Bielefeld. Die Flaute der deutschen Bauwirtschaft hat auch im vergangenen Jahr angehalten und sich erneut negativ in den Büchern der Bielefelder Schüco-Gruppe ausgewirkt. Der Systemspezialist für Fenster, Türen und Fassaden verbuchte im wichtigen Heimatmarkt 2025 erneut einen Umsatzrückgang, die Erlöse schrumpften in Deutschland um 2,8 Prozent auf 728 Millionen Euro. Im Ausland aber liefen die Geschäfte besser, vor allem auf den Märkten außerhalb Europas, wo die Umsätze um 8,8 Prozent auf 371 Millionen Euro stiegen. „Hurra, wir sind global aufgestellt“, kommentierte Konzernchef Andreas Engelhardt die Entwicklung jetzt augenzwinkernd.

Auch in Europa (ohne Deutschland) wuchs das Geschäft insgesamt leicht um 0,7 Prozent auf 965 Millionen Euro. Konzernweit weist die Schüco International KG für 2025 ein Mini-Plus um 0,7 Prozent auf 2,06 Milliarden Euro aus. Bereinigt um Wechselkursschwankungen habe das Plus gar 2,3 Prozent erreicht: „Das ist eine gute Botschaft in diesen schwierigen Zeiten“, betonte Engelhardt und verwies darauf, dass die Hoffnungen auf ein Ende der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten und ein schnelles Ende der Zollkonflikte enttäuscht wurden.

„Wir brauchen Aufschwung“: Schüco-Chef ist besorgt

Mit dem Ergebnis unter dem Strich könne Schüco angesichts der Rahmenbedingungen ebenfalls zufrieden sein, sagt der Konzernchef, der als Persönlich haftender Gesellschafter auch die Meinerzhagener Otto Fuchs KG führt. Otto Fuchs ist als Autozulieferer und in der Luftfahrtbranche aktiv.

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Wohnungsbau-Tochter hat Erwartungen zuletzt übertroffen

Inzwischen sei Schüco als Bauzulieferer, der die komplette Prozesskette bis hin zu Wartung und Recycling bedienen will, weltweit in 90 Ländern präsent. Der größte Auftrag der Unternehmensgeschichte ist ausgerechnet jetzt geschrieben worden – und zwar in Indien. In der westindischen Küstenmetropole Mumbai werde ein großer Bürogebäudekomplex, dessen höchster Turm 305 Meter hoch werden soll, für etwa 57 Millionen Euro mit Fenster und Fassadenelementen von Schüco ausgestattet. Auftragnehmer sei die inzwischen zu 100 Prozent übernommene indische Schüco-Tochter Alufit Ltd. in Bangalore.

Aber auch in Deutschland habe es zuletzt positive Nachrichten gegeben: So sei der Wohnungsbau zwar weiterhin das größte Problemfeld der deutschen Baubranche, viele baureife und genehmigte Projekte würden wegen hoher Bau- und Finanzierungskosten hinausgeschoben. Aber die im Wohnungsbau aktive Schüco-Tochter habe in den vergangenen Monaten über den Erwartungen abgeschnitten, wie Engelhardt sagt: „Das ist ein kleines Licht am Ende des Tunnels.“

Mit vielen Fotos: Einblick in die Schüco-Zentrale

Es herrsche insgesamt „vorsichtiger Optimismus“, zumal die Politik die Probleme erkannt und inzwischen eine ganze Reihe sinnvoller Maßnahmen eingeleitet habe – auch wenn manches noch „zu lange dauert“. Als vielversprechendes Beispiel nennt Engelhardt die gerade beschlossene Änderung der Landesbauordnung und die Vereinfachung von Baugenehmigungsverfahren in NRW. Auch die Regel, dass ein Bauantrag als genehmigt gelten soll, falls er nicht innerhalb von drei Monaten abgelehnt wurde und der Bau-Turbo sorgen für Beschleunigung.

75-jähriges Bestehen wird mit Familienfest gefeiert

Die konzernweit 6.750 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Schüco – davon etwas mehr als 2.000 Beschäftigte in Bielefeld – werden sich über die positiven Nachrichten besonders freuen. Denn Ende November 2025 hatte Engelhardt in einer Betriebsversammlung darüber informiert, dass sein Unternehmen nach zwei Jahren mit rückläufigen Umsätzen ein Effizienzprogramm starten müsse. Dazu gehöre der Abbau von bis zu 280 Stellen bis Ende 2026. Bisher sei der Arbeitsplatzabbau noch nicht abgeschlossen. Positiv könne aber festgestellt werden, dass das sozialverträglich angelegte Programm auf großes Verständnis und Kooperationsbereitschaft bei den Arbeitnehmervertretern stoße. Mehr Effizienz sei unabdingbar, um längerfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, stellte Engelhardt jetzt noch einmal klar.

Bauflaute trifft Schüco: Bis zu 280 Stellen werden gestrichen

Eine gewisse Skepsis hatte angesichts der Stellenstreichungen in der Chefetage geherrscht, ob und wie das Unternehmen das Jubiläum der Schüco-Gründung vor 75 Jahren feiern sollte. Inzwischen ist klar: Im Oktober 2026 will das Unternehmen den Gründungstag mit einem Familienfest feiern.

Wohnungsbau stockt noch: Baukosten bremsen Neubau