Die 125. Ausgabe der Rheinkirmes auf den Oberkasseler Rheinwiesen ist in den Büchern. Rund 4,1 Millionen Besucher sollen bei dem Jubiläum dabei gewesen sein. Was hat in diesem Jahr besonders gut geklappt – und was ist ausbaufähig? Wir haben auf die zehn Tage zurückgeblickt.

Kirmesfähre Klar, vollständig nach Plan lief das Comeback der Kirmesfähre nicht. Am Auftaktfreitag wurde alles versucht, um trotz niedrigem Rheinpegel auf der Kirmesseite anlegen zu können – selbst ein Bagger wurde eingesetzt, um eine Sandbank zu durchbrechen – doch es klappte schließlich erst am Montag. Den besonderen Charme, den Festplatz auf diese Weise zu erreichen, konnten Besucher dann immerhin noch eine Woche lang erleben. Dass es dazu noch ein gastronomisches Angebot auf der Fähre gab, war schön, einen Aperol Spritz dann in sechs Minuten zu trinken, allerdings auch ziemlich sportlich. Am letzten Kirmessonntag musste das Angebot aufgrund des Rheinpegels wieder eingestellt werden. Einige Erfahrungen dieses Jahres sollen nun in das kommende Jahr einfließen.
Fazit: trotz allem gelungen.

Feuerwerk Die Entscheidung, auch nach dem Unglück im Vorjahr ein Feuerwerk auf der Rheinkirmes zu veranstalten, scheint sich als richtig herausgestellt zu haben. Lange hatten die Veranstalter mit sich gerungen, diverse Analysen abgewartet und geprüft, bevor sie verkündeten, dass die Feuerwerk-Fans 2026 nicht darauf verzichten müssen. Das Sicherheitskonzept wurde an einigen Stellen verschärft, um Querschläger wie im Vorjahr vermeiden zu können. 19 Menschen waren während des Feuerwerks durch Querschläger verletzt worden. Das große Feuerwerk am zweiten Kirmesfreitag zog auch in diesem Jahr wieder Hunderttausende Menschen auf die Kirmes und zum gegenüberliegenden Rheinufer. Das zeigt, dass ein Feuerwerk unter verschärften Bedingungen die richtige Entscheidung der Veranstalter war.
Fazit: sehr gelungen.

Drohnen Zum Feuerwerk gehört seit 2025 auch die Drohnenshow. Auch in diesem Jahr wurde wieder eine Show vor dem großen Spektakel gezeigt. Die Kombination begeisterte die Besucher zwar wieder, aber es gab auch Kritikpunkte. Während die Motive bei der ersten Show am Dienstagabend so gezeigt wurden, dass von beiden Seiten alles gut zu sehen war, war das am Freitag nur bei manchen Motiven der Fall. Die zahlreichen Zuschauer im Rechtsrheinischen sahen viele Schriftzüge deshalb nur spiegelverkehrt. Und: Ein Motiv der Drohnenshow zeigte Lippen, die aufgespritzt werden, und war Werbung für das Unternehmen Aesthetify von Dr. Rick und Dr. Nick. Was das auf einer Familienkirmes zu suchen hatte, fragten sich im Nachhinein einige Besucher. Die Kirmesveranstalter werden die Kritik zum Anlass nehmen, die Leitlinien für Werbung zu diskutieren, sagte ein Sprecher.

Aber es gab auch sehr positive Aspekte: Statt am ersten Kirmessamstag fand die erste der beiden Drohnenshows am Dienstag statt. Das hatte den Effekt, dass deutlich mehr Menschen zu dem Volksfest kamen, als es an gewöhnlichen Dienstagen in der Vergangenheit der Fall war. Für die Schausteller und Gastronomen dürfte das einen positiven Effekt gehabt haben. Anders als im Vorjahr lohnte es sich außerdem in diesem Jahr umso mehr, zu beiden Shows zu kommen, denn es wurden zwei völlig unterschiedliche Shows gezeigt.
Fazit: größtenteils gelungen.

Fahrgeschäfte Als Veranstalter der Rheinkirmes hatte der Schützenverein St. Sebastianus 1316 extra eine Pressekonferenz einberufen, um die Neuheiten auf der diesjährigen Kirmes vorzustellen. Darunter sollten auch zwei von Weltrang sein, die ihre Premiere in Düsseldorf feiern wollten – trotz aller Unkenrufe, weil ein Betreiber zuvor schon bei mehreren Festen kurzfristig abgesagt hatte. Und tatsächlich passierte das auch zur Rheinkirmes: „Oracle“ brauchte noch etwas Zeit. Und dann streikte zum Auftakt auch noch der „Invader“ während der ersten Stunden nach der Eröffnung, obwohl sich schon vor Kirmesbeginn Schlangen davor bildeten. Bitter für Gäste wie Veranstalter, aber vernachlässigbar. Das sonstige Angebot an aufregenden Neuheiten und gemütlicheren Familienattraktionen war wieder ein Erfolg, für alle wurde etwas geboten. Die Ankündigungen etwas zurückhaltender zu gestalten, würde es künftig aber wohl auch tun.
Fazit: weitgehend gelungen.

Konzerte Dass nicht nur Achterbahnen, Partyzelte und Buden die Besucher auf die Kirmes ziehen, zeigen die Kirmes-Konzerte, die es nun zum zweiten Mal auf dem Volksfest gab. Während im Vorjahr bekannte Bands wie Brings und die Höhner auftraten, war das Programm in diesem Jahr etwas anders aufgestellt. Es wurde Blasmusik gespielt, ein Festival für Newcomer veranstaltet und mit Sandyhillchil kam eine bekannte Veranstaltung aus Zandvoort am Strand auf die Rheinkirmes. Eine Mischung aus beiden Jahren würden wir uns für kommendes Jahr wünschen.
Fazit: gelungen.

Gastronomie Das kulinarische Angebot wächst nicht nur in Düsseldorf stetig und wird vielfältiger – auch auf der Rheinkirmes macht sich das bemerkbar. Mittlerweile lohnt sich ein Bummel über den Festplatz auch dann, wenn man sich nicht in aberwitzige Höhen begibt, um herumgeschleudert zu werden. Dabei Altbekanntes und neue Erfahrungen verknüpfen, funktioniert – ob es süß, sauer oder ungewöhnlich ist. Lange Schlangen bildeten sich unter anderem vor dem Stand, der Kaiserschmarrn to go verkaufte und erstmals dabei war. Eine Mischung daraus hinzubekommen, ohne die nostalgischen Champignons zu vergessen, ist eine schöne Leistung der Platzkommission. Dazu muss man allerdings sagen, dass einige Speisen auch recht teuer sind, man muss es sich also leisten können, sich auf der Kirmes durchzufuttern.
Fazit: sehr gelungen.

Pink Monday Nicht von der Rheinkirmes wegzudenken, ist der Pink Monday. Seit mehreren Jahrzehnten feiert die queere Community gemeinsam auf dem Volksfest. In diesem Jahr gab es wieder an einigem Stellen auf der Rheinkirmes ein passendes Programm mit Kostümshows, DJs und Drag-Queens. Und genau so bunt soll der Tag auch in Zukunft bleiben – und gerne noch bunter werden, um weiterhin für Sichtbarkeit zu sorgen. Das machen auch einige Besucher, indem sie in pinker und bunter Kleidung auf das Volksfest kommen, um dort friedlich zusammen zu feiern.
Fazit: sehr gelungen.