Sorge im Oberallgäu nach Kotfund

So gefährlich sind Europas Braunbären

23.07.2026 – 17:10 UhrLesedauer: 4 Min.

Braunbär in der SlowakeiVergrößern des Bildes

In Europa gibt es zwischen 13.000 und 18.000 Braunbären. Ihr Zusammenleben mit dem Menschen bleibt nicht ohne Konflikte. (Quelle: Milan Kapusta/tasr/dpa/dpa-bilder)

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Ein Braunbär durchstreift möglicherweise den bayerischen Landkreis Oberallgäu. Derzeit läuft die Analyse einer Kotspur. Der Bär könnte aus dem italienischen Trentino stammen. Dort gab es 2023 einen tödlichen Angriff auf einen Menschen.

Im April 2023 kehrte Andrea Papi im italienischen Trentino nicht vom Joggen zurück. Wie sich herausstellte, war der 26-Jährige von der Braunbärin „JJ4“ angegriffen und tödlich verletzt worden. Es war der erste tödliche Braunbärenangriff auf einen Menschen dort seit 150 Jahren. Der Fall erschütterte Italien und löste eine Debatte aus, die bis heute anhält: Wie viele Bären verträgt eine dicht besiedelte Alpenregion?

Diese Frage scheint plötzlich auch näher an Deutschland zu rücken. Im Oberallgäu sind Kotspuren entdeckt worden, in der Jägersprache „Losungen“ genannt, die von einem Braunbären stammen könnten. Der zuständige Landkreis bestätigte t-online auf Anfrage: „Inhalt, Größe und Beschaffenheit der Losung lassen möglicherweise auf einen Bären schließen.“

Behörden äußern sich zu Braunbär-Verdacht im Oberallgäu

Zwar seien in der Umgebung keine weiteren eindeutigen Hinweise auf einen Bären gefunden worden. Aber, so der Landkreis weiter: „Bären können täglich weite Strecken zurücklegen, weshalb das Bayerische Landesamt für Umwelt keine nähere Eingrenzung der Örtlichkeit vornimmt.“ Wo exakt das Tier – welches auch immer – sich also erleichtert hat, behalten die zuständigen Behörden noch für sich.

Die genetische Auswertung der Proben kann mehrere Tage in Anspruch nehmen und wird am Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen durchgeführt. Dort werden auch regelmäßig Wolfsspuren analysiert. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte das Tier nach Einschätzung der Behörden aus Italien über Tirol nach Bayern gewandert sein.

Eine dauerhaft lebende Braunbärenpopulation gibt es hierzulande bislang nicht. Dennoch zeigt der Blick nach Europa, warum Behörden schon bei einzelnen Sichtungen aufmerksam werden – und wie anderswo aus einem erfolgreichen Artenschutzprojekt ein gesellschaftlicher Konflikt entstehen konnte.

Vom Vorzeigeprojekt zum politischen Streitthema

Ende der Neunziger schien die Zukunft des Braunbären in den Alpen besiegelt. Lediglich im Trentino lebten noch wenige Tiere. Mit Unterstützung der Europäischen Union startete die Provinz deshalb das Wiederansiedlungsprojekt „Life Ursus“. Man importierte Braunbären aus Slowenien, um zu verhindern, dass die Art völlig aus den Alpen verschwindet.

Aus Sicht des Artenschutzes entwickelte sich das Projekt zu einer absoluten Erfolgsgeschichte. Heute leben im Trentino gut 100 Braunbären, in ganz Italien sollen es etwa 150 sein. Gleichzeitig zeigt die Region aber auch die Kehrseite dieser Entwicklung.

Je mehr Braunbären im Trentino angesiedelt wurden und je wohler sie sich fühlten, desto häufiger kam es zu Begegnungen zwischen Menschen und Wildtieren. Dieselbe Erfahrung machten Rumänien und die Slowakei mit ihren Populationen. Die Raubtiere reißen Nutzvieh, plündern Bienenstöcke und tauchen regelmäßig in der Nähe von Siedlungen oder auf beliebten Wanderwegen auf. Die meisten Begegnungen verlaufen ohne Zwischenfälle. Aber eben nicht alle. In der Bevölkerung wächst die Sorge.