Die Entscheidung, die originalen Stahlstrukturen freizulegen, erfolgte nicht nur aus ästhetischen Gründen. Guindalera war über Jahrzehnte ein von Industrie geprägtes Stadtviertel. Und diese Vergangenheit wird durch subtile Details neu aufgegriffen, etwa durch sichtbare Scharniere, maßgefertigte Metallelemente und bewusst offengelegte bauliche Strukturen. So entsteht ein zeitgemäßer und ungezwungener Industrial-Stil. Der Stahl ist kein rein gestalterisches Mittel, sondern Teil der Geschichte des Gebäudes.

Das von Südwesten einfallende Sonnenlicht lässt den Raum im Laufe des Tages durch die Reflexionen auf den Stahloberflächen immer wieder anders erscheinen.
@ Germán Saiz
Ein wesentliches Gestaltungselement des Projekts sind die original erhaltenen Stahlstützen des 1920 errichteten Gebäudes. Sie wurden stahlgrau gestrichen.
@ Germán SaizWeniger ist mehr
Für Ovando war es außerdem wichtig, die Materialpalette bewusst zu reduzieren. Häufig werden unterschiedliche Oberflächen eingesetzt, um einzelne Funktionen optisch voneinander abzugrenzen. Hier hingegen gestaltete die Architektin nahezu das gesamte Interieur im Zusammenspiel von Stahl und Birken-Sperrholz. Letzteres verleiht den Räumen die nötige Wärme, um einen Ausgleich zu den markanten Metallkonstruktionen zu schaffen. Auch der Großteil der Möbel und Einbauten wurde aus Holz gefertigt.
Aus dem Birken-Sperrholz entstanden beispielsweise die zum Wohnzimmer hin offene Küche, eigens entworfene Fensterläden – um die ursprünglichen Fensterläden, die diesen Gebäudetyp einst prägten, neu zu interpretieren –, das Bettkopfteil, verschiedene Bücherregale sowie weitere maßgefertigte Einbauten. Durch den konsequenten Einsatz eines einzigen Materials wurde der Bedarf an zusätzlichen Möbeln reduziert, und die Wohnung erhielt eine ruhige Atmosphäre. So wirken die 51 Quadratmeter deutlich großzügiger, als sie tatsächlich sind.