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Avignon (Frankreich) – An ihrem großen Tag trägt Mireille Mathieu (80) weiß. Wie immer, wenn sie Geburtstag hat. Ein strahlendes Outfit von Chanel, dazu Chanel-Schuhe und eine Chanel-Tasche, wie immer. „Mit 50 habe ich beschlossen, an meinem Geburtstag immer weiß zu tragen“, sagt die Sängerin im exklusiven Gespräch mit BILD. Schon am Morgen des 22. Juli standen bei Mireille die Telefone kaum still. „Mein Handy, das meiner Schwester und das meines Managers. Eines klingelte immer.“ Sie lacht. Glückwünsche und Briefe von Fans, Politikern, Freunden und Kollegen erreichten sie aus aller Welt, aus China kam eine kunstvoll bemalte Vase.
An ihrem 80. Geburtstag ging es nicht um Weltruhm oder die großen Bühnen ihres Lebens. Sondern um das, was für Mireille Mathieu immer das Wichtigste geblieben ist: ihre Familie. Alle ihre 13 Geschwister kamen zusammen, um mit ihr im „Hotel d’Europe“ im Stadtzentrum zu feiern.

Mireille Mathieu zählt zum nationalen Kulturerbe Frankreichs – doch an ihrem Geburtstag genießt sie einfach als Schwester ihre Großfamilie
Foto: Wolfgang Wilde
Mireille Mathieu feiert runden Geburtstag
Auch mit 80 sieht der weltberühmte „Spatz von Avignon“ fantastisch aus. Vor allem aber strahlt Mireille Mathieu eine Lebensfreude aus, die jede Zahl vergessen lässt. „Natürlich bin ich 80. Aber persönlich fühle ich mich nicht wie 80“, sagt sie. „Vielleicht, weil ich mich jung fühle. Manchmal scheint man nicht das Alter zu haben, das man tatsächlich hat. Früher sagte man, eine Person mit 80 Jahren sei alt. Heute ist 80 auch jung. Für mich ist das jung.“ Ihren runden Geburtstag feierte Mireille Mathieu am 22. Juli in ihrer Geburtsstadt Avignon. Dort, wo ihr außergewöhnliches Leben begann. Sie wurde 1946 als ältestes von 14 Kindern geboren. Ihr Vater Roger (†64) arbeitete als Steinmetz, die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen. Mireille erlebte, wie ihre 13 jüngeren Geschwister geboren wurden und aufwuchsen.

6. Juli 1967: Die damals 21-jährige Mireille Mathieu genießt in Bandol einen seltenen Familienmoment mit ihren Eltern Marcelle-Sophie und Roger und ihrem jüngsten Bruder Vincent. Das Baby, das als 14. Kind der Familie geboren wurde, hatte die aufstrebende Sängerin zuvor noch nie gesehen
Foto: Gamma-Keystone/Getty Images
„Alle 14 Geschwister an einem Ort gelingt nur selten“
Aus dem Mädchen aus Avignon wurde einer der größten französischen Musikstars. Seit sechs Jahrzehnten steht Mireille Mathieu auf der Bühne, nahm mehr als 1200 Lieder in zahlreichen Sprachen auf und gab (und gibt) Tausende Konzerte auf der ganzen Welt – doch ihren Ehrentag feiert sie mit ihren Geschwistern, in ihrer Heimat. „Eine echte Seltenheit. Zuletzt waren wir alle im Jahr 2019 vereint. Zwar besuchen mich meine Brüder und Schwestern immer wieder. Sie begleiten mich auch zu Konzerten in verschiedenen Ländern, oder wir treffen uns einzeln und in kleineren Gruppen. Alle vierzehn Geschwister gemeinsam an einem Ort gelingt nur selten“, sagt Mireille. Sie strahlt. „Das ist eine große Freude für mich.“

Show-Chefin Tanja May (r.) mit Mireille Mathieu an deren Ehrentag in Avignon
Foto: Wolfgang Wilde
Auch auf Tournee telefoniert Mireille mit ihrer Familie
Ihre Mutter Marcelle-Sophie (†94) hatte großen Wert darauf gelegt, dass ihre Kinder zusammenhalten, sich verstehen und füreinander da sind. Dieses Vermächtnis lebt bis heute weiter. „Wir halten als Geschwister engen Kontakt, telefonieren miteinander und helfen dort, wo Unterstützung gebraucht wird.“ Alle Geschwister hatten und haben ihren eigenen Beruf, Mireille hat ihnen lediglich am Anfang finanziell geholfen. Auch auf ihren Reisen verliert Mireille ihre Familie nicht aus den Augen. Wenn sie auf Tournee ist, ruft sie jedes ihrer Geschwister täglich an. So auch ihren an Parkinson erkrankten Bruder Roger (72). „Roger bekam nach dem Tod unserer Mutter einen Schock, wir vermuten, dass dadurch die Krankheit ausgelöst wurde.“ Und auch bei ihrem Bruder Vincent (59) klingelt dann das Telefon.

Heute arbeitet Mathieus Bruder Vincent (59) als Konditor und lebt rund 60 Kilometer entfernt in den Alpilles. Weil er sehr viel arbeitet, sieht Mireille ihn seltener als einige ihrer anderen Geschwister
Foto: Wolfgang Wilde
„Ich liebe Aprikosenkuchen“
Vincent ist 21 Jahre jünger als Mireille. Seine Geburt erlebte sie nicht mehr zu Hause, weil ihre Karriere bereits begonnen hatte und sie in Paris lebte. „Die anderen Kinder habe ich als Babys gesehen. Vincent jedoch lernte ich erst später richtig kennen“, erinnert sie sich. Vincent arbeitet als Konditor und hatte eigens einen Kuchen für seine älteste Schwester liefern lassen. „Ich weiß, dass mein Bruder sehr viel arbeitet. Er hat sich überlegt, wie er das macht, und ist von weit her gekommen, um mir etwas zu bringen“, sagt sie zu BILD. „Umso mehr berührt mich seine Überraschung zu meinem Geburtstag.“ Was sie sich als Geburtstagskuchen wünschen würde, weiß Mireille durchaus: „Ich liebe Aprikosenkuchen und Pavlova. Ich mag Apfelkuchen, Aprikosen und Saint-Honoré.“ Dann lacht sie und fügt hinzu: „Aber ich esse nicht viel. Ich achte auf meine Figur.“

Mireilles Geschwister (v.l.): Béatrice Mathieu (62, Hausfrau), Mireille Mathieu, Marie-France Gregoire-Mathieu (76, Hausfrau), Christiane Mathieu (78, Krankenschwester), Monique Mathieu (79, Mireilles Managerin), Roger Mathieu (72, Landschaftsgärtner), Sophie Mathieu (67, Designerin), Philippe Mathieu (64, Krankenpfleger)
Foto: Wolfgang Wilde
Das Elternhaus ist bis heute ein Mittelpunkt der Familie
Auch mit ihrem gehörlosen Bruder Guy (71), der allein lebt, und mit ihrer Schwester Béatrice (62) ist sie ständig in Kontakt. „Béatrice hatte sich in Avignon um unsere Mutter gekümmert und sorgt heute unter anderem für die Brüder und das Familienhaus.“ Mireille, ihre Schwester Monique (79) und weitere Familienmitglieder unterstützen Béatrice dabei. Das frühere Elternhaus in Avignon ist bis heute ein Mittelpunkt der Familie. Mireille, die ihren Eltern durch ihren Erfolg einst ein Haus schenken konnte, kümmert sich darum, dass es erhalten bleibt. „Ich organisiere notwendige Arbeiten, lasse die Bäume schneiden und trage dafür Sorge, dass das Zuhause unserer Eltern auch nach deren Tod ein Zuhause für unsere Familie bleibt.“

Der „Spatz von Avignon“ denkt noch lange nicht ans Aufhören: Mit 79 Jahren begeisterte Mathieu 2025 ihr Publikum in Hamburg und zeigte, warum sie seit mehr als sechs Jahrzehnten zu den größten Chanson-Stars Europas zählt. Backstage traf sie fünf ihrer Geschwister
Foto: Wolfgang Wilde
Schon als Mädchen hatte Mireille Verantwortung
Ihr Erfolg habe das Verhältnis zu den Geschwistern nie verändert, sagt Mireille. „Für meine Brüder und Schwestern bin ich nicht die Sängerin, die auf der ganzen Welt gefeiert wird. Ich bin Mireille, ihre große Schwester.“ Haben sie einen Spitznamen für Sie? „Nein. Meine engen Freunde nennen mich Mimi. Meine Geschwister sagen Mireille.“ Schon als Mädchen hatte Mireille Verantwortung übernommen. Dabei ist ihr wichtig zu betonen, dass sie diese Last nicht allein trug. „Wir waren die drei großen Schwestern: Monique, Christiane und ich“, erzählt sie. „Wenn wir Mama geholfen haben, sagte man immer: die drei Großen. Gemeinsam halfen wir beim Abwasch, holten Wäsche, schälten Kartoffeln und Gemüse, putzten und fegten. Wir haben alles gemacht, und wir waren natürlich auch die Babysitter für die Kleinen“, sagt Mireille. „Aber nicht ich allein, sondern immer wir drei.“

Die anderen fünf Geschwister der Sängerin: Jean-Pierre Mathieu (69, Beamter), Régis Mathieu (73, Beamter), Guy Mathieu (73, Beamter und Zwillingsbruder von Régis), Rejane Mardoyan-Mathieu (75, Floristin), Rémy Mathieu (70, Sportprofessor)
Foto: Wolfgang Wilde
„Ein Lächeln kann ein Geschenk sein“
Das musikalische Talent der Familie habe übrigens keines ihrer Geschwister in derselben Weise geerbt, erzählt Mireille. „Meine Brüder haben dafür ein besonderes Talent zum Zeichnen und Malen. Darin erkenne ich unseren Vater wieder. Er arbeitete als Steinmetz und schrieb Namen und Inschriften kunstvoll mit goldener Farbe auf die Steine. Ich denke, meine Brüder haben das Talent meines Vaters“, sagt Mireille. Als sie kürzlich die Steinmetzarbeiten an der Kathedrale Notre-Dame in Paris betrachtete, habe sie sofort an ihren Vater denken müssen. Auch bei den Geburtstagsgeschenken zeigt sich, wie bodenständig Mireille Mathieu geblieben ist. „Es ist ganz egal, welches Budget jemand hat“, sagt sie. „Ein Lächeln kann ein Geschenk sein. Ein Kuss kann ein Geschenk sein.“ Am Abend zeigt sie BILD das Geschenk ihrer Geschwister, ein wunderschönes Armband. „Meine Schwester Béatrice hatte alle Familienmitglieder zusammengebracht, damit sie eine gemeinsame Karte unterschreiben konnten. Verziert war sie mit Glücksklee und einem Marienkäfer. Über die Karte freue ich mich am meisten.“

1967: Marcelle-Sophie Poirier (1921–2016) und Roger Mathieu (1920–1985) mit ihren 14 Kindern Philippe, Christiane, Matite, Marie-France, Réjane, Régis, Béatrice, Mireille mit Vincent, Guy, Roger, Rémy, Jean-Pierre und Sophíe (v. l.)
Foto: ullstein bild

Ein seltenes Gruppenfoto mit allen Geschwistern – in der Mitte die berühmte Schwester Mireille
Foto: Wolfgang Wilde
Die Geschwister halten zusammen
Natürlich wurde an diesem Abend auch gesungen. Aber keines der Lieder, mit denen Mireille Mathieu auf den Bühnen der Welt berühmt wurde. „Unsere Familie hat ein eigenes Geburtstagslied. Eine Melodie, die unsere Mutter uns Kindern vorsang.“ Mireille stimmte sie im BILD-Gespräch sofort an. Am Abend, während des Essens, sangen alle Geschwister das Lied gemeinsam. Ihre Mutter konnte bei diesem besonderen Fest nicht mehr unter ihnen sein. Doch in dieser alten Melodie und in der Selbstverständlichkeit, mit der ihre 14 Kinder noch heute füreinander sorgen, lebte ihr wichtigster Wunsch weiter: dass die Geschwister zusammenhalten und einander niemals verlieren.

Mireille Mathieu und ihre Mutter Marcelle-Sophie († 94) im Dezember 2008: Die Mutter von 14 Kindern war nicht nur ihr größter Fan, sondern begleitete die Sängerin jahrzehntelang zu Konzerten in aller Welt
Foto: Gamma-Rapho/Getty Images
Mireille Mathieu hat 28 Nichten und Neffen
„In Frankreich sagt man zu einem Menschen an seinem 80. Geburtstag gern, er sei nun viermal zwanzig“, erzählt Mireille. „So sagten wir es auch unserer Mutter, als diese 80 wurde.“ Sie strahlt. „Ich bin 80“, sagt sie. „Und ich bin dankbar dafür: Es gibt Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, 80 Jahre alt zu werden. Deshalb ist es wichtig, Gott zu danken.“ Ein bestimmtes Alter, das sie unbedingt erreichen möchte, hat sie nicht. Wie viele Jahre noch vor ihr liegen, will Mireille Mathieu nicht selbst bestimmen. „Das entscheidet Gott.“ Bis dahin genießt sie jede Minute ihres Lebens. „Voller Neugier, Lebensfreude und Dankbarkeit.“ Als BILD fragt, wie viele Nichten und Neffen sie hat, stockt Mireille kurz. Dann schmunzelt sie: „Es sind 28!“