Essay „Wir werden uns noch wundern“ vom 10. Juli:
Missachtung der Kultur
Der SZ danken wir als Leser für die umfangreiche, sachliche Information, die eine öffentliche Diskussion erst ermöglicht.
Dass die Stadtspitze diesen Intendanz-Wechsel jetzt als einen ganz normalen Amtsvorgang darstellt, wird seiner weitreichenden Bedeutung für den Stellenwert der Kultur und der Anziehungskraft des Standortes München in keiner Weise gerecht. Letztlich entscheiden die Besucher der Kammerspiele über den Erfolg des Theaters mit seinen anerkannten Qualitäten, die von der Theaterwelt gebührend gewürdigt wurden.
Außerdem haben sich die Kammerspiele in den letzten Jahren um die Inklusion in außergewöhnlicher Weise verdient gemacht und daran auch nach anfänglich harscher Kritik, auch von der SZ, unbeirrt festgehalten. Der Erfolg der Kammerspiele hätte es nahegelegt, auch die Öffentlichkeit, ohne die eine optimale Auslastung nicht möglich gewesen wäre, über die Pläne der Stadt für den Intendantenwechsel frühzeitig zu informieren, anstatt die Ausschreibung „unter dem Radar“ voranzutreiben. Da bleiben viele Fragen offen. Wie wenig der Stadtspitze an einem achtsamen Umgang mit der Intendanz und damit auch mit dieser herausragenden kulturellen Institution gelegen ist, hat die Entscheidung für eine Ausschreibung ohne ein vorheriges Gespräch mit der Intendantin gezeigt.
Eva und Michael Duhnkrack, München
Essay fehlgeschlagen
Was ich da im Feuilleton gelesen habe, hat mich vom Stil her einigermaßen schockiert: Da beschränkt sich der Autor nicht aufs eigentliche Thema, die Intendanz der Kammerspiele und deren Fortsetzung, sondern nutzt die Gelegenheit, sich über alles auszukotzen, was ihm in München nicht gefällt. Da wird das Rathaus als „Hölle“ tituliert und der „rasend beliebte“ Oberbürgermeister (neidisch?) und die zweite Bürgermeisterin als „Bimmel und Bommel“ verunglimpft. Doch damit nicht genug: Auch Straßenfeste, bei denen sich das einfache Volk mit Banalitäten vergnügt, werden thematisiert, weil die dafür gesperrten Straßen (kenne ich eigentlich nur am Wochenende) es dem Autor als Elternteil mit Termindruck unmöglich machen, rechtzeitig sein Ziel zu erreichen.
Muss man bei einem Essay in der Rubrik „Debatte“ erwarten, dass sich der Autor mit dem Text ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Verluste selbst therapiert? Ein bisschen Kulturkampf vom Kulturexperten? „Die essayistische Methode ist eine experimentelle Art, sich dem Gegenstand der Überlegungen zu nähern und ihn aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten“, schreibt Wikipedia. In den oben genannten Punkten scheint mir das Experiment fehlgeschlagen.
Roland Barfus, München
Würdelos und unvernünftig
Dass Marek Wiechers als Kulturreferent für die nächsten zwei Jahre bestätigt wurde, ist die einzige vernünftige Entscheidung. Viele werden sich erinnern: Michael Piazolo, der kurz für den Posten im Raum stand, hat als bayerischer Bildungsminister in der Coronazeit alles andere als ein vertrauenswürdiges Bild abgegeben, und beim Vergleich der Kulturprogramme im Wahlkampf zeichnen sich die Freien Wähler dadurch aus, dass sie überhaupt keins hatten. Einen neuen Kulturreferenten zu installieren, hätte in der gegenwärtigen Haushaltslage nur zu einem Chaos geführt.
Die zweite einzig richtige Entscheidung, die nun getroffen werden muss, betrifft die Kammerspiele: Barbara Mundel muss so lange verlängert werden, wie sie bereit ist zu verlängern. Sie hat in den letzten zwei Jahren das Stadttheater an der Maximilianstraße zu einem künstlerisch hochrangigen Ort gemacht. Sie hat es geschafft, die Kammerspiele aus einer tiefen Talsohle zu knapp 80 Prozent Auslastung zu führen. Sie macht ein Programm, dessen Publikum sich sichtbar verjüngt hat, wo Diskurse möglich sind und Anfeindungen ausgehalten werden. Der Umgang der städtischen Politik und Verwaltung mit ihr ist, wie der SZ-Autor in seinem leidenschaftlichen Essay schreibt, einfach nur unterirdisch.
Der Umgang von Verwaltung (Wiechers) und Politik mit Barbara Mundel ist haarsträubend würdelos.
Christiane Pfau, München
Zu unsichtbare Intendanz
Das vehemente Plädoyer für die Intendantin der Kammerspiele inklusive der Abrechnung mit dem bundesweiten Kulturmanagement habe ich interessiert gelesen, aber Zeile für Zeile zunehmend als polemisch empfunden. Besagte Frau Mundel hat sechs Jahre unentdeckt geblüht und soll anscheinend wie weiland Dornröschen entdeckt werden. Nur findet sich kein Prinz, selbst der medienoffene Herr Krause packt nicht zu.
Als theateraffiner alter Mann habe ich mich schon zu Lilienthals Zeiten ins Volkstheater geflüchtet, wo auch zukunftsträchtiges Theater versucht wird, vielleicht etwas kompatibler, als Frau Mundel es servierte. Selbst Becks durchgeklügelte, leicht antiseptische Resi-Kost war noch verträglicher als Mundels Menü. Hat sie doch über die Medien zu verstehen gegeben, dass die Publikumsquote kein Qualitätsmerkmal sei. Stückls vielleicht oft zu gefällige, publikumsnahe Inszenierungen gefallen halt doch anscheinend. Inszenierungen zum Anfassen.
Frau Mundel wäre gut beraten gewesen, mehr mit der Stadtgesellschaft in Interaktion zu treten. Dazu gehört nicht nur die eigene Fan-Blase. Wenn man Bertolt Brecht in der Ahnenliste hat, dann sollte man hin und wieder auch an ihn denken. Die im Dunkeln sieht man nicht.
Georg Glasl, München
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