Seit Juli letzten Jahres wird das ehemalige Sportbad am Plärrer neu belebt: Dem Verein Resonanz Augsburg hat die Stadt das brachliegende Gelände für die Zwischennutzung als Kulturort zur Verfügung gestellt – mindestens bis Oktober dieses Jahres. Wie im Vorjahr wird es Ende September eine Pool Party geben. Dann wird das Becken des ehemaligen Sportbades mit Tanzbegeisterten gefüllt sein wird. Dass die besondere Location daneben am Samstag für einen Tag der offenen Tür genutzt wurde, war indes kein Zufall: Exakt vor 200 Jahren wurde der später als Sportbad bekannte Betrieb als Militärschwimmbad gebaut. Seit 1934 kennt man das Bad unter dem Namen, der heute noch vielen Augsburgern vertraut ist – als Sportbad am Plärrer.
Freibad in Augsburg: Vor 200 Jahren wurde das Sportbad gebaut
Wegen der Erinnerungen an die eigenen Erlebnisse dort ist Ingeborg Fischer am Tag der offenen Tür vor Ort. Sie ist seit 1960 Mitglied des Schwimmerbundes Delphin 03 Augsburg. „Meine Tochter hat auch hier schwimmen gelernt“, erzählt Fischer. Franz Opitz´ Vater gründete den Verein für Kriegsversehrte, die dort Wasserball spielten und geschwommen sind. Christine Praxenthaler erinnert sich, dass der Pool beim wöchentlichen schulischen Schwimmunterricht „eiskalt“ war, doch sagt sie auch: „Mein Herz hängt an unserem alten Sportbad, wir waren traurig, als es 2008 geschlossen wurde.“
Zum ersten Mal sind Lissi und Erwin sowie die Kinder Patrick und Elyas hier. „Ich habe schon viel von dieser Location gehört“, sagt Lissi. Heute sind sie wegen der Kinder da. Im Rahmen des Kinderprogramms gibt es unter anderem eine Hüpfburg und Kinderschminken. Die vier sind zwar zum ersten Mal auf dem historischen Gelände, aber oft direkt nebenan – im Familienbad am Plärrer.
Seit 150 Jahren dürfen Frauen an der Schwimmschulstraße ins Wasser
Die Wurzeln des Familienbades feiern ebenfalls ein Jubiläum: Vor 150 Jahren fand an der Schwimmschulstraße eine Emanzipation im Wasser statt – das Frauenschwimmen. Die Ausstellung über die Geschichte dieses und der umliegenden Bäder an der Schwimmschulstraße können Interessierte direkt im leeren, ehemaligen Schwimmbecken des Sportbades besuchen. Die Historie des Ortes wird in Texten und anhand von Fotos und Plänen begreifbar.
Daneben gibt es auch verschiedene Vorträge zur Geschichte des Ortes. So spricht Dr. Carolin Ruther über die Augsburger Volkshygienebewegung im 19. Jahrhundert. Tabea Federlin und Nico Pohls vom Verein Resonanz Augsburg berichten über die Geschichte der Bäder an der Schwimmschulstraße und der Vorsitzende Lasse Lenke resümiert über die Zwischennutzung des urbanen Leerstandes als Kulturort.
Der Augsburger Resonanz Verein ist zuletzt stark gewachsen
Zur Gründung bestand der Verein aus 12 bis 15 Kulturschaffenden, erinnert sich Tabea Federlin, die hauptberuflich als Kunsthistorikerin am Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg tätig ist. Mittlerweile sind zwischen 70 und 80 Mitglieder aktiv. „Wir sind toll aufgestellt – was man an einem Tag wie heute sieht“, findet Gründungsmitglied Moritz Kronthaler, der als Schreiner arbeitet.
Was die Zukunft bringt, steht noch nicht fest. Es gibt Pläne, das Gelände abzureißen und erneut ein Schwimmbad zu bauen. Demnach soll das seit Jahrzehnten stillgelegte Sportbad an der Schwimmschulstraße am Plärrer abgerissen und zügig neu gebaut werden mit einer Option, es in den 2030er Jahren mit einer Einhausung oder einer temporären Traglufthalle wintertauglich zu machen. Der Verein Resonanz Augsburg würde sich zwar über eine weitere Nutzung als Kulturort freuen, ist aber offen für die neue Idee: „Ein weiteres Schwimmbad in Augsburg wäre sinnvoll“, findet Moritz Kronthaler. „Wir machen auf jeden Fall als Verein weiter, es war von Beginn an klar, dass der Ort hier nur für eine Zwischennutzung angedacht war“, erklärt Tabea Federlin.