Die Sonne brannte über dem Parkstadion in Kaufbeuren, das Thermometer zeigte über 30 Grad im Schatten, als die Geduld von Manuel Baum Mitte der zweiten Halbzeit einmal riss. Der Trainer des FC Augsburg stand nah an der Seitenlinie und schrie über den Platz: „Bewegt euch mehr, wir brauchen mehr Bewegung im Spielaufbau!“ Es war ein Weckruf, der auch für die rund 2100 Zuschauer gut hörbar war. Die Beine seiner Profis waren schwer.
Der FCA, der sich mitten in der kräftezehrenden Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison befindet, hatte gegen den bissigen, gut organisierten Drittligisten 1. FC Saarbrücken viel Mühe. Am Ende dieses schweißtreibenden Nachmittags stand ein mühsames 1:1-Unentschieden auf der Anzeigetafel. Die Schwaben sind nach zwei harten Trainingswochen noch auf der Suche nach ihrer Form.
Manuel Baum mit differenziertem Fazit
Sportlich zog Baum so auch ein differenziertes Fazit: „Es war ein Top-Test, trotzdem hätte ich mir einen Sieg gewünscht.“ Dass dieser ausblieb, lag einerseits an einem mutig aufspielenden Kontrahenten aus der 3. Liga. Die Saarbrücker waren in der 44. Minute durch einen Weitschuss von Kapitän Florian Pick in Führung gegangen. Sie sind in der Vorbereitung schon weiter und starten am 9. August in die Punktspielsaison.
Andererseits war es die logische Konsequenz der aktuellen Belastungssteuerung. „Wir haben eine schöne intensive Trainingswoche hinter uns. Das hat man auch im Spiel gemerkt“, analysierte der FCA-Coach treffend. „Wir hatten ein paar gute Situationen, in anderen hat man aber auch gesehen, dass wir müde waren.“ Es fehlte die letzte Spritzigkeit vor dem gegnerischen Tor. Deshalb dauerte es bis zur 85. Minute, ehe Mert Kömür mit einer direkt verwandelten Ecke den 1:1-Endstand erzielte.
FCA vergibt in der ersten Halbzeit zwei große Torchancen
Der Erstligist diktierte das Tempo, wusste das spielerische Übergewicht aber nicht in Zählbares umzumünzen. „Wir hatten für die Gegnerqualität viel Ballbesitz, wir sind immer mal wieder ins Angriffsdrittel reingekommen, wir haben in der ersten Hälfte einfach unsere Tore nicht gemacht“, monierte Baum. Rodrigo Ribeiro (18.) und Tim Schnitzer (23.) vergaben jeweils knapp. Im zweiten Durchgang wechselte Baum komplett durch. Die zweite Elf hatte noch mehr Probleme mit dem Offensivspiel. Der Trainer machte dies an einem taktischen Defizit fest: „In der zweiten Hälfte ist es uns weniger gut gelungen, dass wir in die Torspur reingekommen sind.“
Mit der „Torspur“ bezeichnet Baum jenen sensiblen Raum im Sechzehner, der sich von Pfosten zu Pfosten bis zur Strafraumgrenze erstreckt. „In diesen torgefährlichen Raum wollen wir die meisten Spieler reinbekommen“, erklärte er seine Vorgaben. Dorthin schafften es seine Schützlinge an diesem Tag zu selten. Deshalb war er auch laut geworden.
Crystal Palace gibt Angebot über 25 Millionen Euro ab
Personell gibt es beim FC Augsburg in diesen Tagen vor allem zwei Baustellen. Die Verhandlungen um die Transfers der wechselwilligen Chrislain Matsima und Dimitrios Giannoulis. Bei Matsima scheint jetzt richtig Bewegung in den Transferpoker zu kommen. Crystal Palace hat am Samstagabend dem FCA ein erstes belastbares Angebot über rund 25 Millionen Euro vorgelegt. Sky berichtete zuerst, Informationen unserer Redaktion bestätigen dies. Der FCA lässt Crystal aber noch zappeln. Matsima persönlich soll sich mit Palace, das im Londoner Stadtteil South Norwood beheimatet ist, hingen schon einig sein. Sein Gehalt soll sich gegenüber Augsburg verdreifachen und bei fünf bis sechs Millionen Euro liegen.
In einer Sackgasse scheinen hingegen die Verhandlungen mit den Giannoulis-Interessenten PAOK Saloniki und Olympiakos Piräus zu stecken. Giannoulis würde gerne zu Saloniki zurückkehren, doch gestalten sich die Verhandlungen mit dem PAOK-Verantwortlichen sehr schwierig. Zu Olympiakos Piräus will Giannoulis hingegen nicht wechseln, obwohl der Klub wohl ein Angebot von 4,5 Millionen Euro in Aussicht stellte.
Fakt ist: Beide Profis fehlten am Samstag beim Test gegen den 1. FC Saarbrücken (1:1) in Kaufbeuren. FCA-Trainer Manuel Baum plant derzeit nicht mit dem Duo. „Aktuell können sie nicht trainieren und spielen“, antwortete er freundlich, aber kurz auf die Frage nach dem Duo. Eine Rückkehr sei derzeit nicht absehbar.
Die Ersatzplanungen sind beim FCA aber schon voll im Gange. Am Samstag spielten zum Beispiel Neuzugang Hennes Behrens und Mads Pedersen auf der linken Außenbahn. Behrens gilt als der Spieler mit den größten Chancen, die Nachfolge von Giannoulis anzutreten. Pedersen gilt, wenn überhaupt, als Back-up.
Ersatzplanungen für den Fall eines Matsima-Transfers
Auf der Innenverteidiger-Position ist die Auswahl quantitativ deutlich größer: „Wir haben viele gute Innenverteidiger. Wir haben fünfeinhalb Spieler für die Position“, zählte Baum auf. Noahkai Banks, Keven Schlotterbeck, Calvin Brackelmann, Jeffrey Gouweleeuw und Yannik Keitel. Dazu kommt noch Tim Schnitzer. Baum: „Der halbe Spieler ist Tim, der kann hinten drin, auf der 6 und der 10 spielen.“ Gegen Saarbrücken bildeten Schnitzer, Keitel und Schlotterbeck in der ersten Hälfte die Dreierkette. In Halbzeit zwei standen Banks, Gouweleeuw und Brackelmann auf dem Platz. Zudem sondiert der FCA den Markt.