Bielefeld. Hunderttausende feierten am Samstag friedlich den Christoper-Street-Day (CSD) in der Hauptstadt Berlin. Am Abend kam es zu einem Angriff auf die Feiernden, als ein oder mehrere Täter mit einem Transporter im Berliner Tiergarten in die Menge fuhren. Eine Frau starb, 29 Menschen wurden verletzt, drei davon lebensbedrohlich.

Diese Attacke, die Bundeskanzler Friedrich Merz als „Angriff auf unsere Gesellschaft“ bezeichnete, erschütterte auch Menschen in Bielefeld zutiefst. „Wir haben zunächst einmal in Erfahrung gebracht, dass es allen Bielefelder Teilnehmern gut geht“, sagte Fabi Müller, Vorstandsmitglied von „BieQueer“, die zusammen mit „BiePride“ den Bielefelder CSD organisieren.

Spontan riefen die Vereine am Sonntag zu einer Mahnwache auf. Mehr als 300 Menschen trafen sich zu einem stillen Gedenken am Leineweber-Denkmal im Altstädter Kirchpark, darunter die SPD-Spitzen Ingo Nürnberger, Riza Öztürk, Markus Kollmeier und Thorsten Klute. Die Grünen waren unter anderem mit Romy Mamerow und Dominic Hallau vertreten.

„Niemand sollte Angst haben müssen“


Mehr als 300 Menschen hatten sich zur Mahnwache im Altstädter Kirchpark versammelt. - © M. Müller

Mehr als 300 Menschen hatten sich zur Mahnwache im Altstädter Kirchpark versammelt.
| © M. Müller

„Niemand sollte Angst haben müssen, einen Ort zu besuchen, an dem man einfach man selbst sein darf“, sprach Fabi Müller zu den Menschen. „Was heute zählt, ist, dass wir uns daran erinnern: Wir haben einander. Wir sind eine Community, die aus vielen unterschiedlichen Menschen, Geschichten, Erfahrungen und auch Privilegien besteht – aber die durch etwas Gemeinsames verbunden ist. Wir lassen einander nicht allein, gerade dann nicht, wenn Hass und Ausgrenzung versuchen, uns Angst zu machen oder uns Räume zu nehmen. Ein Angriff auf queere Menschen trifft niemals nur einzelne Personen. Dieser trifft uns alle.“

Es hätte eine Community getroffen, die jeden Tag dafür kämpfe, sichtbar sein zu dürfen und frei leben zu können. Und genau deshalb dürfe die Antwort nicht Rückzug sein, sondern müsse Zusammenhalt sein, Nähe, Schutz und das Versprechen, füreinander einzustehen. Am Sonntagnachmittag hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die Tat beim CSD in Berlin als „islamistischen Terroranschlag“ eingeordnet.

Keine Logos, keine Parteisymbole


Vor dem Leineweber-Denkmal waren viele Regenbogen-Flaggen zu sehen. - © M. Müller

Vor dem Leineweber-Denkmal waren viele Regenbogen-Flaggen zu sehen.
| © M. Müller

Auf Symbole von Parteien, Vereinen oder Organisationen wurde am Sonntagabend in Bielefeld verzichtet. Die Mahnwache sollte ein offener, überparteilicher Raum sein, getragen von Menschen, nicht von Logos.
Zum Thema: 10.000 Menschen zeigen Haltung beim Bielefelder CSD

Bielefeld hatte seinen Christopher-Street-Day gerade erst am 13. Juni veranstaltet. „Sichtbar bleiben! Haltung zeigen! Vielfalt genießen!“, lautete das Motto der Parade und des anschließenden Straßenfestes auf dem Rathausplatz. Rund 10.000 Menschen – und nicht nur aus der „LGBTQ+“-Community – hatten an diesem Tag friedlich in der Bielefelder Innenstadt gefeiert und damit gleichzeitig ein politisches Statement für Vielfalt und gegen Queerfeindlichkeit abgegeben.

Alle Infos und weiteren Entwicklungen in unserem Live-Ticker.

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