Gütersloh. Die öffentliche Empörung und der Appell von nahezu 3.000 Menschen haben es nicht verhindern können: Vikar Markus Henke wird versetzt. Der katholische Geistliche muss Gütersloh und sein ihm ans Herz gewachsene Spexard verlassen. Das Generalvikariat des Erzbistums Paderborn schickt den 57-Jährigen nach Wetter an der Ruhr, wo er eine Vikars-Stelle im Dekanat Hagen-Witten antritt.
Der finale Bescheid erreichte ihn vor rund drei Wochen. Demnach erfolgt seine Versetzung zum 1. September. Wenn Henke am Sonntag beim Schützenfest der St.Hubertus-Schützen auch als deren Präses den Gottesdienst zelebriert, werden ihn manche Spexarder womöglich bereits das letzte Mal sehen.
„Es ist alles nicht so einfach“, sagt Henke. Gütersloh zu verlassen, werde ihm schwerfallen. In den gut fünfzehn Jahren seien viele enge, auch freundschaftliche Verbindungen entstanden. „Da ist etwas gewachsen, was man durchaus als Wurzeln beschreiben kann.“ Die würden nun gekappt.
Trotz allen Frustes – Henke zeigt sich gegenüber der Kirche loyal
Schon vor anderthalb Jahren, als ihn das Generalvikariat damit konfrontierte, hatte Henke vernehmlich gemurrt. Um ihn herum brach sogar Protest los. Vereine, Gemeinde und Messdiener reagierten bestürzt, 2.935 Menschen unterschrieben online eine Petition, die an Paderborn gerichtet war und seinen Verbleib forderte. Henke, so hieß es darin, sei ein fester Bestandteil, eine Säule der Gemeinde.
„Er ist in dieser Zeit zu einem vertrauten Seelsorger, engagierten Begleiter und geschätzten Mitmenschen geworden. Sein Wirken hat das Leben vieler Menschen in unserer Gemeinde positiv geprägt – sei es durch seine einfühlsamen Gottesdienste, seine Präsenz in schwierigen Momenten oder seine offene und herzliche Art im Alltag (…) Wir sind überzeugt, dass eine Fortsetzung seiner Arbeit auch für das kirchliche Leben in der Region ein Gewinn ist. Eine Versetzung würde tiefe Enttäuschung und Traurigkeit bei vielen Gemeindemitgliedern hervorrufen.“
Die Unterstützung aus der Bürgerschaft habe ihn bewegt, sagt Henke. Zugleich macht er deutlich, dass er der Kirche loyal sei. Sich der Versetzung zu widersetzen, in welcher Weise auch immer, sei ihm nie in den Sinn gekommen. „Widerstand, Rückzug? Nein, das geht zu weit. Ich akzeptiere, dass mich das Bistum dort einsetzt, wo es das für nötig hält.“
Gesucht war ein Pfarrhaus mit separater Haushälterinnen-Wohnung
Paderborn hatte mit „pastoralen Erfordernissen“ argumentiert. „Wenn in einer anderen Gemeinde beziehungsweise einem anderen pastoralen Raum ein höherer Bedarf an seelsorgerischer Unterstützung besteht und die zu versetzende Person in das Bedarfsprofil passt, kann das ein starker Grund für eine Versetzung sein“, so ein Bistumssprecher. Die Möglichkeiten zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung sowie Alter und Erfahrung seien ebenfalls Faktoren.

Seit beinah zehn Jahren ein eingespieltes Team: Pfarrhaushälterin Adelheid Rustige begleitet den Vikar. Ihre Stelle, bislang 30 Stunden, stockt sie auf 38,5 uuf.
(© Ludger Osterkamp)
Für Neupriester und Vikare gebe es eine festgelegte Amtszeit von drei bis fünf Jahren, und „auch für Pastöre sind Versetzungen nach einigen Jahren üblich, um neue Impulse in pastorale Räume zu bringen“, so der Sprecher. Gesundheitliche und persönliche Umstände könnten ebenfalls einfließen. Die letzte Entscheidung treffe der Erzbischof nach Beratung in der Personalkonferenz.
Dass es mit der Versetzung dennoch so lange dauerte, liegt daran, dass Henke bei aller Loyalität nicht bereit war, in jeden x-beliebigen Ort zu gehen – eine Haltung, für die das Erzbistum Verständnis aufbrachte. Zudem erwies es sich als schwierig, ein Pfarrhaus zu finden, in das nicht nur Henke einziehen mag, sondern auch in separater Wohnung seine Pfarrhaushälterin. Für Adelheid Rustige stand von Anfang außer Frage, dass sie den Vikar bei einem Ortswechsel begleitet. Das schränkte das Suchgebiet ein.
Er habe sich anderthalb Jahre wie auf Abruf gefühlt, so Henke
Nun, im Pfarrhaus von St. Peter und Paul in Wetter, scheinen die Voraussetzungen gegeben. Henke und Rustige sahen es sich am Mittwoch (22. Juli) an. Viele nahmen an dem Ortstermin teil: der derzeitige Stelleninhaber Pfarrer Norbert Appel, der mit 70 Jahren nun in den Ruhestand geht, die Vertreter des Generalvikariates, des örtlichen Kirchenvorstandes, der Verwaltungsleitung und ein Architekt.
„Am Ende haben alle genickt“, sagt Henke. Die Atmosphäre sei freundlich und zugewandt gewesen. Das Pfarrhaus liegt direkt neben der Kirche, mit Blick auf die Ruhr. Die Adresse lautet Kirchberg 9-11. Positiv sei, dass die Zeit der Ungewissheit ende. „Anderthalb Jahre habe ich mich wie auf Abruf gefühlt.“ Adelheid Rustige sei es ebenso ergangen.
„Über uns schwebte immer das Damoklesschwert der Versetzung.“ Manche Aufgaben habe er deswegen gar nicht mehr angenommen, etwa Vorbereitungskurse für die Firmung oder die Erstkommunion. Dankenswerterweise seien Kollegen aus dem Pastoralteam eingesprungen. Künftig, in Wetter, werde er sich mit voller Kraft wieder der Seelsorge widmen. „Darauf freue ich mich.“
Vikar würde am liebesten verschwinden – „aber das geht ja nicht“
Henke habe seinen Dienst „mit viel Herzblut, großem Engagement und priesterlicher Nähe“ versehen, lobt Pfarrer Torsten Roland, oberster Katholik in Gütersloh. Viele Menschen hätten ihn als zugewandten und verlässlichen Seelsorger erlebt.
Henke selbst sieht seinem Abschied aus Gütersloh mit Unbehagen entgegen. Er sei kein Freund hochoffizieller, tränenreicher Veranstaltungen. „Am liebsten würde ich einfach verschwinden, aber das geht ja nicht.“ Dass sich Freunde und Kontakte von ihm verabschieden und ein Lebewohl wünschen wollen, verstehe er.
Bis es so weit ist, dürften freilich noch ein paar Tage vergehen. Nach dem Auszug von Pfarrer Appel in Wetter rücken dort zunächst Handwerker ins Pfarrhaus ein, ehe Henke und Rustige ihre Koffer packen. Die Kosten, auch für den Umzugsdienst, übernimmt Paderborn.