Frau mit langen schwarzen Haaren in Jeans sitzt in einem Raum mit großer moderner Kunst

AUDIO: Kamenz feiert Künstlerin Angela Hampel (4 Min)

Zum 70. Geburtstag

Stand: 24.07.2026 16:36 Uhr

Angela Hampel zählt zu den bedeutendsten Malerinnen in Deutschland. In diesem Jahr feiert die Künstlerin ihren 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass widmet ihr die Stadt Kamenz eine Ausstellung, die ihr gesamtes Werk in den Blick nimmt. Die Schau zeigt ihren feministischen Blick – und ihre Auseinandersetzung mit Antike.

von Grit Krause, MDR Kulturdesk

Die Laokoon-Gruppe gehört zu den bedeutendsten Plastiken der Antike: Das Original kann man in den Vatikanischen Museen bewundern, doch es gibt zahlreiche Kopien, unter anderem im Lichthof des Kamenzer Rathauses. Wo sonst als in der Lessing-Stadt, möchte man sagen, denn der hier geborene Dichter hat sich eingehend damit in seiner Schrift zu Laokoon beschäftigt.

Für die neue Ausstellung hat sich Angela Hampel von dem trojanischen Priester inspirieren lassen. Zu den Hintergründen sagte sie: „Der Laokoon hat gewarnt vor dem Hereinholen dieses Pferdes und dafür ist er dann von den Göttern bestraft worden. Ihm wurden Schlangen auf den Hals gehetzt.“

An einer weißen Wand hängen fünf Bilder nebeneinander.

Die Laokoon-Gruppe nach Angela Hampel ist nun in der Ausstellung in Kamenz zu sehen.

Das ist meine Herangehensweise, dass ich in die Geschichte gucke: Wo kommen wir her?

Angela Hampel, Künstlerin

Fünf Blätter hat Angela Hampel gestaltet. Darauf wird der Todeskampf der Figuren mit den Schlangen durch die für Hampel charakteristische rote Farbe noch einmal intensiviert. Und es schließt sich in der Kamenzer Ausstellung ein Kreis zu den mythologischen Figuren, die die Künstlerin seit den 1980er-Jahren begleiten.

So würden unter anderem Penthesilea, Medusa, Kain und Abel darin auftauchen, so Hampel: „Es sind biblische Themen und auch viel Mythologisches. Denn das ist meine Herangehensweise: Ich schaue in die Geschichte. Wo kommen wir her?“

Hampels Austausch mit Christa Wolf

Kassandra war die erste der mächtigen Frauengestalten, die Angela Hampel künstlerisch inspirierten – ausgelöst durch Christa Wolfs gleichnamige Erzählung. Zwischen beiden gab es einen engen Austausch und nicht von ungefähr tragen die im Deutschen Taschenbuchverlag erschienenen Werke der Autorin Cover-Illustrationen der Malerin. In einer Vitrine sind sie in der Ausstellung jetzt aufgereiht, neben anderen von ihr gestaltenten Büchern.

In Angela Hampels Bildern werden Leidenschaften, Ängste, Sehnsüchte, Träume transportiert, die die Menschen vor 2.000 Jahren bewegt haben und heute noch bewegen.

Sylke Kaufmann, Leiterin Lessingmuseum Kamenz

Sylke Kaufmann ist Leiterin des Lessingmuseums und der Städtischen Sammlungen in Kamenz – und damit die Gastgeberin für die Ausstellung zum 70. Geburtstag von Angela Hampel. Sie beschreibt diese Figuren als solche, die für Angela Hampel einen überzeitlichen Wert haben: „Es werden Dinge transportiert, Leidenschaften, Ängste, Sehnsüchte, Träume, die die Menschen vor 2.000 Jahren bewegt haben.“

Diese Dinge hätten Menschen noch heute, so Kaufmann weiter, was die Bilder damit archaisch und zeitlos mache: „Das sieht man sehr schön in ihren Bildern, die dann aber auch einen weiblichen Blick hineinbringen.“

Hampel zeigt starke Frauenfiguren

Sehr schön zu sehen ist das zum Beispiel auch in ihrem Gemälde „Europa“: Ein Thema, das seit Jahrhunderten vor allem von Künstlern interpretiert wird. Bei Angela Hampel aber ist die phönizische Prinzessin rein gar nicht damit einverstanden, dass Zeus sie in Gestalt eines Stiers entführt und sie packt ihn widerstrebend bei den Hörnern.

Genauso sei das auch bei der „Salome“ von Hampel, die das Haupt von Johannes dem Täufer in einer flachen Schüssel präsentiert, erklärt Sylke Kaufmann: „Das Rot hat natürlich einen sehr blutigen Hintergrund, wenn man die biblische Geschichte kennt. Das ist so dieser Zug der femme fatale, die im Werk von Angela Hampel öfter vorkommt.“

Blick in eine Ausstellung: Eine rote Wand greift die Farbe eines Bildes auf, das im Querformat hängt.

Die Farbe rot zieht sich durch die gesamte Ausstellung.

Ausstellung zeigt expressive Gemälde neben Keramik

Die Ausstellung mit dem eher nüchternen Titel „Malerei und Grafik“ zeigt diesen feministischen Ansatz, das Verhältnis von Frauen und Männern untereinander und die Beziehung Mensch-Tier – versammelt in stark expressiven Werken.

Auch keramische Arbeiten von Angela Hampel sind zu sehen, sagt Sylke Kaufmann: „Ich finde interessant, dass man dasselbe Motiv in unterschiedlicher Technik in der Ausstellung sehen kann – einmal als keramische Arbeit in Schamotte und dann eben als Zeichnung.“ So sehe man beispielsweise die Medusa in zweifacher Ausführung. Unterschiedliche Techniken würden oft zu unterschiedlichen Umsetzungen führen, so Kaufmann weiter: „Das Material entfaltet ein Eigenleben im Ende.“

Sonderausstellung „Angela Hampel. Malerei und Grafik“
24. Juli – 4. Oktober 2026

Ort:
Malzhaus Kamenz
Zwingerstraße 6
01917 Kamenz
(Eingang über Museum der Westlausitz, Pulsnitzer Str. 16)

Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Sonntag
10 bis 18 Uhr

Eintritt:
5 Euro / ermäßigt 2,50 Euro

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Quelle: MDR KULTUR (Grit Krause)

Redaktionelle Bearbeitung: gw