„Jetzt liegt es an Ihnen und an uns, wieder auf einen normalen historischen Kurs zurückzukehren“, sagte Putin zu den anwesenden Marinesoldaten. Damit verknüpfte er seine Geschichtsversion direkt mit der militärischen Besetzung ukrainischer Gebiete.

Putin: Ukraine wird westliche Landesteile „früher oder später“ verlieren

Bereits seit Jahren zweifelt Putin öffentlich die Existenz und Souveränität der Ukraine an. Schon 2008 hatte er beim Nato-Russland-Rat erklärt, die Ukraine sei „kein Staat“. 2005 nannte er den Zerfall der Sowjetunion „die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“. Mehrfach bezeichnete er die Sowjetunion als „historisches Russland“, das lediglich einen anderen Namen getragen habe. Die jüngsten Aussagen vor Marineangehörigen fügen sich in diese Linie ein.

imago images 0862717154Vergrößern des BildesPutin posiert mit Vertretern der russischen Marine: Der Kremlchef will seine Seestreitkräfte stärken. (Quelle: IMAGO/Vyacheslav Prokofiev/imago)

Gleichzeitig prognostizierte der Kremlherrscher, dass die Ukraine ganze Regionen verlieren werde, wo aktuell nicht einmal am Boden gekämpft wird. Er sagte wörtlich: „Ich bin sicher, die Ukraine wird diese westlichen Gebiete früher oder später verlieren. Was früher zu Polen, Ungarn, Rumänien gehörte, wird früher oder später – vielleicht nicht morgen, nicht übermorgen, in einem Jahr oder zwei, in zehn oder fünfzehn – aber am Ende wird alles historisch an seinen Platz zurückkehren.“

Eine Begründung dafür, weshalb ein souveräner Staat seine international anerkannten Grenzen verlieren sollte, nannte er nicht. Stattdessen knüpfte er an seine bekannte Erzählung an, Russland habe „keinerlei Aggression“ begangen und sei nur gezwungen gewesen, die „militärische Spezialoperation“ zu starten, um einen bereits begonnenen Krieg der Ukraine und des Westens zu beenden.

Zugleich stilisierte Putin Russland zur angeblich einzigen Schutzmacht für die Ukraine, obwohl das Land seit mehr als vier Jahren Ziel des russischen Angriffskriegs ist. „Es gab nur einen Garanten der territorialen Integrität der Ukraine, und das war Russland“, erklärte er.

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Russland: „Tag der Marine“ ohne Parade

Die Führung in Kiew habe aber entschieden, „dass es nötig, möglich und vorteilhaft für sie sei, Russland zum Feind zu erklären“. Die Entscheidung der Ukraine, den Aggressorstaat als Gegner zu behandeln, bezeichnete Putin als „Unsinn“ und „Schrott“. Zudem habe Moskau keinen Krieg begonnen. Tatsächlich war es Putin selbst, der zunächst 2014 die Annexion der Krim und den Einmarsch russischer Kräfte im Donbass sowie dann 2022 die Vollinvasion in die Ukraine befohlen hatte.

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