Der Karneval der Vielfalt, als Programmpunkt des Ubuntu-Festivals, zeigte am Samstagmittag auf die schönste Art und Weise, wie man aus dem „Ich“ ein „Wir“ macht. Mehr als 200 Menschen brachen mit dem Zug am Laurentiusplatz auf und knapp 300 kamen an dem Festivalgelände vor dem Pina Bausch Zentrum under construction an.

Zeigen, dass Wuppertal
einfach mehr ist

Schon länger vor dem offiziellen Start des Zuges um 12 Uhr war der Laurentiusplatz in Musik und Tanz eingehüllt. Zahlreiche Transparente ließen das Thema der Zusammenkunft erkennen: „Vielfalt macht glücklich“, „Bunt ist schön“, „Diskriminierung hat keinen Platz“ oder auch „Unterschiede machen uns einzigartig“. Während sich die Musik von einem Balkon herunter auf die Leute ergoss, wurde auf dem Laurentiusplatz getanzt und mehr. Die ASV HunterZ, die Cheerleading-Abteilung des ASV Wuppertal, präsentierte ihr akrobatisches Können und auch die Tanzgarde der Ka. Ge. Ehrengarde stand alles andere als still. Um die Menschen für den Zug in die richtige Stimmung zu bringen, performte Horst Jesué Wegener vom Balkon hinunter, um nach drei Stücken den Aufbruch des Umzugs einzuleiten. Von Trommlern angeführt machten sich über 200 Menschen in rhythmischen Schritten auf den Weg. Die Gemeinschaft zog in Richtung Kasino-Kreisel und von dort über die Herzogstraße in die Innenstadt, während die Polizei den Verkehr auf der Strecke sicherte. Schon zu Beginn der Herzogstraße schlossen Passanten, ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad, sich dem Zug spontan an. Es ging weiter in Richtung Wall und auf dem Weg sammelten sich Gruppen von Interessierten, die die großen Kaufhäuser verlassen hatten, um zu sehen, was da vor sich geht. Sie filmten das fröhliche Treiben und schenkten den Teilnehmern des Zuges ein breites Lächeln.

Der Umzug kam auch
bei den Passanten gut an

„Wie schön“, war häufig als Bekundung zu hören, aber auch die Frage: „Wogegen demonstrieren die?“ Doch es war keine Demonstration und auch kein Protestzug. Es war der Aufruf zusammenzukommen, sich als Gemeinschaft zu zeigen, Grenzen abzubauen und die Freude am Leben zu teilen. Nach dem Wall ging es am Elberfelder Rathaus vorbei und zum Hofkamp. Hinter der Fußgängerzone befanden sich schon knapp 300 Menschen in dem Zug, die sich nicht nur friedlich, sondern mit sichtlichem Spaß in Richtung des ehemaligen Schauspielhauses bewegten.

Dort befanden sich schon zahlreiche ehrenamtliche Helfer bei den Vorbereitungen. Unter ihnen auch Kyebo Kafuta, der den Karneval der Vielfalt federführend für das „Colour Collective Wuppertal“ organisiert hat. Er zeigte sich hocherfreut über den allgemeinen Zuspruch, denn es wurde mit weniger Leuten gerechnet. „Sogar die Polizei sagt, dass es eine ihrer besten Veranstaltungen ist“, so Kafuta über die Eskorte. Überall werde das rein Positive ausgestrahlt und genau so sollte es auch sein: „Ziel war es, über den Karneval zu zeigen, dass Wuppertal einfach mehr ist.“

Zugleich war er voll des Dankes für die vielseitige Unterstützung. Sei es von Horst Jesué Wegener, der die Leute „auf Temperatur“ brachte, Parisa Gilbert-Sadafi, Gleichstellungsbeauftragte der SPD Wuppertal, die viele Kontakte herstellte, oder auch Wilfried Michaelis, Präsident vom „Carneval Comitee Wuppertal“, der sich mit seinem Verein stark einbrachte.

Michaelis freute sich sehr über die Gelegenheit, an diesem Karneval mitwirken zu können: „Die Teilnahme bedeutet uns viel, weil wir uns gerne anderen öffnen und Gruppen kennenlernen möchten“, so der Präsident. Sollte der klassische Karnevalszug in Wuppertal wiederbelebt werden, könnte das Kollektiv ja auch dabei mitwirken, was für ihn ein beidseitiger Nutzen wäre.

Mit Jubel wurde der Karneval der Vielfalt dann auf dem Festivalgelände empfangen, wo kurz darauf das Open-Air-Treiben eröffnet wurde.