Der Deutschland-Achter im Rudern

Stand: 25.07.2026 • 15:41 Uhr

Der Deutschland-Achter hat wie erwartet die Finals auf dem Hannoveraner Maschsee vor den Sweepboys aus Hamburg gewonnen. Dennoch lohnt sich ein genauerer Blick auf die aktuelle Entwicklung der Crew.


Olaf Jansen

Frederik Breuer wusste womöglich in den letzten Tagen gar nicht so genau, wie ihm geschah. Eigentlich war der Cambridge-Student im Frühsommer zur Trainingsgruppe des Deutschland-Achters gereist, um sich im Zweier ohne Steuermann mit Partner Leonard Brahms langfristig in Richtung Olympische Spiele vorzubereiten.

Breuer – befördert in den Achter

Doch es kam anders. Die Besetzung des Achters performte in den letzten Wochen nicht so ganz wie gewünscht – daraufhin entschloss sich Bundestrainer Mark Emke, das deutsche Flaggschiff vor den Finals in Hannover umzubesetzen. Breuer rückte in die Mannschaft und wurde gleich mit der wichtigen Position des Schlagmanns betraut.

„Ich hab zwar schon Erfahrung auf dieser Position , aber im Deutschland-Achter war das für mich die Premiere und daher auch etwas aufregend“, sagte der 24-Jährige nach dem Finalrennen in Hannover am Samstag (25.07.2026) gegenüber der ARD-Sportschau. Breuers Fokus liegt nun ganz klar auf Olympia: „In zwei Jahren sind die Spiele in Los Angeles, darauf ist jetzt der ganze Fokus gerichtet“, sagt er. Es ist eine erstaunliche Entwicklung für einen Neuling, weniger verwunderlich allerdings, wenn man die jüngste sportliche Vergangenheit des Bonners betrachtet.

Schlagmann für die Cambridge-Crew

Denn der Student, der am Lucy Cavendish College gerade seine Masterarbeit im Fach Energy Technologys schreibt, war im April maßgeblich daran beteiligt, dass Cambridge das legendäre Boat Race „Oxford gegen Cambridge“ auf der Themse für sich entschied.

Breuer war auch hier – in dem vielleicht prestigeträchtigsten Rennen der Welt – für Cambridge als Schlagmann aufgestellt und führte seine Crew in der 171. Auflage des Events zum ersehnten Sieg auf der 6,8 Kilometer langen Strecke. Vorausgegangen war ein wochenlanger Kraftakt – zwei Trainingseinheiten pro Tag mussten irgendwie in die Studienzeit mit Vorlesungen und Masterarbeit eingearbeitet werden.

Der Ruderer Frederik Breuer

Breuer hat’s hinbekommen – seine Masterarbeit ist in der Spur, im August endet seine Studienzeit in England. Und sein Rudererfolg hat ihn nicht nur in Englands Ruderszene bekannt gemacht. Natürlich hat auch der deutsche Ruderverband die Leistungen mitbekommen und die Finger nach Breuer ausgestreckt.

Plötzlich im Deutschland-Achter

Seit dem jüngsten Trainingslager der Achter-Crew in Ratzeburg ist Breuer Schlagmann im Achter – und das Team reiste eine Woche vor den Europameisterschaften im italienischen Varese durchaus zuversichtlich nach Hannover, um sich auf der kurzen 350-Meter-Strecke den Sprintduells mit der Konkurrenz aus der Ruder-Bundesliga zu stellen.

„Freddy bringt viele Qualitäten mit ins Boot. Wir haben mit ihm einen exzellenten Schlagmann hinzugewonnen“, sagte Emke im Vorfeld über Breuer. Die zahlreichen gemeinsamen Kilometer in Ratzeburg hätten bereits Wirkung gezeigt, so Emke weiter: „Wir haben uns im Trainingslager verbessern können und eine gute Entwicklung genommen.“

Für den Achter geht es darum, den Abstand zur Weltspitze weiter zu verringern. Bei den Europameisterschaften in Varese könnte hinter den starken Briten und Niederländern Bronze erreichbar sein, bei der WM Ende August in Amsterdam dürften die Trauben allerdings ein Stück höher hängen, weil dort die superstarken Australier mitmischen werden.

Kurzstrecke als Herausforderung

Insgesamt kam der Leistungstest in Hannover für das Team vielleicht gerade recht. Tatsächlich ruderte sich die Achter-Crew auf der Kurzstrecke relativ souverän ins Finale der vier besten Boote, obwohl die 350 Meter natürlich nicht gerade der Kernkompetenz des Teams entsprechen. Achter-Rennen gehen bei offiziellen Wettbewerben über 2.000 Meter, sind geprägt von taktischen Finessen und am Ende gewinnt für gewöhnlich das Team mit der besten Renneinteilung und Ausdauer.

Bei den 350 Metern in Hannover waren hingegen einzig die Sprintfähigkeiten der Ruderer gefragt – im Finale lieferte sich der Deutschland-Achter ein spannendes Duell mit den starken Sweepboys aus Hamburg, dem B-Team des Deutschland-Achters und dem Germania-Achter aus Frankfurt. Nach starkem Beginn der sprint-erprobten Hamburger schob sich das A-Team des Deutschland-Achters um Schlagmann Breuer in der zweiten Rennhälfte an der Konkurrenz vorbei und durfte im Ziel die Fäuste des Triumphs in die Höhe strecken.