Die alten Gewissheiten der Nachkriegszeit sind im Westen vorbei. Während US-Präsident Donald Trump Amerikas Führungsrolle demontiert, nimmt der globale Einfluss des autokratischen China zu. Unsicherheiten schüren der Klimawandel oder die Kriege Russlands gegen die Ukraine und der USA gegen den Iran. Doch die Wahrnehmung über das Ausmaß der Veränderungen ist in den westlichen Ländern unterschiedlich. Wie sehr, zeigt jüngst eine Umfrage des Datenanalysedienstes YouGov. Sie basiert auf Online-Interviews in Deutschland, Frankreich, Polen, Großbritannien, Australien, Kanada und den USA. Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

Angst vor Klimawandel und Massenmigration

In nahezu allen befragten Ländern wird der Klimawandel als große, weltweite Bedrohung wahrgenommen. Die Deutschen fürchten an erster Stelle Massenmigration, dicht gefolgt vom Klimawandel und dem Szenario, von einem feindlichen Staat angegriffen zu werden. In den Punkten spiegeln sich große reale Ereignisse: die unübersehbaren Veränderungen in der Umwelt, die großen Fluchtbewegungen aus dem Nahen Osten Richtung Europa ab 2014 und die folgende Zuwanderungsdebatte sowie Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auch Briten, Kanadier und Franzosen nennen an erster Stelle den Klimawandel.

Wie sehr die Bedrohung durch militärische Aggression nicht nur in Deutschland die Sorgen der Bevölkerung bestimmt, zeigt das Beispiel Polen. Dort fürchtet man mit Abstand am meisten, von einem feindlichen Staat attackiert zu werden. Das ist kein Wunder, denn Polen teilt über die Enklave Kaliningrad eine Grenze mit dem Aggressor Russland. Dazu grenzt es an die Ukraine, wo Wladimir Putins Armee Krieg führt, sowie an Belarus, einen verbündeten Vasallenstaat Russlands.

Klimawandel wird überall als Bedrohung gesehen

Die drei häufigst genannten globalen Bedrohungen nach dem Land der Befragten

14.752 Teilnehmer, Befragungszeitraum: 17. bis 30. Juni 2026

Quelle: YouGov

Die US-Amerikaner wiederum fürchten mehr noch als den Klimawandel den politischen Extremismus. Darin zeigt sich die zunehmende Polarisierung der Politik in den Vereinigten Staaten, wo mit der Maga-Bewegung eine Art kulturelle Revolution von rechts die Gesellschaft spaltet.

© Lea Dohle

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Die Australier haben primär Angst vor religiösem Terrorismus, was auf eine wachsende Islamophobie in der Bevölkerung seit den Anschlägen von 9/11 im Jahr 2001 zurückzuführen ist. Entsprechend wird in Australien auch Massenmigration relativ stark als Bedrohung wahrgenommen. Nach einem Zensus von 2021 bekannten sich etwas mehr als 800.000 Menschen in Australien zum Islam, gerade mal 3,2 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Massenmigration wird einzig in den Flächenstaaten USA und Kanada weniger hoch als Gefahr gewertet. Das zeigt, dass die einwanderungsfeindliche Politik der Trump-Regierung weniger stark einen politischen Willen in der Bevölkerung wiedergibt, als der Präsident propagiert.

Russland und die USA als Bedrohung für den Weltfrieden

In Europa wird Russland durch seinen Krieg gegen die Ukraine und seine hybriden Anschläge auf die Infrastruktur des Kontinents als große Bedrohung für den Weltfrieden genannt, in Polen und Deutschland mit Abstand am stärksten. Die Australier und Kanadier sehen dagegen mehr die USA als starke Bedrohung für den Weltfrieden. Das liegt vor allem an der aggressiven wie wankelmütigen Rhetorik Donald Trumps, seinen beiden Irankriegen sowie der Tatsache, dass er aus dem zweiten Krieg in Nahost offenbar nur schwer einen Ausweg findet.

Die US-Amerikaner selbst sind in der Bewertung der Frage zwischen ihrem Land und Russland gespalten, sehen aber als größte Gefahr den Iran noch vor China.

Internationale Organisationen genießen hohes Ansehen

Die Regierung der Vereinigten Staaten unter Donald Trump wettert gegen internationale Organisationen wie die Nato oder die UN und zieht sich finanziell wie personell aus ihren Gremien zurück. Doch diese Regierungspolitik deckt sich nicht mit der öffentlichen Meinung in den befragten Staaten: Internationale Organisationen haben in allen befragten sieben Ländern einen guten Ruf, die Nato stößt auf Zustimmungswerte von 55 bis 70 Prozent, die Vereinten Nationen bis 61 Prozent; die der EU liegen selbst in den USA bei rund 50 Prozent. 

Einen umfassenden militärischen Angriff auf ihr Land in den nächsten zehn Jahren hält etwa ein Drittel der Befragten für wahrscheinlich. Entsprechend erkennt eine Mehrheit in jedem Land Bündnisse wie die Nato als wichtig für die eigene nationale Sicherheit an. In Deutschland sind gleichzeitig 70 Prozent der Befragten nicht zuversichtlich, dass die Bundeswehr in der Lage wäre, das Land gegen einen Angriff zu verteidigen.

Die Befragten in den europäischen Ländern neigen dazu, zu glauben, dass die USA ihnen zu Hilfe kommen würden. Nur in Deutschland geht eine Mehrheit nicht davon aus. Dafür setzen die Deutschen aber auf andere Natostaaten, was dem europäischen Trend entspricht. Gleichzeitig besteht in den befragten Ländern die Auffassung, dass das eigene Land den USA zu Hilfe kommen sollte, wenn es angegriffen wird.

In dem Zuspruch für internationale Organisationen und der Akzeptanz des Militärbündnisses Nato spiegeln sich die Unsicherheiten der Befragten wider. Diese speisen sich womöglich aus einer sich auflösenden regelbasierten Werteordnung und dem wachsenden geopolitischen Einfluss des autokratischen China. Die Beliebtheit der Nato in Europa wiederum hat direkt mit Russlands Krieg gegen die Ukraine und der daraus folgenden Bedrohung zu tun. Und es ist im Umkehrschluss möglicherweise gerade die Hetze der Trump-Regierung gegen internationale Organisationen, die diese in allen sieben Ländern beliebt machen.

Der Ruf der USA hat unter Trump gelitten

Keine US-Regierung zuvor hat sich derart gegen Freunde und Verbündete gerichtet wie die von Donald Trump. In Deutschland meinen heute knapp drei Viertel der Befragten, die USA seien für die Welt deswegen eine Kraft des Schlechten geworden. Das deckt sich weitgehend mit der Mehrheit in allen Ländern, einschließlich der USA selbst.

Die Mehrheit der befragten Deutschen sowie die Briten glauben, dass die Beziehungen zu den USA auch nach der Zeit unter Trump nicht mehr so sein werden wie früher. US-Amerikaner, Australier, Kanadier, Franzosen und Polen hoffen dagegen, dass sich die Beziehungen der USA zu anderen Ländern nach Trump wieder normalisieren werden.

Ambivalenter Blick auf China

Die Sicht auf das Verhältnis zum global aufsteigenden China ist in den befragten Staaten ambivalent: In Deutschland wird es ebenso freundschaftlich wie bedrohlich wahrgenommen. Ähnlich gespalten ist die Sicht der Franzosen. In den USA und Großbritannien dagegen wird China mehrheitlich als feindlich oder unfreundlich gesehen.

Polen, Australier und Kanadier wiederum tendieren dazu, China als ihrem Land gegenüber freundlich wahrzunehmen. Diese positive Sicht ist bemerkenswert, denn Chinas Führung pflegt gute Beziehungen zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin, dessen Land von der Mehrheit der Befragten in allen sieben Staaten als unfreundlich oder feindlich gegenüber dem eigenen gesehen wird. Vielleicht liegt der freundliche Blick auf China darin begründet, dass viele der Befragten in dem Land die globale Zukunft sehen: In allen Staaten außer den USA neigt man zu der Ansicht, dass China in 20 Jahren ein wirtschaftlich und technologisch führendes Land sein wird.

Die Daten der Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panels. Dafür wurden vom 17. bis 30. Juni 2026 2.079 Personen in Deutschland, 2.340 Personen im Vereinigten Königreich, 2.003 Personen in Australien, 2.057 Personen in Kanada, 2.109 Personen in Frankreich, 2.098 Personen in Polen und 2.039 Personen in den USA befragt. Die Erhebungen wurden politisch quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die jeweiligen Wohnbevölkerungen ab 18 Jahren.