Bielefeld. „Mein Opa hat mich Anfang der 1980er-Jahre mit auf die Alm genommen. Seitdem hat mich Arminia nicht mehr losgelassen“, sagt Dennis Kastrup. Das allein ist nicht ungewöhnlich. Der heute 49-Jährige lebt jedoch seit zehn Jahren Tausende Kilometer entfernt im kanadischen Montreal und besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft. „Immer, wenn ich in Bielefeld bin, gehe ich zu einem Spiel, wenn es passt.“
Als die ganze Stadt im vergangenen Jahr Kopf stand, sei auch er zum Pokal-Finale nach Berlin geflogen: „Ich bin mit einem kanadischen Freund gereist. Der hatte gar kein Ticket, ist aber trotzdem noch ins Stadion gekommen. Die vier Tage in Berlin werden wir nie vergessen.“
Von der Fußball-Weltmeisterschaft habe er in seiner Wahlheimat jedoch wenig mitbekommen. „Kanada ist Eishockey-Land“, sagt der Radio-Journalist und Podcaster, der seinen runden Geburtstag im September in Bielefeld feiern will. Es gebe jedoch eine deutsche Community. In einer Bar würden auch Bundesliga-Spiele gezeigt. Die Menschen in der Millionenstadt bezeichnet Kastrup als nett, offen, hilfsbereit und zuvorkommend. Die meisten würden Englisch sprechen. 2014 hatte der Bielefelder in Montreal seine jetzige Frau kennengelernt.
Bewegende Lebensgeschichten
Er bezeichnet sich selber als Ur-Schilsker. Seinem Vater Joachim Kastrup, der vor einigen Jahren gestorben ist, gehörte das gleichnamige Opelhaus an der Beckhausstraße. Ein Foto zeigt den fünfjährigen Dennis im Garten des Schildescher Hauses. Vor ihm liegt ein Ball.
2021 gab es einen Einschnitt in seinem Leben: „In dem Jahr ist mein Schulfreund an Krebs erkrankt“, erzählt Dennis Kastrup. Der damals 44-jährige Freund habe zu der Zeit einen 17 Monate alten Sohn gehabt und Kastrup gefragt, ob er seine Lebensgeschichte für den Sohn aufschreiben könne. Er habe so viel zu erzählen und wisse nicht, wie lange er noch lebe.
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„Er ist dann tatsächlich sechs Monate später verstorben“, so Kastrup. Die Zeit habe jedoch gereicht, um ein einstündiges Feature unter dem Titel: „Lieber Enno! Dein Vater, der Krebs, der Tod und das Leben“ zu produzieren, das 2024 vom NDR ausgestrahlt wurde. „Es entstand ein Tondokument zwischen Verzweiflung, Hoffnung, Humor und Todesangst.“
Hier ist der fünfjährige Dennis mit seinem Vater Joachim im Schildescher Garten zu sehen.
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Tragischer Tod führt zu Audio-Buch-Projekt
Nach der Ausstrahlung des Features seien immer mehr Menschen auf ihn zugekommen, die ihre Lebensgeschichte für Kinder und Enkel verewigen wollten. Der tragische Tod seines Freundes führte bei ihm schließlich zum Projekt Audio-Bücher, das er anschließend ins Leben gerufen hat. Dabei geht es um die eigene Geschichte als Geschenk für Familienmitglieder oder Freunde, eine Erinnerung für Hinterbliebene.
„Mich berührt, dass mir Menschen ihre Lebensgeschichten erzählen und sich öffnen. Manchmal fließen auch Tränen“, sagt der gebürtige Bielefelder, der fließend Französisch und Englisch spricht. Mindestens einmal im Jahr ist der Arminia-Fan, der in Berlin studiert hat, in Bielefeld, wo seine Mutter bis heute lebt. „Ich freue mich immer wieder, zurückzukommen – und alte Freunde zu treffen“, schwärmt der Marienschüler, der noch den Kontakt zu seiner Abi-Gruppe hält.
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Einmal habe er mit einem an Alzheimer erkrankten Mann gesprochen: „Er hat mir zum Glück alles früh genug erzählt. Da war die Krankheit kaum ausgebrochen.“ Manchmal sei es aber auch so, dass Kinder ihren Eltern ein Audio-Buch schenken. Wichtig sei für ihn, dass er die Menschen persönlich treffe. Da sich auch in Deutschland Interessenten melden, verbinde er seine Besuche häufig mit einem Treffen. „Man könnte es zwar auch übers Internet machen, das wäre aber ganz anders.“
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