Dagobert-Zeichner

Stand: 21.07.2026 18:59 Uhr

150 Comicfans hatten am Dienstag die Gelegenheit, den US-Zeichner Don Rosa in Leipzig persönlich zu treffen. Der Künstler signierte in der „Comic Combo“ in der Südvorstadt Comics, Drucke und Sammlerstücke. Für manche Besucher war es die erste Begegnung mit dem Schöpfer der berühmten Dagobert-Duck-Biografie „Sein Leben, seine Milliarden“. Nach längerer Pause war der 75-Jährige wieder zu Gast in Leipzig. Es war gleichzeitig seine einzige Station in Ostdeutschland.

von Sina Meißgeier, Konstantin Henß, MDR SACHSEN

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

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Der steinreiche aber notorisch geizige Onkel Dagobert hätte für dieses Event wahrscheinlich Eintritt verlangt. Der Zeichner Don Rosa, der den weltbekannten Erpel nach der Erfindung von Carl Barks weiterentwickelt hatte, war kostenfrei zu sehen. Für den Leipziger Comic-Laden war es ein besonderer Tag, berichtete Mitarbeiterin Christin Kündiger im Gespräch mit MDR SACHSEN. Der US-Amerikaner sei schon häufiger da gewesen, aber trotzdem sei es immer wieder ein Ereignis „einen der ganz großen Entenhausen-Zeichner“ zu Gast zu haben.

Verschiedene Prints aus dem Leben von Dagobert Duck liegen auf einem Tisch.

Ein langes Leben voller Fleiß und (Ehr)geiz hat Dagobert Duck reich gemacht. Berühmt sind nicht nur seine Bäder in seinem Geldspeicher.

Organisation statt Fan-Sturm

Rosa habe mit seinen detailreichen Abenteuern Generationen von Leserinnen und Lesern begeistert. Auch Kündiger, die als Comic-Buchhändlerin ihren persönlichen Traum lebt. Um einen Ansturm im Laden zu vermeiden, hatte das „Comic Combo“-Team Nummern vergeben, statt die Fans vor der Tür warten zu lassen. Bis zu 150 Plätze waren vorgesehen. Zudem wurden die Signaturen pro Person begrenzt, damit möglichst viele Menschen dabei sein konnten.

Eine Frau im Kostüm steht vor einem Regal mit Lustigen Taschenbüchern.

Mitarbeiterin Christin Kündiger eilte am Dienstag als Goldie O’Gilt (hierzulande auch als Miss Nelly bekannt und einer großen Liebe von Dagobert Duck) durch die engen Flure des Ladens.

Don Rosa arbeitete für die Fans

„Jeder in Europa ist ein Fan. Es gibt größere und kleinere Fans“, sagte Rosa. Seine Verbundenheit mit den Lesern erklärte er mit seiner eigenen Kindheit: So wie er einst Fan seines Vorbilds Carl Barks gewesen sei, seien viele Leser heute mit seinen Geschichten aufgewachsen. Zeit, Leipzig zu besichtigen, habe er nicht. Der Besuch gelte ausschließlich den Fans. „Ich bin auch nach 35 Jahren noch sehr erfreut zu sehen, wie viele Duck-Fans es gibt“, so der 75-Jährige weiter. Als Kind habe er nicht gewusst, dass es einen ganzen Kontinent – ja, eine ganze Welt außerhalb Nordamerikas – voller Menschen gebe, die Disney-Comics genauso lieben wie er selbst.

Die Fans waren nach Nummern sortiert. So gab es keinen Ansturm und jeder konnte auch mit Don Rosa kurz sprechen.

Die Fans waren nach Nummern sortiert. So gab es keinen Ansturm und jeder konnte auch mit Don Rosa kurz sprechen.

Fan reist aus Bielefeld nach Leipzig

Einer der Fans, Cornelius, war eigens aus Bielefeld angereist. Sein Lieblingscharakter aus Entenhausen sei Dagobert, erzählte er: Aber erst als Erwachsener entdeckte er neue Facetten der Figur und könne die Lebensgeschichte nun besser nachvollziehen. Den Comic-Zeichner zu treffen, sei ein besonderer Moment gewesen: „Ich war total aufgeregt“. Rosa habe sich jedoch als „total gelassen“ und „richtig freundlich“ erwiesen und sich vor allem Zeit für Gespräche genommen.

Cornelius brachte Rosa sogar ein eigenes Fanprojekt mit. Inspiriert von dessen Comics hatte er Orte in Rio de Janeiro besucht, die Rosa als Vorbilder für seine Zeichnungen nutzte, und die realen Schauplätze mit ausgedruckten Comic-Panels verglichen. „Das wollte ich ihm nicht vorenthalten“, sagte der Fan. Comics bedeuteten für ihn bis heute die Möglichkeit, „in eine andere Welt“ voller Abenteuer und Humor einzutauchen.

Ein Mann hält ein signiertes Bild in die Kamera.

Cornelius aus Bielefeld hat Don Rosa zum ersten Mal getroffen.

Übersetzer Jano Rohleder begleitet die Tour

Auch der deutsche Redakteur und Übersetzer, Jano Rohleder, war bei der Signierstunde am Dienstag vor Ort und beriet die Fans beim Erwerb von Prints. Vor knapp 20 Jahren begann er, die deutschen Veröffentlichungen des Künstlers zu kuratieren und hat viele seiner Europa-Touren mit organisiert. Nach Terminen vor allem in Skandinavien sei Deutschland nun wieder eine Station der Signierreise gewesen.

Ein Mann steht vor verschiedenen Entenhausen-Prints.

Jano Rohleder übersetzt seit knapp 20 Jahren Rosas Comic-Dialoge ins Deutsche.

Beim Übersetzen von Comics komme es vor allem darauf an, erzählte Rohleder, die Stimme der jeweiligen Figur zu treffen. Dialoge müssten nicht nur sprachlich korrekt, sondern charaktergerecht sein. Dafür sei vor allem der E-Mail-Austausch mit Don Rosa selbst sehr wichtig, berichtete er weiter.

Ein Siebenjähriger liest ein Micky-Maus-Heft.

Als Kind wuchs Rohleder mit den Micky-Maus-Heften seiner älteren Brüder auf. Diese erschienen heutzutage nur noch aller zwei Wochen: „Das Problem gerade im Comicbereich ist, dass die Auflagen immer niedriger werden.“ Weil heute weniger Hefte verkauft werden und Geschichten oft deutlich kürzer sein müssen, seien große Abenteuer im Stil von Don Rosa seltener geworden. Dennoch gebe es junge Künstler, die die Ideen weiterführten und neue Kapitel unter anderem aus Dagoberts Leben erzählten.

Video:
Comiczeichner Don Rosa trifft Fans in Leipzig (2 Min)

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