Berlin ist stolz darauf, als eine der multikulturellsten Städte der Welt zu gelten. Hier leben Menschen aus 193 Nationen. Doch die Stadt ist auch in anderer Hinsicht vielfältig: An einem Abend kann man ein Dutzend Sprachen hören und genauso leicht einem Fuchs vor dem Reichstagsgebäude, einem Wildschwein im Park oder einem Waschbären begegnen, der in einem Container wühlt. Die deutsche Hauptstadt ist einer der unerwartetsten urbanen Safari-Parks Europas.
Waschbären sind nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken © Roman Moshyn
In Berlin gibt es 59 Arten wildlebender Säugetiere. So gibt es allein bei den Wildschweinen sind es 2.000 bis 5.000 Tiere. Hinzukommen 133 Vogelarten. Dazu gehören etwa Habichte, Waldohreulen, Rotkehlchen und sogar Seeadler. In der deutschen Hauptstadt leben aber auch viele kleine Tiere: 158 Arten von Schnecken und Muscheln, 5.361 Insektenarten sowie 7 Reptilienarten.
Füchse tauchen überall in Berlin auf © Tj Holowaychuk/Unsplash
Berliner Füchse sind fast schon „Stadtbewohner“
Tatsächlich untersuchen Wissenschaftler:innen Berliner Füchse mittlerweile als eigenständiges Phänomen der urbanen Wildnis. Denn es ist normal, die roten Raubtiere sogar im Stadtzentrum zu sehen. Berlin mit seinen zahlreichen Parks, Friedhöfen und Grünflächen sowie dem großen Nahrungsangebot hat sich für sie als günstiger Lebensraum erwiesen. Am häufigsten bewegen sie sich aber entlang von Bahngleisen und Autobahnen. Dort gibt es weniger Fußgänger:innen. Deshalb sind das für die Tiere „ruhige Korridore“ für die Jagd.
Die Berliner Füchse haben sich an Menschen gewöhnt © Rural Explorer/Unsplash
Auch im Park von Schloss Bellevue, der offiziellen Residenz des deutschen Bundespräsidenten, lebt ein Fuchs namens Theo. Er wurde nach dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, benannt. Im Jahr 2020 hatte das Bundespräsidialamt seine Follower:innen auf Instagram um Namensvorschläge gebeten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entschied sich daraufhin für den Namen Theo. Seitdem ist der Fuchs sogar mehrfach bei offiziellen Veranstaltungen direkt auf dem roten Teppich vor dem Schloss aufgetaucht.
Füchse aus Notlage gerettet
Im März 2026 holten die Berliner Polizei und Rettungskräfte zwei heranwachsende Füchse aus einem tiefen Schacht. Die Jungtiere waren stark dehydriert, unterkühlt und extrem abgemagert. Vermutlich hatten sie mehrere Tage in der Falle verbracht.
Die Füchse wurden der Organisation „Fuchshilfe Berlin“ übergeben. Das Männchen und das Weibchen bekamen die Namen Schnippi und Schnappi. Sie wurden stabilisiert und aufgepäppelt.
Die Fuchshilfe Berlin kümmert sich um kranke Füchse © Fuchshilfe Berlin
Von Diebstählen und Füchsen
Ebenfalls im März 2026 fand die Berliner Polizei bei der Durchsuchung eines Tatverdächtigen ein Fuchsjunges in der Tasche seiner Jacke. Die Beamt:innen brachten das Tier in eine Tierklinik. Nach der Untersuchung übernahm die „Fuchshilfe“ die Betreuung.
Dennoch kann das Fuchsjunge nicht wieder in die Wildnis gebracht werden. Fachleute erklärten, dass der Kontakt mit Menschen für so junge Tiere bedeutet, dass sie nicht mehr selbstständig überleben können.
Ein eher unüblicher Fund: ein Fuchsjunges © Polizei Berlin
Im Stadtteil Zehlendorf verloren Bewohner:innen hingegen massenhaft jeweils einen Schuh. Sie vermuteten einen Dieb. Doch es war eine Füchsin, die nachts Schuhe aus Höfen wegschleppte. Ein Mann verfolgte sie und fand in einem Gebüsch ein Versteck mit mehr als 100 gestohlenen Schuhen und Flip-Flops. Seinen eigenen Turnschuh fand er dort allerdings nicht.
Immer wieder laufen Füchse auch durch Gärten © Olga Grynko/Amal News
Füchse am Flughafen
Im Januar 2025 wurde am Flughafen Berlin-Brandenburg ein Flugzeug der spanischen Fluggesellschaft Iberia nach Madrid gestoppt, da sich ein Fuchs auf der Start- und Landebahn befand. Die Maschine hatte bereits eine Geschwindigkeit von 235 km/h erreicht, als sie stark abbremsen musste. Danach rollte das Flugzeug zurück und startete im zweiten Versuch.
Verglichen mit einem Flugzeug ist ein Fuchs zwar winzig. Doch bei einem Zusammenstoß könnte ein Reifen platzen, wodurch der Pilot die Kontrolle über das Flugzeug verlieren könnte. Dennoch geht man mit Füchsen am Flughafen tolerant um. Mehr noch: In gewisser Weise „arbeiten“ sie sogar am Flughafen. Denn Vögel stellen für Flugzeuge eine deutlich größere Gefahr dar. Füchse fressen Nagetiere, Vögel und Aas, durch die Greifvögel normalerweise angelockt werden könnten.
Füchse tauchen an ungewöhnlichen Stellen auf © Freezer/Unsplash
Füchse in Berlin in den sozialen Medien
Ein Wildtierfotograf hat sogar am Alexanderplatz einen Fuchs gesehen. Dieser sei aus einem dunklen Durchgang gekommen und geschäftig die Straße entlanggelaufen. Ihn beeindruckte, dass das Tier überhaupt keine Angst vor dem Verkehr hatte – als wäre das sein ganz normaler Heimweg.
Im Internetforum „Reddit“ beschreiben Nutzer:innen, wie Füchse einfach zwischen Menschen herumlaufen, auf Grün warten, um die Straße zu überqueren, und sich so selbstsicher verhalten, dass Menschen sie für Hunde ohne Leine halten. In Foren schildern Menschen fast nachbarschaftliche Beziehungen: „unser Fuchs“, „der Rote aus dem Hof“, „Ich sehe ihn jeden Abend um 23 Uhr“.
Fuchs in der Nachbarschaft © Tetiana Seifert
Viele Menschen erzählen außerdem, dass sie Füchse zum ersten Mal in ihrem Leben in der Stadt sahen. Ein Nutzer fügte hinzu: „Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und habe keinen einzigen Fuchs gesehen, bis ich nach Berlin gezogen bin.“
Waschbären in Berlin sind niedliche, aber auch lästige Einwanderer
Waschbären stammen aus Nordamerika. 1945 entkamen einige Waschbären während der Bombardierungen aus einer Pelzfarm bei Berlin. Mittlerweile klagen viele über die niedlichen Felltiere. Sie richten beträchtliche Schäden an, haben keine Feinde und stehen auf der Liste invasiver Arten der Europäischen Union.
Waschbären klettern überall hoch © Olga Grynko/Amal News
Waschbären haben sich hervorragend an die Stadt angepasst: Sie leben auf Dachböden, in verlassenen Gebäuden, Garagen, Kellern und sogar in Kanalsystemen. Das Stadtleben gefällt ihnen, weil es dort viel Nahrung gibt: Mülltonnen, Komposthaufen, Obstbäume und Futter für Haustiere.
Die Berliner Behörden erhalten immer mehr Beschwerden über Waschbären. Sie klettern auf Dächer und beschädigen Dämmung, Dachböden und Infrastruktur. Zugleich sagen Fachleute, dass Jagd die Population nicht verringert, weil sich diese Tiere gut anpassen.
Ein Waschbär ohne Fahrschein
Im Mai 2023 stiegen zwei junge Waschbären an der Endhaltestelle Tempelhofer Damm in einem Bus der Berliner Verkehrsbetriebe. Die pelzigen Reisenden nutzten die Gelegenheit als der Fahrer ausstieg, um sich auszuruhen, und die Türen offen ließ. Als die ungewöhnlichen Gäste entdeckt wurden, flüchtete einer. Der andere weigerte sich entschieden auszusteigen. Deshalb rief der Fahrer die Polizei.
Immer wieder werden Waschbären an ungewöhnlichen Orten eingefangen Waschbären klettern überall hoch © Polizei Berlin
Nach einiger Zeit wurde das Tier an Ranger der Naturschutzstation Marienfelde übergeben. Diese ließen den Waschbären noch am selben Abend im Wald frei.
Berliner Polizei retteten einen kleinen Waschbären
Im Mai 2025 retteten Polizkräfte im Berliner Grunewald einen kleinen Waschbären. Passant:innenen fanden ihn ohne seine Mutter allein im Wald. Die Beamt:innen wickelten das Jungtier in eine Decke und brachten es in ein Waschbären-Rettungszentrum. Die Polizei veröffentlichte sogar Fotos der Rettungsaktion.
Ein berühmter Waschbär
Der Waschbär Alex wurde sogar zu einer lokalen Berühmtheit. Er lebte in der Tiefgarage des Hotels „Park Inn“ am Alexanderplatz. Immer wieder kamen Menschen, um nach ihm zu suchen. Medien schrieben sogar scherzhaft von Alex-Viewing, als wäre es eine Tourismusattraktion.
Waschbären fressen auch das Futter von Haustieren © Fr0ggy5/Unsplash
„Habibi, du hast mich zu Tode erschreckt“
In den deutschen sozialen Netzwerken werden Waschbären dennoch oft Müllpandas genannt. Denn zu ihren häufigsten nächtlichen Aktivitäten gehören Angriffe auf Mülltonnen.
2024 hörte ein Berliner ein seltsames Geräusch in einer Mülltonne und öffnete den Deckel. Darin saß ein überraschter Waschbär, der offenbar selbst nicht verstand, wie er in die Falle geraten war. Der Mann versuchte, den Waschbären zu befreien, und filmte das gleichzeitig. Das Video verbreitete sich in sozialen Netzwerken. Besonders die Formulierung „Habibi, du hast mich zu Tode erschreckt“ wurde bekannt.
Waschbären sind auch in den sozialen Netzwerken ein Thema © Fr0ggy5/Unsplash
Ein Waschbär in der Klinik
Als jemand in der Facebook-Gruppe Weddingweiser ein Foto eines Waschbären beim Virchow-Krankenhaus in Berlin veröffentlichte, begannen die Nutzer:innen zu scherzen. Der beliebteste Kommentar auf die Frage „Was behandelt er hier?“ lautete: „Zwei blaue Augen.“
Wenn Wildschweine zu den Nachbarn gehören
Auch Wildschweine tauchen regelmäßig in Berliner Wohnvierteln nahe an Wäldern auf. „In unserem Hof ist wieder eine Wildschweinfamilie“, schreiben Leute in Hauschats. Diese Tiere können bis zu 20 Kilometer pro Nacht zurücklegen und laufen nach Sonnenuntergang oft durch die Stadt. Gärten, Komposthaufen und Mülltonnen ziehen sie an.
Wildschweine tauchen regelmäßig in Wohnvierteln auf © Dogan Alpaslan Demir/Unsplash
In Berlin lief eine Löwin weg … die sich als Wildschwein herausstellte
2023 lebte Berlin mehrere Tage im Safari-Modus: Die Polizei suchte nach einer mutmaßlichen Löwin, die angeblich am Stadtrand gesehen worden war. Nach einem Großeinsatz kamen die Behörden zu dem Schluss: Höchstwahrscheinlich hatten die Menschen ein gewöhnliches Wildschwein gesehen. Das Internet scherzte damals, die Löwin habe einfach sehr berlinisch ausgesehen.
2023 sorgte ein Wildschwein für Verwirrung: Es wurde für eine Löwin gehalten © Jan Ledermann/Unsplash
Immer wieder stehlen Wildschweine in Berlin
Wenn man an Berliner Seen wie dem Teufelssee eine Tasche oder Essen unbeaufsichtigt lässt, besteht die Chance, dass ein Wildschwein den Inhalt kontrolliert. 2020 stahl ein Wildschwein einem Erholungssuchenden eine Tasche mit Laptop. Der Mann rannte nackt hinter dem Tier her. Danach warnten sogar deutsche Medien: „Lassen Sie Ihre Tasche nicht unbeaufsichtigt. Die Tiere wissen, dass es in Rucksäcken etwas zu essen gibt.“ Tatsächlich haben Wildschweine einen sehr starken Geruchssinn und ein gutes Gedächtnis. Wenn sie einen „guten Platz“ finden, etwa eine Mülltonne, einen Komposthaufen oder einen Picknickplatz, merken sie sich den Weg und kehren zurück. Genau deshalb bittet die Berliner Verwaltung darum, Wildtiere nicht zu füttern und keine Essensreste liegen zu lassen.
Wenn eine ganze Rotte Wildschweine erscheint
2024 veröffentlichte ein Nutzer ein Video einer Rotte von etwa 30 Wildschweinen, die ruhig durch Berlin lief, und fragte: „Ist das normal?“ Die Antworten waren berlinisch gelassen: „Ja, das ist ein gewöhnlicher Teil der lokalen Fauna.“ Ein Kommentar lautete: „Strange looking lions…“ („Seltsam aussehende Löwen“) – eine Anspielung auf die Geschichte mit der „Löwin“.
Ende Oktober 2024 verbreitete sich in sozialen Netzwerken ein Video, auf dem mehr als ein Dutzend Wildschweine, Erwachsene und Frischlinge, gemächlich durch das Wohnviertel Spandau spazieren und an einem Supermarkt und Häusern vorbeiziehen.

In Spandau tauchen Wildschweine häufiger auf © Dogan Alpaslan Demir/Unsplash
Bereits 2004 zog eine Rotte von 28 Wildschweinen durch die Straßen von Spandau und erreichte fast die Fußgängerzone der Spandauer Altstadt. Polizei und Verkehrslärm trieben die Tiere schließlich zurück in Richtung Wald.
Auf Reddit posteten Anwohner:innen Fotos von Wildschweinen in Westend, die jeden Tag zur gleichen Zeit an ihrem Haus vorbeiziehen – als gingen sie zur Arbeit.
Fühlen sich Wildschweine bedroht, kann es für Menschen schnell gefährlich werden © Jan Ledermann/Unsplash
Wildschweinchen können niedlich sein – solange es nicht um ihre Jungen geht
Kleine gestreifte Frischlinge sehen sehr niedlich aus. Doch die Berliner Behörden warnen: Gehen Sie niemals auf eine Bache mit ihren Jungen zu. Gerade dann können Wildschweine sich bedroht fühlen und gefährlich werden. Meistens wollen sie aber einfach nur ihren Weg gehen.