7er Rugby

Reportage

Stand: 23.07.2026 • 16:21 Uhr

Seit Donnerstagmorgen geht es bei den Finals 2026 in Hannover in 24 Sportarten um die Deutschen Meisterschaften. Die Erwartungen der Aktiven wurden dabei sogar noch übertroffen.

Es ist ein Werktag und es ist Vormittag – aber die Beachvolleyball-Arena auf dem Opernplatz ist gerappelt voll. Und die Stimmung auf den Rängen bei den deutschen Vereinsmeisterschaften ist bestens. „Das kann sich definitiv sehen lassen. Es ist ausverkauft. Das haben wir auf der World Tour so nicht, da ist zu der Zeit noch gähnende Leere auf den Tribünen“, sagt Clemens Wickler.

Der Silbermedaillengewinner von Paris betont: „Da braucht sich Hannover nicht zu verstecken.“ Der Centercourt sei „klein, aber fein“ – und in perfekter Lage. Eine „coole Location“ nennt der 31-Jährige das.

Beachvolleyball ist zum ersten Mal bei den Finals dabei – der 31-Jährige kann wegen einer Schulterverletzung zwar nicht selbst im Sand stehen, ist aber als Co-Kommentator von Ex-Spieler und Trainer Tim Noack für den Deutschen Volleyball-Verband doch mittendrin.

Seit einem Jahr den Finals entgegengefiebert

Am Donnerstag haben die Finals so richtig begonnen – schon um 8.45 Uhr mit den ersten Spielen im 7er-Rugby. Und auch die Plätze im Erika-Fisch-Stadion, das extra für die Veranstaltung mit zusätzlichen Tribünen aufgehübscht und vergrößert worden ist, waren schon gut besetzt. Sehr zur Freude der Spielerinnen und Spieler – besonders aus den Teams der Stadt, die extra lautstark unterstützt werden.

„Als ich heute morgen aufgewacht bin, habe ich gleich gedacht: ‚Jetzt geht es endlich los.‘ Ich fiebere im Prinzip schon seit einem Jahr den Finals entgegen“, sagt Katharina Epp vom SC Germania List aus Hannover. „Und es haben sich anscheinend echt viele extra freigenommen, um an einem Werktag so früh dabei sein zu können“, staunt ihre Mitspielerin Laura Dervari-Mau.

Schon am Donnerstagvormittag waren die Tribünen im Rugby-Stadion sehr gut besucht.

„Rugby-Stadt“ Hannover feiert den Sport

Wie die Frauen freut sich auch ihr Vereinskollege Moritz Clasen über die professionelle Aufmachung der Veranstaltung. Das Stadion sei nach dem Umbau kaum wiederzuerkennen. Bei der Stimmung gerät er ins Schwärmen: „Die war auch letztes Jahr in Dresden schon gut. Aber da waren die Fans eher Laufkundschaft von den anderen Sportarten. Man merkt, dass Hannover eine richtige Rugby-Stadt ist.“

Für mich ist das heute wie Weihnachten. Besser wird es nicht mehr.

Germania-Rugbyspieler Moritz Clasen

Dieses Erlebnis dann auch noch mit vielen Freunden und der Familie teilen zu können, sei überragend. „Für mich ist das heute wie Weihnachten. Besser wird es nicht mehr.“

Wickler: „Der Mehrwert für die Sportarten ist riesig“

Die Beachvolleyballerinnen und Beachvolleyballer sind die Aufmerksamkeit schon eher gewohnt. Aber Wickler schränkt ein: „Das ist auch für uns eine richtig coole Sache. Durch die Finals können wir auch noch mal ganz andere Zuschauer auf unseren Sport aufmerksam machen. Ich bin super glücklich, dass Beachvolleyball ein Teil von den Finals, von dieser Mini-Olympiade sein darf.“ Der Mehrwert für alle Sportarten, die bei den Finals dabei sind, sei „einfach riesig“.

Kanu und Rudern als Teil des Maschseefestes

Nicht nur beim Beach-Volleyball und Rugby ging es am Donnerstag schon rund. Auch beim Flag-Football, Turnen, Windsurfen, Coastal Rowing und Karate fanden bereits Wettkämpfe statt. Besondere Aufmerksamkeit bekamen die Kanuten. Ihre Regatta-Strecke, extra für die Finals auf 160 Meter verkürzt, führt direkt an der Promenade des Maschseefestes vorbei. Auch die Ruderer und Ruderinnen starten ab Freitag auf dem Maschsee. Dermaßen im Zentrum des Interesses zu stehen, ist besonders für die Para-Sportlerinnen und Sportler in den Booten ein besonders seltenes Gefühl.

Rudern ist eine Randsport, und Para-Rudern nicht noch mal mehr am Rand.

Para-Ruderin Kathrin Marchand

Das Fest war extra vorverlegt worden, laut Oberbürgermeister Belit Onay sollen beide Veranstaltungen voneinander profitieren. Und so forderte der Sprecher an der Kanustrecke die Besucher rechtzeitig vor den Starts auf, sich vom Essenstisch oder mit ihren Getränken zu erheben und zum Wasser zu kommen. Klatschpappen waren dabei explizit erlaubt.

Die Regattastrecke liegt direkt neben der Promenade des Maschseefestes.

Toba holt beim letzten Heimspiel Bronze

Für die Finals in seiner Heimatstadt hat Turner Andreas Toba, eigentlich bereits als Trainer aktiv, seine Karriere extra noch verlängert. Und weil er „eigentlich nur Spaß haben wollte“, freut er sich umso mehr, als er im Mehrkampf sensationell noch mal Bronze gewinnt. „Ich bin sprachlos und sehr dankbar, dass das hier zu Hause bei mir in Hannover funktioniert hat.“

Für keine andere Stadt hätte er sich noch mal zur Höchstform gepusht. Aber weil er nie zuvor einen großen Wettkampf in seiner Heimatstadt turnen konnte, „wollte ich mir das nicht nehmen lassen“.

Wickler: „Trotz Verletzung Teil des Events“

Beachvolleyballer Wickler hofft, schnell selbst wieder im Sand stehen zu können. Die Reha ist so gut wie abgeschlossen, die Olympia-Quali im November das große Ziel. Bis dahin heißt es, hart zu arbeiten, auch bei den Finals.

Als Co-Kommentator schlägt er sich gut. Oder doch nicht? „Gerade hatte er noch ein paar Artikulationsprobleme bei dem einen oder anderen Beachvolleyball-Fachbegriff. Aber ich nehme ihn da unter meine Fittiche“, antwortet Noack und grinst breit. „Nein, natürlich nur ein Scherz. Clemens ist nicht auf den Mund gefallen. Er kennt alles und jeden; und es macht Spaß mit ihm zu kommentieren.“

Wickler steht daneben und lacht: „Meine Komfortzone ist eher unten auf dem Sand und ich kann ein bisschen Wehmut nicht leugnen, dass ich bei den Finals nicht dabei bin. Aber es ist schon cool, trotz Verletzung Teil des Events sein zu können.“