Das Format ist eine Veranstaltungsreihe, die dazu dienen soll, offene Treffpunkte für junge Menschen zu schaffen und gleichzeitig Kultur, Beteiligung und Freizeitangebote in die Innenstadt bringen.

„Grundsätzlich gibt es das Problem, dass junge Menschen in unserer Stadt mittlerweile eine Minderheit geworden sind “, sagt Jugendring-Geschäftsführer Moritz Faust. Bei „Agora Summer“ sind sie es aber, an die das Angebot geht: Ob ein Protestplakat basteln, am DJ-Pult mit dem JaNein-Kollektiv bei Scheidi Klum und Shamey Oliver Mixen lernen, tanzen oder einfach sagen, was Sache ist. Viele Punkte in der Stadt seien für ältere Bürgerinnen und Bürger gestaltet, führt Faust aus, oftmals hat er von jungen Leuten gehört, dass sie als störend, als zu laut, zu anders empfunden werden. Mehrere Plakate heute, wo junge Leute ihre Wünsche für Wuppertal formuliert haben, stellen Begegnungsorte in den Vordergrund. Auch Sam Khalifi hatte ein längeres Gespräch auf dem Platz darüber, dass allen auf einer menschlichen Ebene begegnet werden sollte, erzählt die Mitarbeiterin des Jugendrings. Jugendliche würden sich wünschen, dass keiner wegen der Herkunft oder des Aussehens ausgeschlossen wird, sondern dass man einfach solidarisch und tolerant miteinander ist. Oder um es mit den Worten auf einem der Plakate zu sagen: No Judgement, keine Verurteilung.

Mit seiner Veranstaltung zur Kommunalwahl im vergangenen Jahr ging der Jugendring gezielt in Jugendzentren und fragte, was auf der Seele brennt. Über den Wunsch nach günstigem Döner oder einem Apple-Store in Cronenberg lächelt man vielleicht zunächst, gibt Faust zu, aber wenn das Gespräch in die Tiefe geht, dann wünschen sich die Jugendlichen mehr Orte, an denen sie sich auch unter steigenden Konsumpreisen treffen und aufhalten können, etwa an einem öffentlichen Grillplatz, der nicht permanent ausgebucht wäre, oder Ähnlichem. Die Treffpunkte und Suche nach Zugehörigkeit würden sich zunehmend nach außen, in digitale Räume verlagern, wo die Jugendlichen sich selbst überlassen sind und Gefahr laufen, der rechtsextremen Stimmungsmache auf den Leim zu gehen. Mit den Mitgliedsverbänden will Moritz Faust dagegen sagen: Es gibt auch alternative Konzepte, wie man in dieser Welt zurechtkommt und gesehen wird.

Die Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände in Wuppertal, die zurzeit aus 25 Mitgliedsorganisationen besteht, vertritt die Interessen aller Kinder und Jugendlichen der Stadt. „Wir versuchen, junge Stimmen sichtbar zu machen, ihnen einen Platz in der Stadtgesellschaft zu geben“, sagt der Geschäftsführer. Der Verein, der seine Geschäftsstelle über dem Kulturzentrum „Loch“ hat, zählt zurzeit vier Mitarbeitende und dient als Vertretung und Sprachrohr für die rund 70 000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in den Mitgliedsorganisationen. Diese seien gelebte Orte der Demokratie, so Faust, ob Bildungs-, Kultur-, Sport- und Migrantenverbände, Pfadfinder oder Verbände, die sich politisch, queer, konfessionell und sozial engagieren.

Eine wichtige Ausrichtung ist die Gedenkarbeit: Der Jugendring organisiert seit 1983 eine öffentliche Gedenkfeier zum Jahrestag der Errichtung des KZ Kemna in einer ehemaligen Putzwollfabrik an der Beyenburger Straße – die Entstehung des Mahnmals ist auf seine Initiative zurückzuführen. „Wir sehen das als Auftrag, was dagegen zu tun, dass der Faschismus in diesem Land wieder erstarkt“, so Faust. Der 32-jährige Erziehungswissenschaftler hat seinen Master in Non-Profit-Management absolviert und nennt sich gerne berufsjugendlich, da er den Einsatz für Jugendliche zu seinem Beruf gemacht hat. Für ihn ist das ein selbstverständlicher Teil der Demokratie-Förderung: „Das ist die zukünftige Generation und sie braucht eine Stimme.“

Auch wenn die Stadt ein Jugendparlament hat, könnte es mehr Einfluss vertragen, findet Faust, der als stimmberechtigtes Mitglied mit zwei weiteren Mitstreitenden im Jugendhilfeausschuss den Jugendring vertritt. „Wenn man Jugendbeteiligung ernsthaft angehen möchte, dann müsste man es (das Jugendparlament) weiter stärken und ihm mehr Macht einräumen.“

Sechs weitere
Termine geplant

Mit „Agora Summer“ geht es zu sechs Terminen an verschiedenen Locations weiter. Für 2027 nimmt sich der Ring vor, einen niedrigschwelligen Ort der Demokratie zu schaffen und ein großes Fest auszurichten, bei dem es laut zugehen kann.