gemerkt, das ist etwas, was blinde Menschen auch können.“
Anleitung mit Worten statt Skizzen
Normalerweise betreut Martin de Zoete die professionellen Künstlerinnen und -künstler bei der jährlichen Neugestaltung der Sandskulpturenausstellung. Für diesen Workshop muss auch er sein Handwerk noch mal mit anderen Sinnen kennenlernen. Denn mit Vorlagen und Skizzen auf Papier können die meisten Teilnehmenden hier nichts anfangen.
„Jetzt mussten wir das Bildmaterial mit Audio ersetzen. Man beschreibt, wie es aussieht, oder was die haben wollen und wir nutzen die Hände.“ Genau das ist so wichtig für Jordan Smith: „Weil wir einfach mit den Händen arbeiten müssen und alles gleichzeitig anfassen können. So kann ich genau dem folgen, was Martin meint.“

Nur etwa zwei Prozent der jährlichen Buch-Neuerscheinungen werden in blinden- und sehbehindertengerechte Formate umgewandelt. Änderung ist in Sicht.
Das Ergebnis kann sich fühlen lassen

Jordan Smith ist fast vollständig blind , trotzdem gestaltet er eine eigene Sandskulptur.
Die vier Workshop-Teilnehmenden haben unterschiedliche Sehschädigungen. Einige sehen ihre Umgebung stark verschwommen, andere können nur am Rand ihres Blickfeldes sehen, und Jordan ist fast vollständig blind. Eine Sandskulptur selbst zu gestalten, ist eine spannende Herausforderung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bis zur Mittagspause hat Jordan die grobe Form seiner Fisch-Skulptur herausgearbeitet. Einen Tag hat er noch Zeit für die Feinarbeiten.
Am letzten Tag der Ausstellung im November kommen die Teilnehmenden wieder, dann dürfen sie alle Skulpturen auf ihre Art anschauen und zwar mit den Fingern. „Dann können wir sehen, wie gut unsere Arbeit überlebt hat. Es ist auch toll zu sehen, was die anderen gemacht haben. Weil man ist so konzentriert darauf, was man selbst macht“, sagt Jordan Smith.

Auf Rügen wurde wieder viel „gecarvt“, also Sand geschnitzt. Die neue Sandskulpturenausstellung steht unter dem Thema „Weisheiten & Sprüche“.
Von jetzt an bis zum 1. November sind die vier Skulpturen der blinden und sehbehinderten Workshop-Teilnehmenden in der Sandskulpturen-Ausstellung in Travemünde zu sehen.

Bis zum 21. Juni läuft in der Kunsthalle die Schau der Südkoreaneerin Jeewi Lee „Where Fragments Linger by the Sea“ mit Skulpturen und Sandmalereien.

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