
AUDIO: Der Durst der Parks: Wasserspiele und junge Bäume trotz Dürre (3 Min)
Stand: 27.07.2026 16:34 Uhr
Der trockene Sommer hat den Wasserverbrauch öffentlicher Gärten in den Fokus gerückt. Während die Fontäne in den Herrenhäuser Gärten mit Wasser aus der Leine betrieben wird, brauchen Rasenflächen und junge Bäume weiterhin Frischwasser.
Die große Fontäne in den Herrenhäuser Gärten, deren Wasserstrahl 70 Meter hoch in die Luft schießt, kennt in Hannover wohl jeder. Sie ist das Herzstück der traditionsreichen Parkanlage. Doch der trockene Sommer mit neuen Hitzerekorden gibt Anlass zur Frage: Ist das nicht verschwenderisch?
Wasserspiele speisen sich aus der Leine
Anja Kestennus aus der Parkverwaltung versichert: Trinkwasser kommt dafür nicht zum Einsatz. „Die große Fontäne und auch die anderen Wasserspiele werden aus der Leine versorgt. Die Herrenhäuser Gärten haben schon ganz früh, 1700 genauer gesagt, das Recht bekommen, Wasser aus der Leine zu nehmen“, erklärt Kestennus. Die kurfürstlichen Gärten ohne Wasserspiele könne sie sich gar nicht vorstellen. „Das macht wirklich den Reiz des Gartens aus, allein dieses Geräusch. Wenn die Wasserspiele nach dem Winter das erste Mal wieder eingeschaltet werden, ist das echt immer ein erhebender Moment. Dieses Plätschern, dieses Rauschen zu hören, gehört einfach zum Erleben dazu.“

Die Herrenhäuser Gärten werden 350 Jahre alt. Highlight ist die Wasserkunst mit der 70 Meter hohen Fontäne im Großen Garten.
Zwiespalt zwischen Naturschutz und Gartenkunst
Bei Rasenflächen und bestimmten Beeten wird dennoch oft Frischwasser genutzt. Kestennus weiß um die Zwiespältigkeit zwischen Naturschutz und Gartenkunst. „Das ist auf jeden Fall ein Konflikt. Die Gäste möchten diese schönen Gartenanlagen erleben und möchten sie auch nicht vertrocknet sehen. Damit müssen wir in Zukunft immer öfter umgehen.“
Schon seit drei Jahren ist es in der niedersächsischen Landeshauptstadt zwischen 11 und 17 Uhr verboten, Grünflächen zu beregnen. Deren Zustand leide darunter, sagt Kestennus. „Natürlich gehen auch wir sparsam mit Wasser um, indem wir nicht die ganzen Rasenflächen beregnen, sondern nur die Flächen entlang der Wege.“ Da bleibe es nicht aus, dass man den Herrenhäuser Gärten in solch heißen Sommern auch die Trockenheit ansehe.

Der Klimaforscher Mojib Latif erklärt, warum die Zukunft des Wassers untrennbar mit der Zukunft unserer Gesellschaft verknüpft ist.
Landesgartenschau Bad Nenndorf braucht viel Wasser
Die Landesgartenschau im 30 Kilometer entfernten Bad Nenndorf ist nur rund ein Viertel so groß wie die Herrenhäuser Gärten – trotzdem gibt es auch dort einen immensen Wasserbedarf. Geschäftsführerin Annette Stang erklärt, zur Bewässerung gebe es keine Alternative, vor allem für neugepflanzte Bäume. Stang hält das Bewässern aber für ökologisch sinnvoll. „Das ist eine Investition in die Zukunft. Jeder möchte gerne Hitzeschutz unter Bäumen haben. Diese Anwuchspflege für die ersten drei Jahre braucht man einfach – sonst werden die Bäume auch nicht wachsen.“
Dicht bewachsene Flächen kühlen
Auch die Wissenschaft empfiehlt mehr dicht bewachsene Flächen für einen Kühlungseffekt. In Bad Nenndorf versuchen die Landschaftspfleger, wo es möglich ist, zunehmend Regenwasser zu sammeln und es zur Bewässerung einzusetzen. Kritik am Ressourcenbedarf der Landesgartenschau, die in diesem Jahr bis dato 350.000 Besucher verzeichnet, gebe es trotzdem immer wieder. Die Kleinstadt werde von der Ausstellung aber langfristig profitieren, betont Stang. „Ich kann für Bad Nenndorf nur sagen: Wir haben hinterher einen wunderbaren Kurpark, den haben wir erweitert. Und wenn wir jetzt die ersten drei Jahre der Anwuchspflege geschafft haben, brauchen wir da nicht mehr viel zu investieren und Wasser zu vergießen.“
Informationen zum Wassersparen
Auf dem Gelände können sich Besucher auch darüber informieren, was jeder Einzelne zu Hause tun kann, um Wasser zu sparen. Bis Mitte Oktober ist die Landesgartenschau noch geöffnet.

Der Große Garten zählt zu den bedeutendsten Barockgärten. Mit den umliegenden Landschaftsparks ist er ein schönes Ausflugsziel.

Die Gästezahl übersteigt die Erwartungen – die Stadt sieht Chancen auf eine schwarze Null. Aber es gibt auch Vorbehalte.