Das Wandbild "Quadrat" von Herbert Bayer im Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar.

AUDIO: Salami-Packung beschädigt Bauhaus-Wandbild in Weimar (2 Min)

Teurer Klebeaktion

von Conny Mauroner, MDR THÜRINGEN

Stand: 26.07.2026 08:16 Uhr

Unbekannte haben an der Bauhaus-Universität Weimar eine Salami-Verpackung auf ein Wandbild von Herbert Bayer geklebt. Obwohl nur wenig Farbe fehlt, schätzen Fachleute den Schaden auf 14.000 Euro.

14.000 Euro Schaden durch eine Salami-Packung! Unbekannte haben ein Wandgemälde in den Fluren der Weimarer Bauhaus-Universität beschädigt. Mit Kleber hatten sie die Folie an das Bild mit dem Titel Sekretariat / Quadrat aus der Reihe „Kreis“, „Quadrat“ und „Dreieck“. geheftet. Es handelt sich um ein Werk des Kandinsky-Schülers Herbert Bayer.

Warum der kleine Schaden so teuer ist

Auf den ersten Blick ist der Schaden kaum zu sehen. Im Buchstaben „A“ des Wortes „Sekretariat“ fehlt etwas Farbe. Und doch ist es mehr als das. Um zu verstehen, warum der finanzielle Schaden so groß und der ideelle noch viel größer ist, fragt man am besten die Expertin.

Das Wandbild "Quadrat" von Herbert Bayer im Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar.

Kunst

Im historischen Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar ist ein Wandgemälde eines Schülers von Bauhaus-Lehrer Wassily Kandinsky beschädigt worden: Unbekannten brachten mit Sprühkleber eine Lebensmitteltüte an.

Schätze im Archiv der Moderne

Einer der Arbeitsplätze von Christiane Wolf ist im Keller. In den Räumen unter der Mensa im Park lagern die großen Schätze der Weimarer Bauhaus-Universität. Werke von Bauhaus-Künstlern und ihren Schülern: Skizzen, Zeichnungen, Mitschriften und Fotos.

Hier bewahrt Christiane Wolf, Kustodin und Leiterin des Archivs der Moderne im Universitätsarchiv, eine umfangreiche Sammlung auf, die nur wenige zu Gesicht bekommen. „Unser größter Schatz sind die Bauhaus-Alben – Fotodokumentationen, die Walter Gropius im Umfeld der Bauhaus-Ausstellung 1923 initiiert hat.“

Wandgemälde wie das beschädigte Bayer-Werk lassen sich nicht so einfach schützen. Sie können kaum in den Katakomben des Archivs untergebracht werden. „Zum Glück sind Vandalismusfälle sehr selten. Die meisten Menschen schätzen die Bauhaus-Kunst.“

Das nachgebildete Wandgemälde "Kreis" von Herbert Bayer im Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar.

Viele Wandgemälde der Bauhaus-Universität Weimar wurden 1930 übermalt oder abgeschlagen. Erst 1976 wurden die Bilder wieder freigelegt und aufwendig retuschiert.

Die wechselvolle Geschichte der Bauhaus-Wandbilder

Das war aber längst nicht immer so. Gerade die Wandgemälde in der Bauhaus-Universität haben eine dramatische Geschichte, wie Wolf erzählt. 1930 war auch für die Universität in Weimar ein Schicksalsjahr, die damals Hochschule für Baukunst und Bildende Künste hieß. „Der Rassenideologe Paul Schultze-Naumburg wurde Direktor und hat kurz nach seinem Amtsantritt die Anweisung gegeben, dass sämtliche Wandbilder und Fresken aus der Bauhaus-Zeit aus den Gebäuden entfernt werden sollten, weil sie nicht mehr der momentanen Kunstauffassung entsprachen.“

Das war das Ende der Bauhaus-Kunst im öffentlichen Raum. Bilder in den Fluren und Treppenhäusern der Hochschule wurden übermalt und Fresken abgeschlagen. Auch das Herbert-Bayer-Bild existierte nicht mehr. Viele Jahre hat die Kunst im Verborgenen gelegen. „Erst 1976, vor dem ersten geplanten Bauhaus-Kolloquium, hat man sich besonnen und die Bilder wieder freigelegt. Man hat sie aufwendig retuschiert“, so Wolf. Auch das Bild von Bayer bekam ein zweites Leben.

Wandgemälde Bauhaus Weimar

Weimar

Ein Wandbild von Kandinsky-Schüler Herbert Bayer an der Bauhaus-Universität Weimar ist beschädigt worden. Wir zeigen Bilder von der Erneuerung 1999.

Salami-Folie mit Kleber am Wandgemälde befestigt

Nun wurde es Opfer eines Anschlags. Kurz vor der Jahresendschau, der summaery, hat die Nachricht Kustodin Wolf erreicht. Zu diesem Zeitpunkt hatte eine Mitarbeiterin die aufgeklebte Folie schon vorsichtig entfernt. „Damit hat sie vielleicht Schlimmeres verhindert. So konnte der dick aufgetragene Kleber nicht tiefer ins Bild dringen.“

Wolf und ihr Team haben so schnell wie möglich die Klebereste entfernt. „Damit sie sich nicht verhärten und vielleicht im Inneren noch schlimmen Schaden anrichten.“

Wandgemälde Bauhaus Weimar

Duch das schnelle Entfernen der Folie habe eine Mitarbeiterin Schilmmeres verhindert, meint Christiane Wolf, Kustodin und Leiterin des Archivs der Moderne.

Polizei sichert DNA-Spuren

Die Universität hat Anzeige erstattet und die Polizei hat DNA-Spuren genommen. Den Schaden schätzen die Experten recht hoch ein, auch wenn der äußerliche Anschein ein anderer ist. „Wir haben es hier mit einem Bild zu tun, das in wesentlichen Teilen ein Original ist. Um das zu retuschieren, sind aufwendige Voruntersuchungen notwendig. Dann heißt es: Wie ist der Kleber eingedrungen? Wie setzt er sich chemisch zusammen? Und was das Bild betrifft, braucht es eine Archivrecherche. Wann wurde das Bild wie rekonstruiert? Das ist alles sehr aufwendig““ Und es ist auch teuer. „Das ist der Grund, warum der Schaden so hoch angesetzt wird.“

Entscheidung über die Restaurierung steht aus

Ob das Geld für die Sanierung ausgegeben wird, ist noch unklar. „Das wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Wir entscheiden das nicht allein.“ Da das Bild zum UNESCO-Welterbe gehört, hat sich auch das Amt eingeschaltet. Bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin will man abwägen und beraten. Noch ist das aber nicht geschehen. „Natürlich will ich aber, dass das Bild instandgesetzt wird.“

Wandgemälde Bauhaus Weimar

Mit Spenden könnte das beschädigte Wandgemälde restauriert werden.

Spenden könnten die Reparatur finanzieren

Am Ende steht die Frage der Finanzierung. Die Täter sind noch nicht gefasst und können nicht belangt werden. Allerdings könnten Spenden helfen. Ein Freundeskreis sammelt Geld für die Reparatur des Bildes. Auf diesem Weg hat die Uni schon einmal ein zerstörtes Kunstwerk geheilt. 2016 war das Opfer eine Skulptur namens „Eva“.

MDR (cma/mad)